Haftstrafe für 23-Jährige

Sexueller Missbrauch durch den Ex war frei erfunden

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Wegen "falscher Verdächtigungen" ist eine 23-jährige Landsbergerin am Amtsgericht ihrer Heimatstadt hart bestraft worden.

Landsberg – Wegen falscher Verdächtigung ist eine 23-Jährige vom Landsberger Amtsgericht zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Mit einer abstrusen Geschichte hatte die Landsbergerin einen Ex-Freund in den Verdacht gebracht, sie sexuell missbraucht zu haben – ohne ihn direkt zu beschuldigen. Das Gericht griff nicht zuletzt deshalb hart durch, weil nach den Worten von Richter ­Michael Eberle Fälle wie dieser das Misstrauen gegenüber echten Opfern schüren.

Die 23-Jährige hatte behauptet, Mitte Januar 2016 von einem Unbekannten angerufen worden zu sein. Dieser habe sie gefragt, ob sie schwanger sei. Denn sie sei zwei Wochen zuvor auf einer Silvesterfeier betäubt und im Schlaf sexuell missbraucht worden. An den Vorfall hatte die junge Frau keine Erinnerung, wie sie später der Polizei sagte. Den fraglichen Silvesterabend wollte sie auf einem Einödhof bei Augsburg verbracht haben – bei einem Mann, den sie kurz zuvor kennengelernt habe.

Diesen Mann konnte die Polizei nicht finden. Der Name und die Beschreibung, die die Landsbergerin der Polizei gab, führten die Beamten aber zu einem anderen Mann, einem 26-Jährigen aus der Nähe von Thierhaupten. Dies hatte die Angeklagte nach Überzeugung des Amtsgerichts auch so beabsichtigt – wohl um, wie Richter Eberle es ausdrückte, „eine offene Rechnung zu begleichen“. Mit dem 26-Jährigen hatte die Landsbergerin eine kurze Beziehung geführt, die er dann beendet hatte.

Im Laufe des Verfahrens verwickelte sich die 23-Jährige in Widersprüche. Einmal bezeichnete sie den 26-Jährigen als ihren besten Freund, dann wieder behauptete sie, ihn gar nicht zu kennen. Der 26-Jährige sagte vor Gericht aus, mit der Angeklagten den fraglichen Silvesterabend in Erlangen verbracht zu haben. Eine Auswertung der Handydaten der Landsbergerin bestätigte, dass sie tatsächlich in Erlangen gewesen war – sie selbst bestritt das jedoch. Wie ihr Handy dort hingekommen sei, wisse sie nicht.

Wäre die Angeklagte mit ihrer Geschichte durchgekommen, hätte der 26-Jährige für eine lange Zeit im Gefängnis landen können, sagte Eberle. Zugunsten der nicht vorbestraften 23-Jährigen wertete er, dass sie nach einigen Tagen ihren Ex-Freund in einer E-Mail an die Polizei entlastet hatte – auch wenn sie später vor Gericht behauptete, die fragliche Nachricht nicht geschrieben zu haben.

Zusätzlich zu der sechsmonatigen Bewährungsstrafe auf drei Jahre muss die Landsbergerin eine Geldauflage von 1.500 Euro an die Staatskasse sowie weitere 3.000 Euro an eine soziale Einrichtung zahlen.

Ulrike Osman

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