Ohne Halt durch Geltendorf?

Gemeinderat gegen Defizitübernahme der Regionallinie 810

Die Regionallinie 810 in Geltendorf, hier an der Haltestelle Alter Wirt.
+
Noch hält der 810er in Geltendorf, beispielsweise wie hier an der Haltestelle Alter Wirt. Ende des Jahres könnte sich das aber ändern.

Geltendorf – Nur etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass die MVV-Regionalbuslinie 810 den Betrieb aufgenommen hat. Sie verbindet den Bahnhof in Geltendorf mit der S-Bahn-Haltestelle Mammendorf (Landkreis Fürstenfeldbruck). In Geltendorf hatte sich die Gemeinde seinerzeit erfolgreich dafür eingesetzt, dass der Bus vier innerörtliche Haltestellen anfährt. Nun droht die Kehrtwende. Mit denkbar knapper Mehrheit hat der Gemeinderat beschlossen, sich nicht mehr am Defizit der Linie zu beteiligen. Bleibt es bei dieser Entscheidung, würde der Bus ab Dezember dieses Jahres ohne einen einzigen Stopp in Geltendorf bis zum Bahnhof durchfahren.

Die Regionalbuslinie 810 verkehrt momentan im 40-Minuten-Takt von Montag bis Samstag, jeweils von 5.30 bis 20.30 Uhr. Das Betriebskostendefizit – nur bezogen auf das Geltendorfer Gemeindegebiet – teilen sich die Kommune und der Landkreis Landsberg. Steigt Geltendorf nun aus, wird das folglich auch der Landkreis tun. Außerdem müssten gut 100.000 Euro an Fördermitteln zurückgezahlt werden. Diese wurden unter der Voraussetzung gewährt, dass der Busbetrieb zwischen Geltendorf und Mammendorf mindestens fünf Jahre unverändert läuft.

„Ich glaube, dass einigen Gemeinderäten diese Auswirkung nicht ganz bewusst war“, sagt der Geltendorfer Bürgermeister Robert Sedlmayr (ÖDP) mit Blick auf das Abstimmungsergebnis von 10:10. Die Gegenstimmen seien in seinen Augen mehr politisch denn sachlich motiviert gewesen. In der Sitzung war die Forderung laut geworden, dass die Buslinie, von Moorenweis kommend, über Eismerszell auch den Ortsteil Hausen anfahren sollte. Dies jedoch ist laut Sedlmayr nicht möglich, weil der Fahrplan so abgestimmt ist, dass die Fahrgäste jeweils Anschluss an die S-Bahnen in Mammendorf und Geltendorf haben.

Im Januar will Rathaus­chef Sedlmayr das Thema noch einmal auf die Tagesordnung bringen – und den Gemeinderat „nach eingehender Abwägung der Sachargumente“ davon überzeugen, der Defizitbeteiligung doch noch zuzustimmen.

Sedlmayr selbst war im März 2019 aufgefallen, dass die damals neu geplante MVV-Buslinie wohl nicht an den Stopps in Geltendorf halten werde – für Sedlmayr „ein Schuldbürgersterich ersten Grades“. Er setzte sich daraufhin als damaliger Nahverkehrs-Referent im Landsberger Kreistag beim Landkreis dafür ein, dass die innerörtlichen Haltestellen bedient werden. Was ab Dezember 2019 dann auch realisiert wurde.
Ulrike Osman

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Landkreis Landsberg: Inzidenz bleibt zwischen 50 und 80
Landkreis Landsberg: Inzidenz bleibt zwischen 50 und 80
Hans Pfister aus Egling: Ein Faible für die Zeit
Hans Pfister aus Egling: Ein Faible für die Zeit
In Schondorf sollen Bier und Wasser fließen
In Schondorf sollen Bier und Wasser fließen

Kommentare