Geheimnis des Augenblicks

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Gerd Lohmeyer nimmt die Zuschauer mit auf eine magische Reise.

Landsberg – Ein älterer Herr steht auf der Bühne, mit einem riesigen Koffer und einem Geigenkasten. Hinter ihm die Großprojektion seines Gesichtes, das sich langsam verjüngt, während er von seiner Jugendfreundschaft erzählt: der Freundschaft mit dem „Sammler der Augenblicke“.

Der „Sammler“, das ist der Maler Max, der sich für zwei Sommer und einen Winter im obersten Stock des Elternhauses des Erzählers (Gerd Lohmeyer) einquartiert – irgendwo auf einer Insel. In dessen Atelier darf der Junge in fremde Welten eintauchen: in den Büchern des Malers schmökern, seine Statuen betrachten, Phantasiereisen mit dem Globus unternehmen. 

Nur eines darf er nicht: die Bilder des Malers betrachten, die stets mit der Rückseite nach vorn an die Wand gelehnt werden. Als Max eine längere Reise unternimmt, übergibt er dem Jungen die Schlüssel zum Atelier und damit gleichsam die Erlaubnis, endlich die Bilder anzuschauen. Der Junge taucht ein in die Welt der surrealen Gemälde, die mittels Videoprojektion auf der großen Leinwand eingeblendet werden – sie verändern sich, verschmelzen, ziehen den Betrachter hinein in die gemalten Augenblicke, die immer ein Geheimnis bergen. 

Untermalt von der wunderbaren Akkordeonmusik von Jolanta Szczelkun macht sich der Zuschauer gemeinsam mit dem Jungen auf eine poetische Bilderreise: Ausblicke von einer Hafenmauer, ein überdimensionales Paket vor einem Haus, Straßenszenen, Schafe vor einem Strand, Möwen, ein Löwe in einem Ruderboot, Schneeelefanten in einer Straße. Die Bilder von Quint Buchholz haben etwas Magisches, wirken heiter, vertraut und bergen doch den berühmten Verfremdungseffekt, ein surrealer Traum, der aber nie bedrohlich wirkt, sondern einlädt, eine eigene Geschichte dazu weiterzuspinnen. Gerd Lohmeyer variiert gekonnt zwischen der abgeklärten Perspektive des alten Mannes und der staunenden Begeisterung des kleinen Jungen, zwischen Straßenmusiker mit einer anrührenden Würde und dem Jungen, der wegen seiner Brille als „Professor“ verspottet wird. 

Große Räume 

Regisseur Jochen Schölch inszeniert bewusst die Ruhe. Lange steht Lohmeyer zu Beginn stumm auf der Bühne, lange ist nur der Reigen der Bilder zu sehen. „Bilder sind Räume, die viel größer sind als die Wirklichkeit“, hatte Quint Buchholz im Sommer in einem Interview erklärt. Jochen Schölch, Gerd Lohmeyer und Jolanta Szczelkun ist es gelungen, diese großen Räume zu schaffen und den Zuschauer dort hinein zu ziehen. Ein wunderbarer Abend voller Poesie, Phantasie und fast meditativer Ruhe.

Patricia Eckstein

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