Bewährungsstrafe für 25-jährigen Landsberger

1.000 Ecstasy-Pillen gekauft

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Wegen Handel mit Betäubungsmitteln hat sich ein 25-jähriger Landsberger vor dem Schöffengericht verantworten müssen.

Landsberg – Wegen Handel mit Betäubungsmitteln hat sich ein 25-jähriger Landsberger vor dem Schöffengericht verantworten müssen. Im Frühjahr vergangenen Jahres erstand er von einem bislang Unbekannten, der sich selbst Mike nennt, 1.000 Ecstasy Tabletten. Diese wollte der Landsberger weiterverkaufen. Im Sommer kam es durch einen Verdacht zu einer Hausdurchsuchung, bei der ein Restbestand von rund 682 Tabletten bei ihm gefunden wurde. Richter Alexander Kessler verurteilte den Angeklagten zu einer Bewährungs-, sowie Geldstrafe, Drogenberatungsgespräche und -kontrollen.

Seinen ersten Kontakt mit Drogen hatte der Angeklagte bereits im Alter von etwa 15 Jahren. Dabei rauchte er gelegentlich Marihuana. Bis zu seinem 20. Lebensjahr erhöhte sich die Häufigkeit nach eigener Aussage. „Nicht jedes Wochenende, aber fast jedes“, sagt der Angeklagte. Allein geraucht habe er dabei nicht, er habe nur mitgeraucht. Mit seinem 20. Geburtstag nahm der Konsum von Marihuana ab, allerdings begann er dann mit Kokain. Auch das steigerte sich, bis es zu der Festnahme am 30. August letzten Jahres kam. 

Der Angeklagte erzählt selbst, wie es zu dem Erstkontakt mit dem Dealer kam. Ein Unbekannter, der sich Mike nannte, rief ihn im Frühjahr an, er habe gesagt, er hätte seine Nummer von einem Freund und er wollte sich mit ihm treffen. Aus Neugier ging der 25-Jährige darauf ein. Drei weitere Treffen folgten um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Zu ihrem fünften Treffen habe Mike den Angeklagten zu einem Kauf von 1.000 Ecstasy-Tabletten für 2.000 Euro überredet. Der Angeklagte hatte zu diesem Zeitpunkt den möglichen Gewinn aus dem Verkauf, da er bei seiner Mutter rund 16.000 Euro Schulden hat, die er monatlich abbezahlt. Dazu kommt sein frisch aufgebautes Unternehmen, aus dessen Umsätzen er nur das entnimmt, was er zum Begleichen aller monatlich anfallenden Kosten benötigt. 

Zunächst hatte der 25-Jährige einen Abnehmer für alle Tabletten gehabt, dieser sei jedoch kurz vor dem Deal abgesprungen. Rund ein halbes Jahr lagen die Pillen im Keller seines Vaters versteckt. Kleinere Mengen gingen zwischen März und Juli an einen benachbarten Freund, der auf Techno-Partys feierte. Im Sommer hatte dieser zum ersten Mal eine größere Stückzahl, zwischen 230 und 250 Tabletten, auf Provision erstanden. „Man hat dann bei ihm eine größere Menge festgestellt“, liest Richter Kessler vor. Insgesamt hat dieser Bekannte rund 318 Ecstasy-Tabletten erhalten. 

Am 30. August kam es dann zu der Hausdurchsuchung, bei der noch 682 Tabletten im Keller des Vaters gefunden wurden. Bereits zu diesem Zeitpunkt bereute der Angeklagte sein Handeln: „Ich wollte die Ecstasy Tabletten einfach nur weg haben.“ So erklärt er auch den Handel über Provision. 

Im Herbst 2017 war er bereits zu zwei Beratungsterminen der Caritas gegangen. Er habe vollkommen mit Marihuana und Kokain aufgehört, sagt er. Auf den Staatsanwalt Andreas Tonn machte der Angeklagte einen guten Eindruck: Zum einen, weil er selbst zu Beratungsterminen gegangen ist, zum anderen, weil er ein gefestigtes Umfeld sowie ein eigenes Unternehmen vorweisen kann. Daher forderte er zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung, sowie regelmäßige Drogenkontrollen und zudem noch eine Geldstrafe in Höhe von 3.000 Euro, welche er an eine gemeinnützige Organisation zu zahlen hat. 

Der Verteidiger des 25-Jährigen, Michael Pösl, sprach sich hingegen für ein Jahr und sechs Monate als Haftstrafe auf Bewährung aus, zusätzlich weitere Beratungstermine und 1.500 Euro als Spende. 

Nach einer kurzen Besprechung stimmten Richter Kessler und die beisitzenden Schöffen dem Staatsanwalt deutlich zu: „Sie sind aus unserer Sicht kein gefährlicher Großdealer.“ Richter Kessler bedachte die Vorschläge von beiden Seiten. „Sie sind ehrlich gewesen und haben keine Märchen erzählt“, lobte er und legte die Strafe auf ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung fest. Zusätzlich muss er ein drogenfreies Leben führen und zwei bis sechs Mal jährlich zu einer Kontrolle erscheinen. Ebenso muss er innerhalb der nächsten drei Monate fünf Beratungsgespräche bei der Caritas machen, sowie ihnen 2.500 Euro überweisen. Auf Grund seiner bisherigen Schulden kann er das in Raten von 150 Euro monatlich abbezahlen. Da 88 Tabletten wirklich verkauft wurden, fordert Richer Kessler außerdem einen Wertersatz von 264 Euro. Bei diesem Betrag geht er von einem Verkaufspreis von drei Euro pro Pille aus. 

Der 25-Jährige hat seine Strafe akzeptiert, weil er seine Schulden bei seiner Familie begleichen möchte, sein Unternehmen nicht gefährden will und im Herbst seine Meisterprüfung erfolgreich absolvieren möchte, er drogenfrei auch bleiben. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Franziska Rothermel

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