Menschen so annehmen, wie sie sind

Als Patientenfürsprecher immer ein offenes Ohr

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Menschen in Krankenhäusern brauchen manchmal mehr als nur einen Arzt.

Schwifting – „Man muss einen Menschen so annehmen wie er ist.“ Für Gerlinde Kronast-Reichert ist das eine der wichtigsten Regeln im Umgang mit kranken Menschen. Sie ist Patientenfürsprecherin im Klinikum Landsberg und ist damit Ansprechpartnerin für deren Probleme.

Der Bezirk Oberbayern ist derzeit wieder auf der Suche nach Patientenfürsprechern, die sich ehrenamtlich in den Kliniken engagieren. Aber wie genau sehen eigentlich die Aufgaben aus, die man dort übernimmt? Kronast-Reichert sprach mit dem KREISBOTEN darüber, wie ihr Arbeitsalltag aussieht.

Jeden Donnerstag fährt die Rentnerin in das Klinikum in Landsberg. Als Patientenfürsprecher kümmert sie sich um Menschen mit psychischen Problemen. Dabei hat sie mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern zu tun: Depressionen, Schizophrenie, Suchterkrankungen oder auch Demenz. In Landsberg macht das derzeit 79 Patienten plus diejenigen in der Tagesklinik, für die Kronast-Reichert als Ansprechpartnerin tätig ist.

Als wesentliche Aufgabe sieht die Satzung des Bezirks Oberbayern über die Patientenfürsprecher: „Den Patienten der Kliniken als unabhängige Ansprechpartner bei Beschwerden und sonstigen Problemen insbesondere auch im Verhältnis zwischen den Patienten und der Klinik zur Verfügung zu stehen und auf Wunsch auch vermittelnd tätig zu werden.“ Kronast-Reichert fasst das kurzum als „Sandwich-Position“ zusammen. Mal ist ein Patient mit den verordneten Medikamenten und dem Arzt nicht einverstanden oder es gibt Kritik an den Besuchszeiten. Dann muss Kronast-Reichert zwischen Klinik und Patient vermitteln.

Die Menschen sprechen mit ihr aber über ganz unterschiedliche Dinge. Dabei geht es bei weitem nicht nur um Probleme in der Klinik. Auch private Schwierigkeiten sind ein Thema. Familie, Partner, Job – Kronast-Reichert hat für alles ein offenes Ohr. Wichtig ist ihr dabei, direkt auf die Patienten zuzugehen. Eigentlich kommen die Patienten auf die Fürsprecher zu, wenn Redebedarf besteht. „Jetzt stellen Sie sich mal jemanden mit einer schweren Depression vor. Der schafft es nicht, zu ihnen zu kommen, sich hinzusetzen und zu reden“, erklärt die Schwiftingerin. Deshalb hat sie auch kein Büro – wie normalerweise üblich bei Patientenfürsprechern. Sie geht stattdessen direkt auf die Station zu den Patienten in die Zimmer. Dort erkundigt sie sich dann, ob alles in Ordnung ist. Dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Manche wollen zunächst nicht sprechen. Aber Kronast-Reichert weiß, ob sie etwas zu sagen haben oder nicht. „Ich sehe es an ihren Augen.“

Die Rentnerin fängt ein unverbindliches Gespräch an. Es wird zum Beispiel über die tolle Aussicht vom Balkon gesprochen. So baut sie langsam Vertrauen zu den Patienten auf und irgendwann wandert das Gespräch zu anderen Themen hin. Allerdings betont Kronast-Reichert: „Ich bedränge die Patienten niemals. Wenn sie nicht reden wollen, dann eben nicht.“ Für solche Fälle hat sie in der Klinik einen eigenen Briefkasten in einem der Gänge angebracht. Menschen mit psychischen Problemen falle es manchmal leichter zu schreiben als zu reden.

Bei den Gesprächen kommen auch emotionale Geschichten hervor. Solche Schicksale können einem wirklich sehr nahe gehen. Aber Kronast-Reichert macht deutlich: „Man muss damit umgehen können, sonst kann man nicht arbeiten.“ Es würde sich mit der Zeit eine Routine bilden – abstumpfen dürfe man aber nicht.

Für die Rentnerin ist das kein großes Problem. Sie hat in solchen Dingen schon jede Menge Erfahrung. Sie hat früher als Psychatriefachkrankenschwester gearbeitet. Der Umgang mit Menschen, die psychische Probleme haben, ist ihr also nicht fremd. Für sie ist medizinisches Wissen eine Grundvoraussetzung, wenn man als Patientenfürsprecher arbeiten möchte. Tatsächlich seien viele ihrer Kollegen aus anderen Kliniken Fachfremde. Was aber auf jeden Fall sein sollte, ist den Patienten als vollwertige Menschen zu begegnen und einfach „menschlich zu sein“.

Gerlinde Kronast-Reichert merkt man ihre Leidenschaft für diese Arbeit an. Trotzdem denkt sie ans Aufhören. Die 75-Jährige ist jetzt in ihrem zehnten Jahr Patientenfürsprecherin am Klinikum und „mit fast 80 ist dann auch mal gut.“

Wer sich für das spannende Ehrenamt interessiert, bekommt auf www.landsberg.kbo.de weitere Informationen, ebenso unter Telefon 089/219810011. Bewerben kann man sich noch bis zum 30. August.Stephanie Novy

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