Das Leben etwas mehr genießen

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Auf das neue Jahr stießen Landrat Walter Eichner (links) und Oberbürgermeister Mathias Neuner (rechts) beim gemeinsamen Empfang von Stadt und Landkreis auch mit Festredner Professor Thomas Raff an.

Landsberg – Beim gemeinsamen Neujahrsempfang von Stadt und Landkreis waren sich alle einig. Der Abend stand im Zeichen vom Kunst und Kultur und sowohl Landrat Eichner als auch OB Neuner beantworteten die Frage aus Professor Thomas Raffs Vortrag „Braucht´s des?“ mit einem „Ja, des braucht´s!“.

„Landsberg ist und bleibt ein kultureller Standort“, betonte Oberbürgermeister Neuner im Interview mit Moderatorin Sabine März-Lerch. „Aber die Kultur muss in der Stadt stattfinden und nicht nur von der Stadt kommen“, stellte er klar. Was Neuner sofort anpacken würde, wenn es die finanzielle Situation zuließe? „Der Erfolg der Kultur hängt ja nicht proportional mit dem Geld zusammen“, meinte Neuner, „aber ich würde mich zunächst um die Sanierungen am Herkomermuseum, am Neuen Stadtmuseum und am Bayertor kümmern.“

Oberbürgermeister Mathias Neuner stand Moderatorin Sabine März-Lerch beim Neujahrsempfang Rede und Antwort zum Thema Kultur und deren Bedeutung.

„Was macht die Kultur mit Ihnen?“, wollte März-Lerch schließlich vom Landsberger Oberbürgermeister wissen. „Sie lässt mich das Leben etwas mehr genießen“, sagte Neuner. Kulturelle Lieblingsorte in Landsberg seien für ihn besonders der neue Hauptplatz oder das Stadttheater, auch das Ruethenfest gehöre zu seinen Highlights.

Dass Kultur als Überlebenshilfe dienen kann, erklärte Professor Thomas Raff in seinem Festvortrag unter dem Thema „Kultur als Überlebenshilfe und Menschenrecht, oder Für was braucht´s des?“: „Die klassische Kunst ist nicht um ihrer selbst Willen entstanden, man hat sich Hilfe von der Kunst erwartet.“ Davon zeugten etwa die Ikonen oder Votivtafeln der damaligen Zeit. Kunst sei nicht immer nur für den, der sie macht, sondern für die Mitmenschen. „Und Kunst trägt zum Überleben einer Ganzen Gesellschaft bei“, sagte Raff. Das zeige sich auch in dem Streben der Städte Athen oder Florenz, die versuchten andere – durch die Kunst konkurrierende Städte – zu übertrumpfen.

Kultur sei ebenso als Menschenrecht zu sehen, stellte Thomas Raff dar: „Das hört man selten, aber es ist immer wieder in der Erklärung der Menschenrechte zu finden.“ Etwa in Artikel 27 wo es heißt, jeder Mensch habe das Recht am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen und sich an den Künsten zu erfreuen. Auch in der Stadt Landsberg habe man ein Recht auf Kultur – ähnlich wie Florenz oder Athen. Stadt und Landkreis tun sehr viel für die Kultur, so Raff, doch man dürfe sich nicht auf der Geschichte ausruhen. Die Politik dürfe sich nicht nur mit finanziellen Mitteln für die Kunst befassen, sondern müsse sich auf Augenhöhe mit der Kultur auseinandersetzen, forderte der Kunsthistoriker.

Einen weiteren Aspekt von Kunst und Kultur, nämlich den der Musik, erlebten die Anwesenden beim Neujahrsempfang auch gleich in besonderer Qualität. Die weit über die Landkreis-Grenzen bekannte Landsbergerin Franziska Reif zeigte ihr Können am Klavier. Sie begleitete zudem die amerikanische Mezzosporanistin Jennifer Arnold. Auch Lothar Ringmayr unterhielt die Gäste mit seinem Saxophonquartett. Mit diesem brachte dann Arnold schwung- und humorvoll ein besonderes Jazz-Arrangement unter dem Titel „Die heilige Welt der Musik“ auf die Bühne.

Seine Gedanken zum Motto des Abends teilte auch Landrat Walter Eichner in seinem Schlusswort. „Ich bin ein Mensch, der sich ein Leben ohne Musik oder Literatur schlicht und einfach nicht vorstellen kann“, gestand der Landrat. Kunst und Kultur habe im Landkreis einen hohen Stellenwert und zwar auf vielfältige Weise, etwa auch in Vereinen, auf dem Dorf und im kleinen Umfeld.

Neben Lob für die Kultur in der Region schwang in Eichners Rede doch auch etwas Wehmut mit, da es für ihn der letzte Empfang als amtierender Landrat war. Er habe bereits an über 20 Neujahrsempfängen teilgenommen und diese auch immer bis zur ganz späten Stunde gerne genossen, wie Eichner mit einem Augenzwinkern verriet.

Janina Reich

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