Gescheitertes Experiment

Derzeit alles andere als in einem vorzeigbarem Zustand: Der Bahnhof in Dießen. Foto: Robert

Angekündigt hatte es sich bereits: Die Marktgemeinde Dießen erwirbt das Bahnhofsgebäude, der geplante Bürgerbahnhof der Ideal Mobil AG ist gescheitert.

Diese Woche war bekannt geworden, dass aus den Bürgerbahnhöfen Mittenwald und Murnau nichts wird, jetzt ging es Schlag auf Schlag: Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch hat bereits den kommenden Dienstag in seinem Terminkalender dick angestrichen – dann soll der Notartermin sein. Für eine Summe im unteren sechsstelligen Bereich kauft die Marktgemeinde das Gebäude von der Ideal Mobil AG. „Der Preis geht in Ordnung“, ließ der Rathauschef verlauten, „die machen mit uns kein Geschäft.“ Wie Firmenchef Thomas Walter gegenüber dem KREISBOTEN sagte, sei die Finanzierung an den Banken gescheitert. Dabei hatte er den Bürgerbahnhof für Landsberg schon so erfolgreich umgesetzt – das Projekt war sogar ausgezeichnet worden. 2007 kaufte die Firma dann der Bahn AG ein ganzes Bahnhofspaket ab: Dießen, Utting, Mittenwald, Murnau und Füssen – und hegte große Umbaupläne für die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude. Die Post ist schon im vergangenen Jahr in die – noch völlig unsanierte - ehemalige Schalterhalle eingezogen, bis auf die neue Pflasterung im überdachten Wartebereich tat sich aber nichts. Ein Ärgernis, denn die Gemeinde hatte mit der Ideal Mobil eine vertragliche Abmachung über neue öffentliche WC-Anlagen getroffen, die es noch immer nicht gibt. Dieses Thema wolle man sofort angehen, sobald der Kauf in trockenen Tüchern ist, versprach Kirsch auf Anfrage. Die Umbaupläne sind bereits in der Schublade. In nicht öffentlicher Sitzung hatte der Gemeinderat vergangene Woche den Bürgermeister ermächtigt, in Sachen Bahnhofkauf aktiv zu werden. Die Finanzierung sei durch eine „Umschichtung“ (Kirsch) im eben erst abgesegneten Haushalt 2011 gesichert. „Der Bahnhof ist unser Aushängeschild, nicht nur für Durchreisende“, freut sich Petra Sander (Grüne), dass Dießen nun die Möglichkeiten hat, diesbezüglich wieder einzugreifen. Denn ins beste Licht wird die Marktgemeinde mit dem derzeitigen Gesicht des Bahnhofes bestimmt nicht gerückt – das Gebäude präsentiert sich eher dunkel und ergraut. Nicht nur ein neuer Anstrich ist fällig, auch das Dach der Wartehalle müsste saniert werden. Ihr persönliches Ziel sei es, dass die Post angemessene Räumlichkeiten bekommt. „Die Schalterhalle hat ihren Charme – sie hat mehr Aufmerksamkeit verdient“, so Sander. Tragfähiges Konzept Die CSU begrüßt ausdrücklich den Kauf des Bahnhofs durch die Gemeinde. „Ich sehe im Bahnhof die Chance für eine zentrales Service-Center rund um Post, Mobilität, Information, Image-Pflege und Tourismus“, so der Ortsvorsitzende Wolfgang Salzmann. Allerdings verbinde die CSU – insbesondere mit Blick auf die finanzielle Lage der Gemeinde – damit auch die Erwartung, ein tragfähiges Bewirtschaftungskonzept zu entwickeln, das wirtschaftliche Chancen nicht zugunsten von „non-profit-Nutzungen“ vernachlässige.

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