Kein Kraftwerk am Mühlbach

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Derzeit ist der Untermüllerplatz noch eine Baustelle. Doch schon bald könnte sich im Mühlbach vor der Fischerei Gastl ein Mühlrad drehen.

Dießen – Mit großer Mehrheit sprach sich der Dießener Gemeinderat gegen die Errichtung eines Wasserrades ge- genüber der Eisdiele in der Mühlstraße aus. Die Freien Wähler hatten in einem Antrag vorgeschlagen, den Standort untersuchen zu lassen. Dass eine Stromerzeugung an dieser Stelle un- rentabel wäre, machte Ingenieur Stefan Wöllisch aus Tutzing mit seinem Sachvortrag unter dem Titel „Wasserrad – Romantik oder Stromerzeugung“ deutlich.

Bei einer Fallhöhe von 1,40 Meter, so Wöllisch, könnten an diesem Standort maximal drei Kilowatt Strom erzeugt werden – allerdings mit großem Aufwand: Notwendig wäre dazu ein Wasserrad mit einem Durchmesser von 4,80 Meter, das mit Getriebe, Einhausung und wasserrechtlicher Genehmigung zirka 64 000 Euro kosten würde. Ein „Schauwasser- rad“ ohne Getriebe und Generator wäre dagegen bereits für zirka 20 000 Euro zu haben, so der Fachmann. 

Doch auch dann seien zusätzlich eine Einhausung und eine wasserrechtliche Genehmigung notwendig. „Das ist energetisch nicht effizient, und die Kosten bestärken mich ebenfalls, dagegen zu sein“, betonte Hanni Baur (SPD). Es gäbe auch andere Möglichkeiten als ein „Legoland-Wasserrad“ um an die Ortsgeschichte Dießens zu erinnern, die sehr eng mit dem Mühlbach verbunden ist, meinte Erich Schöpflin (SPD) und griff den Vorschlag von Hanni Baur auf, einen „Mühlenweg“ vom See bis hinauf zum Mühlenmuseum im Elektrizitätswerk Stadler mit Schautafeln auszugestalten. 

Die zu erwartende Geräuschemission sei für ihn ebenfalls ein Grund, der gegen ein Wasserrad-Kleinkraftwerk an dieser Stelle spräche, so Bürgermeister Herbert Kirsch. Das Schlaggeräusch eines Wasserrades sei etwas anderes als das gleichmäßige Rauschen eines Wasserfalls, fügte Petra Sander (Grüne) hinzu. Der Wasserfall am Untermüllerplatz wurde, wie berichtet, vor einigen Wochen mit der Tieferlegung des Mühlbaches zurückgebaut. Wöllisch hatte bereits vor vier Jahren Möglichkeiten, Strom am Mühlbach zu erzeugen untersucht. 

Aus der damals vorgeschlagenen Steff-Turbine am Wasserfall wurde allerdings nichts. Sie hätte bis zu 100 Haushalte mit Strom versorgen können. Wie Wöllisch in seinem Vortrag weiter ausführte, sei dagegen vor der Fischerei Gastl am Untermüllerplatz Stromgewinnung mittels Wasserrad gänzlich auszuschließen. Die Fischerfamilie Gastl-Marstaller hatte parallel zum Antrag der Freien Wähler angeboten, hier in privater Initiative ein rein dekorativen Zwecken dienendes Wasserrad aufzustellen. Ein Angebot, auf das die Gemeinde nun zurückkommen möchte. 

Seitens des Gemeinderats wurde außerdem angeregt, die Kommune solle die Kosten für die wasserrechtliche Genehmigung – zirka 9000 Euro – übernehmen. Außerdem soll die Gestaltung eines Mühlenwegs künftig noch genauer unter die Lupe genommen wer- den.

Ursula Nagl

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