Gut gerüstet für die Zukunft

Dießener Töpferkunst für den Bauernpräsidenten: Kreisbäuerin Rita Behl und BBV-Obmann Leonhard Welzmiller überreichten Gerd Sonnleitner einen rustikalen Krug aus der Keramikwerkstatt Lösche (von links). Foto: Osman

Flächenverbrauch und Flächenentzug sind zwei der größten Herausforderungen, denen sich die Landwirtschaft derzeit gegenüber sieht. Das unterstrich Bauernpräsident Gerd Sonnleitner beim Kreisbauerntag am Samstag in Schwifting, wo er vor einem voll besetzten Saal in der Gaststätte Dorfwirt über die Zukunftsaussichten der heimischen Landwirtschaft referierte. Ursachen dafür, dass den Bauern das Land knapp werden könnte, sind Wohnungs- und Straßenbau sowie europäische Vorgaben zur Flächenstilllegung, aber auch der Kampf um Flächen für den wachsenden Anbau von Energiepflanzen.

16 Hektar pro Tag seien im Jahr 2009 für Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen verbraucht worden, sagte Gerd Sonnleitner. „Inzwischen sind es 21 Hektar pro Tag.“ Diese Entwicklung habe die bayerische Landwirtschaft seit 1970 eine halbe Million Hektar Land gekostet. „Das entspricht der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche Niederbayerns.“ Der wachsende Bedarf an Ausgleichsflächen, die als Gegengewicht zu Baumaßnahmen geschaffen werden müssen, nagt ebenfalls an Äckern und Wiesen. „Wo versiegelt wird, muss auch wieder entsiegelt werden“, forderte Sonnleitner deshalb. „Warum nicht Ausgleichsflächen in der Stadt schaffen?“ Der Deutsche Bauernverband wehrt sich mit einer Petition an den Bundestag gegen weiteren Flächenverbrauch und setzt sich für „intelligente Landnutzung“ ein – eine Forderung, die bundesweit inzwischen über 200.000 Unterzeichner gefunden hat, ein Drittel davon aus Bayern. „Land ist nicht vermehrbar“, so Sonnleitner. In Bayern stünden nachhaltig fruchtbare Böden sowie ein günstiges Klima zur Verfügung. Gerade deshalb müsse hier der Produktionsumfang erhalten bleiben. Sorgen bereiten dem Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes deshalb auch Pläne der EU, wonach sieben Prozent der landwirtschaftlichen Flächen als ökologische Vorrangflächen aus der Nutzung genommen werden sollen. „Da werden wir Probleme bekommen“, so Sonnleitner. „Das ist für uns ein unerträglicher Vorschlag.“ Im Landkreis Landsberg würden die sieben Prozent ein Minus von 1000 Hektar bedeuten. Gefahr droht für den Bauernpräsidenten auch noch aus einer anderen Richtung. Die Energiewende hat in einigen bayerischen Landkreisen Biogasanlagen offenbar wie Pilze aus dem Boden schießen lassen – rund 150 im Landkreis Rottal-Inn, 200 in der Region um Ansbach, berichtete Sonnleitner. Dort werde der Platz für den Anbau entsprechender Energiepflanzen bereits knapp. „Im Landkreis Landsberg gibt es erst 15 Biogasanlagen, das ist verträglich“, erklärte der 63-Jährige. „Wenn es aber ausartet, entsteht ein extremer Kampf um Flächen.“ Insgesamt sieht der scheidende Bauernpräsident, der sich in diesem Jahr aus seinem Amt zurückziehen will, die Landwirtschaft jedoch für die Herausforderungen der Zukunft gut gerüstet – nicht zuletzt deshalb, weil der Wunsch nach Versorgungssicherheit die heimische Produktion in der Öffentlichkeit wertvoller er-scheinen lasse. Auch Kreisobmann Leonhard Welzmiller zeigte sich mit der jüngsten Ertrags- und Preisentwicklung durchaus zufrieden. „2011 war ein sehr gutes Jahr.“ Ernten und Erlöse hätten sich positiv entwickelt, allein der Milchpreis sei gegenüber 2010 um über fünf Cent gestiegen. Ebenfalls gut sei die Preisentwicklung beim Rindfleisch.

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