Geocaching weltweit und in Landsberg

Wenn "Sir Gahaad" wieder mal auf Schatzsuche geht

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Peter Loose zeigt einen seiner Caches in Landsberg. Wo genau sich dieses Versteck befindet, wird natürlich nicht verraten.
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In seiner kleinen Werkstatt in der Lechstadt entstehen die raffinierten Behälter und Tarnungen von Peter Looses Caches.
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So kann die Karte eines Geocachers nach einer Weile ausschauen. Gelb sind die gefunden Schätze markiert

Landsberg – Die weltweite Schatzsuche „Geocaching“ feiert heuer ihren 20. Geburtstag. Über drei Millionen sogenannte „Caches“ (dt.: Versteck, geheimes Lager) sind rund um den Globus versteckt und warten darauf, gefunden zu werden. Mittels verschiedener Apps kann die ungefähre Positionen eines Caches auf der Landkarte gesehen werden. Durch GPS-Koordinaten und Hinweise lassen sie sich schließlich finden.

Alles begann am 2. Mai 2000, als die Nutzung von GPS-Koordinaten durch die US-Regierung für zivile Zwecke freigegeben wurde. 24 Satelliten sendeten nun rund um die Uhr sehr genaue Daten aus dem Weltraum. Nur einen Tag später vergrub David Ulmer in der Nähe der Stadt Portland, im US-Bundesstaat Oregon, den ersten Schatz und veröffentlichte die Koordinaten im Internet. Mike Teague war der schnellste vor Ort und konnte das jungfräuliche Logbuch signieren. Eine Regel, die bis heute gilt: Erst nachdem man sich im beiliegenden Logbuch eingetragen hat, gilt der Cache als gefunden.

Wenige Wochen später rief Mike Teague die Website Geocaching.com ins Leben und am Ende des Jahres gründete er gemeinsam mit Elias Alvord und Bryan Roth die Firma „Groundspeak Inc.“ mit Sitz in Seattle, im US-Bundesstaat Washington. Heute hat die Company rund 80 festangestellte Mitarbeiter und verwaltet die in 191 Ländern versteckten Caches und registrierten Mitglieder, um deren genaue Zahl ein Geheimnis gemacht wird. Es dürften weltweit mehrere Millionen Spieler sein, von denen viele eine Premium-Mitgliedschaft haben. Sie kostet 30 Euro im Jahr.

Tupperdosen und mehr

Aber auch mit einer kostenfreien Version der App kann man in die Welt des Geocachings einsteigen. Zwar sind dann nicht alle Schätze zu sehen, aber für den Start sind genügend verfügbar. Und davon gibt es reichlich: Angefangen von Tupperdosen hinter Bäumen, die leicht gefunden werden können, bis hin zu aufwändigen Installationen, bei denen mechanische Rätsel oder knifflige Kopfnüsse gelöst werden müssen, bevor sie ihren Inhalt preisgeben. Es gibt Caches auf Bäumen und Berggipfeln, unter Wasser und in Höhlen. Der Phantasie und Kreativität sind buchstäblich keine Grenzen gesetzt. Sogar in der Antarktis kann gesucht werden. Allerdings: Weder in Nordkorea noch in Somalia sind Caches zu finden – wen wundert‘s.

Es gibt Verstecke, die nur bei Nacht gesucht werden können. Für manche Rätsel braucht es mehrere Personen, für andere Cashes muss man sich anmelden, einige benötigen besondere Werkzeuge, etwa eine Angeln oder einen Dietrich. Aber das alles lässt sich den Attributen und Beschreibungen entnehmen, die zu jedem Versteck vorhanden sind. Erdacht, gebastelt und versteckt werden sie von enthusiastischen Mitgliedern, die dann als Besitzer oder auch „Owner“ eines Caches gelten. Sobald der Cache vom Hauptquartier in Seattle freigegeben wurde, kann die Jagd beginnen. In Deutschland sind weit über 300.000 Schätze zu ergattern.

Cacher aus Landsberg

Seit einigen Jahren ist auch der 54-jährige Landsberger Peter Loose diesem Hobby verfallen. Der gebürtige Thüringer, gelernter Schreiner und Arbeitstherapeut, hat seit 2017 über 1.000 Caches geborgen und irgendwann auch damit angefangen, in und um Landsberg seine eigenen Schätze zu verstecken. Unter dem Namen „Sir Gahaad“ ist der Ehemann und Vater von drei Kindern im Spiel aktiv. Es war seine Tochter, die ihn auf die faszinierende Schnitzeljagd aufmerksam machte: „Ich hatte schon durch einen Freund so um 2014 von Geocaching gehört, dachte aber das ist nichts für mich. In der Gegend rumrennen und Tupperdosen suchen? Nein danke. Meine Tochter geht aber sehr gerne in die Berge und betreibt das auch sportlich. Die hat mit Geocaching angefangen. Dadurch bin ich dann doch neugierig geworden und habe mir das mal angeschaut.“

Peter Loose kaufte sich ein GPS-Gerät, speicherte darauf die Koordinaten der Schätze, die im Internet vorhanden waren und zog los. Ganz ohne App und Handy. Sehr schnell merkte er, dass seine Leidenschaft für Rad- und Kanufahren sowie Bergwandern die perfekte Kombination für die Schatzsuche ist: „Da dachte ich mir: Geocaching wurde doch für mich erfunden!“

Seinen allerersten Cache fand er in der Unterführung an der Iglinger Straße in Landsberg, aber schon bald weitete er seinen Suchradius aus und konnte auch seine Gattin für die Unternehmungen begeistern. Das Kanu kam zum Einsatz, es ging in die Berge und die Funde in seiner Statistik häuften sich. Er entdeckte schließlich das Handy und die komfortablere App mit den hilfreichen Karten. Seinen Citroën Jumper funktionierte er zu einem Camper um, größeren Touren stand nun nichts mehr im Wege. Peter Loose erzählt: „Bei mir läuft die Planung so: Ich suche mir einen schönen Wanderweg oder See zum Kanufahren aus. Erst danach schaue ich, ob dort Caches in der Nähe sind. An erster Stelle steht für mich das Naturerlebnis, die Schatzsuche ist zweitrangig. Aber es ist immer wieder fantastisch, welche spannenden Orte man durch Geocaching abseits der Wege entdecken kann.“

"Magneto" und mehr

Nach rund sechs Monaten reifte in ihm der Gedanke, eigene Caches zu verstecken. Am 23. Mai 2017 war es dann soweit: Unter dem Namen „Vergessene Bauwerke“ platzierte er den ersten Cache am Hindenburgring in Landsberg. Es folgten mehrere Caches rund um das Thema „Lechpiraten“ und eine Serie, die er „Magneto“ nannte – allesamt in der Lechstadt zu finden. 37 Schätze hat er mittlerweile versteckt und seine Fähigkeiten als Schreiner helfen ihm natürlich dabei, feine Behälter zu basteln.

„Ich muss viele Faktoren beachten. Natur- und Vogelschutz stehen im Vordergrund. Da gibt es Karten im Internet, die ich studiere. Ich muss auf Abstände zu anderen Caches achten, denn da gibt es feste Vorgaben. Ich musste zu Beginn eine Menge lernen und war zunächst entmutigt. Aber ich wollte unbedingt Caches verstecken und blieb dran“, erzählt Loose von den Anfängen seiner Owner-Karriere.

Seine Magneto-Serie in Landsberg ist besonders gut für Anfänger geeignet. Die Verstecke sind nicht gar so perfide, denn zu Beginn der Suche brauchen Neulinge Erfolgserlebnisse. Weitere Caches für Anfänger sind bei Peter Loose in Planung. Er hat eine kleine Werkstatt in seiner Garage und hier tüftelt er an cleveren Tarnungen und raffinierten Behältern.

„Ich habe nun auch schon schöne Runden in den Bergen gelegt, um die Menschen in die Natur zu locken. Aber eben diese Natur soll nicht dadurch beschädigt werden, dass die Spieler dort wild suchen. Ich beschreibe immer ziemlich genau, wie man die Caches finden kann und füge auch hilfreiche Fotos hinzu. Eine intakte Natur steht bei mir an oberster Stelle“, sagt Peter Loose voller Überzeugung.

Für die nächsten Jahre hat er viele Pläne und Ideen. Er sammelt Materialen, die er in der Natur findet und verwendet sie bei seinen Verstecken. Andere Cacher dürfen sich auch in Zukunft auf weitere spannende Schätze aus der Werkstatt von Peter Loose freuen.
Dietrich Limper

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