Erst Gasthaus, dann Schloss

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Präsentierten die Schriften des Archivs der VG Windach: 1. Vorsitzender des Veteranenvereins Manfred Stagl, Vorsitzender Josef Loy und Archivar Gerhard Heininger.

Windach – Der Veteranen- und Kameradenverein Windach-Hechenwang, der seit 2012 auch die Bewahrung der Dorfgeschichte als Vereinszweck hat, veranstaltete nun einen heimatgeschichtlichen Nachmittag. Im Mittelpunkt stand die Geschichte der Gastwirtschaft in Unterwindach, ausgearbeitet von Gerhard Heininger, dem Schrift- führer des Vereins und Archivar der Verwaltungsgemeinschaft.

Manfred Stagl, der 1. Vorsitzende des Vereins, konnte unter den zahlreichen Gästen auch den Vorsitzenden der Verwaltungsgemeinschaft Windach Josef Loy, die derzeitigen Eigen- tümer der Gastwirtschaft Familie Puljic und den früheren Besitzer Martin Schreyegg im Pfarrsaal begrüßen. Anschließend beleuchtete er in einem kurzweiligen, mit vielen Fotos angereicherten Vortrag die Geschichte der Gastwirtschaft. Unterstützt wurde er dabei durch seine Vereinskollegen Christian Schulz und Gerhard Heininger. 

Die Unterwindacher Gastwirtschaft war eine sogenannte Tafernwirtschaft und hatte dadurch einige Privilegien. Das Gebäude besteht in dieser Form seit dem Ende des 16. Jahrhunderts. Im Stiftsverzeichnis von 1537, also 31 Jahre bevor das Windacher Schloss erbaut wurde, wird erstmals ein Wirt Hans Hueber erwähnt. Im Jahre 1670 erwarb Mathias Klotz aus Schöffelding die Tafernwirtschaft. 

Von diesem Zeitpunkt an bis zum späteren Kauf durch Otmar Schreyegg blieb die Gastwirtschaft 235 Jahre in Familienbesitz, wenngleich die Nachnamen der Besitzer mehrmals wechselten. Unter den Brauns (1782 bis 1884) wurden die dazugehörenden landwirtschaftlichen Gebäude neu gebaut und 1865 am Ortsrand von Windach (Kellerberg) ein Sommerkeller mit Biergarten errichtet. 1884 heiratete Johann Lindenmüller aus Jesenwang ein. 

Im Jahre 1905 kaufte den Gasthof Otmar Schreyegg, der Besitzer des Brauhauses in Stegen. Sein Sohn, Enkel und Urenkel, alle mit Namen Martin Schreyegg, bewirtschafteten ihn noch bis zum Jahr 1978. Das 40-jährige Gründungsfest des Veteranenvereins mit Fahnenweihe am 19. Mai 1912 dürfte die größte Veranstaltung in der Geschichte der Gastwirtschaft und vermutlich auch Windachs gewesen sein. An diesem Tag wurden 54 Hektoliter Bier ausgeschenkt, wie aus einem noch erhaltenen Bierbuch von Martin Schreyegg hervorgeht. 

Nach mehreren Pächtern und Eigentümerwechseln gehört der „Gasthof am Schloß“, wie er mittlerweile heißt, seit über fünf Jahren der Familie Puljic aus München, welche ihn nach einer umfangreichen Renovierung im Juni 2010 wieder eröffnete. Im Anschluss an den geschichtlichen Rückblick wurde die dritte Ausgabe der „Schriften des Archivs der Verwaltungsgemeinschaft Windach“ vorgestellt. Sie behandelt die 500-jährige Geschichte der oberen Mühle in Windach. Diese 28-seitige Broschüre kann, wie auch die beiden früheren Ausgaben, kostenlos im Rathaus abgeholt werden.

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