Abschied in Holzhausen

Ein Magnusheimer mit Heiligenschein

+
Gesamtleiter von Regens Wagner Holzhausen Ulrich Hauser (sitzend) verabschiedete sich nach über 30 Jahren und übergab seinen Posten an Simone Kögl. Als Abschiedsgeschenk gab’s den heißersehnten Heiligenschein.

Holzhausen – Die „Magnusheimer“ haben ein neues Fami­lien­oberhaupt. Vergangenen Freitag gab Ulrich Hauser den Stab der Gesamtleitung von Regens Wagner Holzhausen an seine Nachfolgerin Simone Kögl weiter. Genau 31 Jahre und neun Monate („Ich hab das nachgerechnet“) war Hauser bei Regens Wagner beschäftigt. 17 Jahre davon hatte er die Gesamtleitung inne. „Du kannst dich jetzt gelassen hinsetzen, die Hände in den Schoß legen und lächeln“, riet ihm seine Stellvertreterin Gabriele Kirschner beim emotionalen Abschiedsfest. „Und dir sagen: Ich habe das Feld gut bestellt.“

Nach knapp 32 Jahren verlässt Ulrich Hauser Regens Wagner Holzhausen und tritt seinen Ruhestand an. „Ich bin jetzt 65einhalb Jahre alt, jetzt wird’s Zeit.“ Aber ganz ruhig wird es nicht: Im Rahmen eines Minijobs bleibt Hauser Geschäftsführer von „Service + Inklusion“. Und kümmert sich somit weiterhin darum, dass die Schulmensen der Landsberger Gymnasien gut und nachhaltig versorgt werden.

Und in der Freizeit? „Da werde ich viel Radfahren“, lacht Hauser. Passend dazu überreichte ihm die Mitarbeiterschaft beim Abschied den Grundstock für das erträumte Mountainbike, vervollständigt durch das typische Fahrrad-Werkzeugtäschchen und eine knallrote Fahrradklingel seitens der Gesamtleitungen der Regens-Wagner-Zentren. Katholisch muss die Klingel natürlich sein – und trägt deshalb den Christophorus, den Schutzheiligen der Reisenden, auf der Metallkappe.

„Ulis“ sehnlichsten Wunsch („Scho lang hätt I gern an Heiligenschein“) erfüllte augenzwinkernd die Mitarbeitervertretung. Nach „viel beten, singen und Opfer bringen“ schwebte ein Kreis aus weißem Glitter samt Rauschgoldengel auf die Bühne und Hausers Haupt: „Ulrich Hauser geht mit Heiligenschein in die Annalen von Regens Wagner ein.“ Hauser bedankte sich bei allen Mitarbeitern: „Ich bin gerührt.“ Ebenso bei den drei Land­räten, die seine Zeit bei Regens Wagner begleiteten, sowie bei Bezirkstagspräsident Josef Mederer: „Und glauben Sie nicht, dass Sie mich los sind! Ein neuer Antrag liegt schon bei Ihnen auf dem Tisch.“ Seine Nachfolgerin Kögl arbeitete Hauser ein halbes Jahr ein. Und ist überzeugt: „Die Menschen sind bei dir, Simone, in guten Händen.“

Einrichtung geprägt

Hausers hat Regens Wagner Holzhausen geprägt: Als Werkstattleiter begleitet er die 1986 gegründeten Magnuswerkstätten. Anfangs noch mit zwei Ausbildungsmöglichkeiten bieten sie inzwischen Platz für 200 Menschen mit Behinderung, die die Möglichkeit zu zwölf verschiedenen Berufsausbildungen haben.

Unter Hausers Leitung richtet sich Regens Wagner verstärkt nach außen, um Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft zu integrieren. Zum Beispiel als Mitarbeiter der zwei CAP-Supermärkte in Landsberg und Penzing. 2004 öffnet der Hofladen in Holzhausen, inzwischen die „Karotte“, ein Laden und Bistro, in dem Alltags-Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung stattfinden. In Landsberg werden Häuser für Außenwohngruppen eingerichtet. Gemeinsames Wohnen von Menschen mit und ohne Behinderung wird möglich. Es gibt inklusive VHS-Kurse, ein inklusives Fußballturnier. Und letztendlich auch zwei tierische Mitbewohner: die Esel Oskar und Pünktchen.

Simone Kögl übernimmt Ulrich Hausers Posten der Gesamtleitung von Regens Wagner Holzhausen.

Iglings Bürgermeister Günter Först dankte Hauser dafür, dass „sich Regens Wagner gegenüber der Gemeinde Igling geöffnet hat“. Den nun anstehenden Aufbruch sehe er als ein „Auf Wiedersehen!“ an Hauser, „und bitte so oft wie’s nur geht.“ Und gleichzeitig als ein „Auf geht’s“ an Hausers Nachfolgerin Kögl. Landrat Thomas Eichinger betonte Hausers Leistung, „Inklusion in menschlicher Art und Weise geschaffen zu haben“. Regens Wagner Holzhausen sei zu einem Ort geworden, „an dem man gut leben und auch gut arbeiten kann“.

Schwester Gerda Friedel, Stiftungsratsvorsitzende und Provinzoberin, hat die Zeit mit Ulrich Hauser in bester Erinnerung: „Oft saßen wir genauso lange im Bierstüberl wie im Konferenzraum. Zum Segen von Regens Wagner.“

Mit der Übergabe der Ernennungsurkunde und Vollmacht sowie dem gesungenen Franziskanersegen begrüßte die Provinzoberin Kögl als „das neue personelle Gesicht von Regens Wagner Holzhausen“. Es sei gut, in Kögl eine Nachfolgerin aus den Mitarbeiterreihen gefunden zu haben. Herrsche sonst Mangel an Frauen in Führungspositionen, zeige sich Regens Wagner mit acht Gesamtleiterinnen der insgesamt 15 Zentren vorbildlich in punkto Gleichberechtigung.

Die studierte Sonderpädagogin Kögl arbeitet seit 15 Jahren für Regens Wagner, davon die letzten zehn als Bereichsleiterin Förderstätte. Ihr Motto für die neue Position: „Jeder Wandel ist ein Versprechen, das du dir selber gibst“. Als Partner und Begleiter die Schaffung eines attraktiven Lebensraumes für Menschen mit Behinderung zu fördern, stehe für sie im Zentrum: „Ein Raum für alle mit offenen Fenstern und Türen.“ Kögls Kinder, drei und sechs Jahre alt, sind trotz Berufstätigkeit beider Elternteile gut versorgt: „Ich habe ein starkes Familiennetz hinter mir.“

Nun wird Simone Kögl als Oberhaupt ihrer Zweitfamilie, den „Magnusheimern“, starten. Sie freue sich, „diesen Dampfer mit dir, Gabi, zu steuern“, richtete Kögl das Wort an Kirschner, die weiterhin stellvertretende Gesamtleiterin von Regens Wagner Holzhausen sein wird. Dass diese Freude begründet ist, zeigt deren Replik: „Sei dir unseres Vertrauens und unserer Loyalität sicher. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dir.“

Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Wie zu Herkomers Zeiten: Oldtimer tuckern durch die Region
Wie zu Herkomers Zeiten: Oldtimer tuckern durch die Region
Adonis, Crysalis und das nächtliche Treiben der Gaukler
Adonis, Crysalis und das nächtliche Treiben der Gaukler
Was haben alle Zeitungen gemeinsam?
Was haben alle Zeitungen gemeinsam?
Der Versuchung immer wieder erlegen - bis zum Knast
Der Versuchung immer wieder erlegen - bis zum Knast

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.