Gerüstet gegen die Kälte

Leben in Gemeinschaft: Markus Dietl, Leiter der Arche Landsberg, mit Stefan, Corina und Sebastian. Foto: Osman

Der kalte Winter kann der Arche nichts mehr anhaben. Nach einer umfassenden energetischen Sanierung steht die 1927 erbaute Villa in der Erpftinger Straße im Hinblick auf Heizkosten und Klimaschutz bestens da. Für die kostspieligen Baumaßnahmen haben Bewohner und Freunde fleißig Spenden gesammelt, und auch wenn die zusammen getragene Summe nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, symbolisiert sie das, worauf es der Arche am meisten ankommt: das Leben in Gemeinschaft.

Die Arche – das sind Lebensgemeinschaften von Menschen mit und ohne geistige Behinderung. Knapp 140 gibt es weltweit, die Landsberger Gruppe ist die jüngste der drei in Deutschland existierenden und die einzige in Bayern. Vor gut sechs Jahren sind die ersten Bewohner und Betreuer – sie heißen hier Assistenten – in das Haus in Landsberg eingezogen. Heute leben hier acht junge Menschen mit Behinderung und mindestens vier Assistenten. Unterstützt werden sie von einigen Teilzeitbeschäftigten und ehrenamtlichen Helfern. Der Verein Arche Landsberg existiert bereits seit 2001. Im Jahr 2003 wurde das Haus in der Erpftinger Straße erworben und bereits damals teilweise umgebaut und saniert. „Es war aber immer klar, dass auch noch eine energetische Sanierung anstand“, sagt Gemeinschaftsleiter Markus Dietl. In diesem Herbst war es soweit: Das Gebäude erhielt ein neues Dach, eine effektive Außendämmung, eine Lüftungsanlage für die Innenräume und eine neue Haustür. Die Heizungsanlage wurde von Öl auf Pellets umgestellt, demnächst wird noch die Kellerdecke gedämmt. Die Kosten von über 100000 Euro wurden teilweise über ein günstiges Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert. Mit verschiedenen originellen Spendenaktionen trugen die Gemeinschaft und ihre Freunde selbst rund 6000 Euro zusammen. So gab es die Möglichkeit, gegen eine Spende eine der neuen Dachplatten zu signieren. Ein Ziegel des alten Daches, mit Unterschriften aller Bewohner versehen, wurde versteigert. Ein Benefizkonzert von Emanuel und Johannes Wiese mit ihrer Band brachte ebenfalls Spenden ein. Die jugendliche Hobbyfotografin Rebekka Leitenmeier gestaltete einen Flyer mit Fotos der Arche-Bewohner. Die Beziehungen untereinander und zu Freunden außerhalb der Arche sind ein tragendes Element der Gemeinschaft. Alle fühlen sich hier wohl – helle freundliche Räume, eine gemütliche Wohnküche, gute Energie. Die Assistenten leben mit im Haus, es wird gemeinsam gekocht, gegessen, der Haushalt geschmissen. Auf zwei Menschen mit Behinderung kommt ein Assistent. Der gute Personalschlüssel bedeutet auch, „dass die Leute hier weniger verdienen als in vergleichbaren Einrichtungen“, erklärt Dietl. „Hier ist viel Idealismus dabei.“ Und der wird belohnt. „Wir lernen viel von Menschen mit Behinderung. Sie haben unglaubliche Gaben an Spontaneität, Lebensfreude, Offenheit, und die Fähigkeit, jeden so anzunehmen, wie er ist.“

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