Gesucht: Investor für neuen Hof

Trotz vieler Fragezeichen schein eines klar: Das Ensemble Schmitterbauerhof in Alt-Kaufering soll in jedem Fall erhalten bleiben. Foto: Bauch

Unter dem Strich war die Debatte des Umwelt- und Planungsausschusses eigentlich ernüchternd: nach jahrelanger Diskussion über die Zukunft des Anwesens „Schmitterbauerhof“ steht man genau genommen bei Null. Selbst, ob das Wohngebäude abgerissen oder saniert werden soll, ist weiter­- hin unklar. Trotzdem: Bürgermeister Erich Püttner (UBV) ging nach gut zweistündiger Diskussion wohl nicht unzufrieden nach Hause: „Ich nehme hier Aufträge für die Verwaltung mit. Wenn die Ideen verarbeitet sind, werden wir das weiter diskutieren. Immerhin haben wir offen und sachlich diskutiert.“

Die öffentliche Sitzung mit mehr als 30 engagierten Zuhörern fand im alten Forsthaus am Brückenring statt und lief ungewöhnlich ab: Mit Zustimmung der Ausschussmitglieder hatte Püttner das Rederecht auf die Zuhörer erweitert und so entwickelte sich eine lebhafte und lange Diskussion. Nachfolgend die Kernpunkte: • Laut dem Antrag der SPD, der überhaupt zu der Sitzung führte, soll das sanierte Forsthaus, in dem im Moment unter anderem der Musikverein Unterricht und Proben abhält, an „Brückenwirt“ Herbert Fischer verkauft werden. Dieser würde dort ein Gästehaus einrichten. Mit dem Erlös solle die Gemeinde den „Schmitterbauerhof“ sanieren und die Vereine dort großzügiger unterbringen. Das dürfte aber nicht durchsetzbar sein, soviel wurde an diesem Abend klar, da sowohl die Fördergelder als auch die freiwillig geleisteten Arbeitsstunden bei der Sanierung des Forsthauses dagegen sprechen. Ein Verkauf des Forsthauses ist offenbar vom Tisch. • Sanierung oder Abriss? Die Kauferinger CSU und die Vertreter des Dorfvereins plädieren weiterhin dafür, das Wohngebäude und den Pferdestall abzureißen und in ähnlicher Form neu zu bauen. Mehrere Zuhörer und Hans Koch (SPD) sahen das anders. Selbst Bürgermeister Püttner, der den Abend betont neutral moderierte, sagte: „Das Dorfbild hat auch etwas mit Geschichte und Tradition und nicht nur mit der Optik zu tun.“ Gabriele Hunger blieb dabei: „Diejenigen, die nur vorbeifahren, bemerken das nicht. Und die, die eigentlich drin wohnen sollten, wollen das scheinbar gar nicht mehr.“ • Wer entscheidet? Die CSU pocht auf ihre Bürgerbefragung: „In einer Unterschriftenaktion, die noch nicht einmal bis zum Letzten durchgeführt wurde, haben wir im Dorf fast 500 Stimmen dafür bekommen, keine öffentlichen Gelder in den Hof zu investieren. Wenn doch jedem plötzlich die Bürgerbeteiligung so wichtig ist, frage ich mich, warum man sich dagegen stemmt? Der Ortsteil hat eine natürliche Grenze und das ist der Lech“, meinte Johann Drexl. Kauferings 3. Bürgermeister Manfred Nieß (CSU) ging noch weiter: „Die Siedlung und das Dorf haben nun einmal nichts miteinander zu tun. Diese Sache sollten die Leute herüben entscheiden.“ Das rief Kochs vehementen Widerspruch hervor: „Wir sind eine Gemeinde und das geht uns alle etwas an.“ • Wie soll die künftige Nutzung des Hofes aussehen? Bürgermeister Püttner sieht hier „viele gleichberechtigte Ideen.“ Die Vorstellungen gehen aber in der Tat meilenweit auseinander. Die CSU will einen Verkauf an den privaten Investor. Der einzige Interessent soll allerdings jetzt abgesprungen sein, weil er wegen des hohen Risikos einen „nur noch einen viel zu niedrigen Kaufpreis angeboten hat“, sagt ein Insider. Gabriele Hunger kontert: „Hat man überhaupt ernsthaft gesucht? Hat man das offiziell ausgeschrieben?“ Die SPD will sanieren und das Gelände danach für Vereine und ein Dorfarchiv zur Verfügung stellen. Gabriele Triebel (GAL) brachte eine Nutzung als Demenz-WG ins Spiel: „Die Erweiterung des Seniorenstifts mit viel Geld steht ohnehin an, das würde sich als Dependance anbieten.“ Ein überraschender und radikaler Vorschlag, der von den Zuhörern mit Applaus quittiert wurde, kam von Andreas Keller: „Wir könnten das bisherige Rathaus abreißen, das Grundstück verkaufen. Mit einigen anderen Verkäufen kämen wir auf 1,5 bis 1,7 Millionen Euro Erlös. Damit könnten wir den Schmitterbauerhof als neues Rathaus sanieren und den alten Stadl in der Original-Optik wieder aufbauen und für die Verwaltung nutzen.“ Josef Mayrocks (FW) Einwand, dass man dann nicht mehr genügend Parkplätze zur Verfügung hätte, konterte Keller: „Da kann man über die Leonhardi-Straße anfahren. Das wird sicher nicht schlimmer als in diesem Loch jetzt.“ Ensemble erhalten Erich Püttner nahm die zahlreichen Vorschläge und Vorbehalte in die neue Arbeitswoche mit und schaffte es, einen Konsens zu finden: „Es sind sich alle einig, dass das Ortsbild und das Ensemble erhalten bleiben soll. Ob in der Substanz oder mit einem Neubau, muss noch diskutiert werden.“ Zudem gab Püttner dem Drängen mehrerer Ausschussmitglieder nach: „Die Verwaltung erhält den Auftrag, noch einmal verstärkt nach einem Investor zu suchen, der das Anwesen kauft und in Privatregie umbaut.“ Und das dritte Ergebnis des Abends: „Es zeichnet sich ab, dass niemand dafür ist, das Forsthaus herzugeben.“ Das müsste für Brückenwirt Fischer allerdings offenbar kein Nachteil sein – auch wenn dieser während der Sitzung bereits meinte: „Es sind im vergangenen Jahr schon vier Firmen aus Kaufering verschwunden, weil sie nicht erweitern konnten. Da sollte man sich einmal Gedanken machen.“ Für Fischer dürften sich allerdings Möglichkei- ten zur Expansion ergeben, selbst wenn das Forsthaus nicht mehr zur Debatte steht. So scheint etwa denkbar, dass die Straße vor seiner Gaststätte um einige Meter nach Westen verlegt wird. Damit erhielte der Gastronom eine neue Fläche vor seiner Tür, die er schließlich mit einem Gästehaus bebauen könnte.

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