Jagdwilderei im Lechrain?

Zwei Wildschweine und ein Hund

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Wen interessiert schon die Reviergrenze…

Landsberg – Es ist schon eine pikante Geschichte – wenn, ja wenn sie sich im Detail tatsächlich so zugetragen hat, wie von der Staatsanwaltschaft dargelegt. Zwei Männer und eine Frau, allesamt aus der Lechstadt stammende Jagdscheininhaber, zwischen 51 und 59 Jahre alt, mussten sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht in mehrere Fälle von Jagdwilderei verantworten. Außerdem soll einer der Angeklagten einen Collie-Mischlingshund mit einer Jagdwaffe erschossen haben. Die Verhandlung endete mit einem Deal.

Laut Anklage soll das Trio im Jahr 2013 im eigenen Jagdrevier in der Nähe von Rott auf zwei Wildschweine angelegt haben. Natürlich ist das nicht strafbar, wohl aber was danach geschehen sein soll: Wie Staatsanwalt Marco Ottaviano vor einigen interessierten Zuhörern darlegte, seien die beide Tiere offensichtlich nur angeschossen worden, weshalb sie sich noch 250 Meter weiter auf ein benachbartes Revier eines anderen Jagdpächters schleppten, wo sie dann verendeten. Kurzerhand soll das Trio die beiden toten Wildschweine wieder zurück ins eigene Revier transportiert haben.

In einem anderen Fall soll die weibliche Angeklagte von einem Hochsitz in Holzhausen auf Wild geschossen haben, obwohl ihr die Jagderlaubnis gekündigt worden war, so die Staatsanwaltschaft. Verletzung fremden Jagdrechts lautete hier der Vorwurf. Weiterhin wurde der 51-Jährigen zur Last gelegt, eine Schusswaffe „unerlaubt in fremden Revieren geführt“ zu haben. Doch damit nicht genug: Auf ihre Anweisung hin, so das Gericht, habe einer der Angeklagten im Jahr 2012 den Collie-Mischlingshund der Jägerin „grundlos mit einer Jagdwaffe“ erschossen.

Nach Verlesung der Anklageschrift unterbrach der vorsitzende Richter Niedermeier die Verhandlung und bat die Anwälte der Beschuldigten sowie den Staatsanwalt zur Beratung ins Richterzimmer. Offensichtlich waren sich die Angeklagten überhaupt nicht mehr grün – in der Verhandlungspause würdigte man sich keines Blickes. Auch die Tatsache, dass jeder seinen eigenen Anwalt, einer sogar zwei, mitgebracht hatte, sprach dafür, dass man sich nicht mehr verstand.

Nach mehr als 20 Minuten kamen die Richter, Staatsanwalt und die Rechtsanwälte wieder zurück in den Verhandlungsraum. Die Verhandlung blieb unterbrochen, weil nun die Anwälte sich mit den Angeklagten auf den Gerichtsflur zur Beratung zurückzogen. Allen Zuschauern war klar, dass die Anwälte ihren Mandanten einen „Deal“ schmackhaft machen wollten. Dieser lautete: Einstellung des Verfahrens gegen die Auflage, 500 Euro an den Kinderhospizverein in Dießen zu zahlen. Zwei der Angeklagten waren sofort einverstanden, der dritte ließ durch seinen Rechtsanwalt verlautet, er stimme nur „schweren Herzens“ zu, da er sonst als unbescholtener Bürger als einziger Angeklagter übrig bliebe. Seine Spende wolle er aber der Kinderhilfe Namibia zukommen lassen.

Richter Niedermeier erläuterte, dass der Deal, also das „Sach- und Rechtsgespräch nach §153“, für ihn wegen der „Schwere der Schuld“ an der unteren Grenze gelegen habe. Niedermeier verwies ausdrücklich darauf, dass die Angeklagten kein Schuldeingeständnis abgelegt hätten und zum Zeitpunkt der Absprache keine objektiven Beweise für ihre Schuld vorgelegen hätten. Das hätte erst die Hauptverhandlung erweisen können. Rechtskräftig wird der Ausgang des Verfahrens erst, wenn die Zahlungen an die gemeinnützigen Vereine dem Gericht nachgewiesen sind.

Siegfried Spörer

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