Versorgung gekappt:

Penzinger Fliegerhorst belastet Trinkwasser

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Die Verwendung PFOS-haltigen Löschschaumes auf dem Penzinger Fliegerhorst (Foto) dürfte nach Ansicht des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim Ursache für die Trinkwasserbelastung sein.

Landsberg/Penzing – Das Gesundheitsamt Landsberg hat am Freitag die Wasserversorgung der Quellen für Untermühlhausen wegen erhöhter Werte von perfluorierten Chemikalien (PFC) vorsorglich abschalten lassen. 

Es bestehe keine Gesundheitsge­fahr für die Verbraucher, betont Gesundheitsamtsleiter Dr. Lorenz Schröfl, sie werden aktuell mit Trinkwasser aus Pitzling versorgt. Die zuständigen Behörden gehen davon aus, dass Jahre zurückliegende Kontaminationen auf dem Penzinger Flugplatz Ursache für die Belastung in Untermühlhausen sind.

Sofort nach Bekanntwerden der erhöhten PFC-Werte im Trinkwasser der sieben Quellen in Untermühlhausen – sie gehören zum Wasserzweckverband Pöringer Gruppe – sei am Freitagvormittag auf Anordnung von Dr. Schröfl die Einspeisung des Trinkwassers in das Versorgungsnetz für Untermühlhausen, Epfenhausen, Weil, Geretshausen, Petzenhausen, Beuerbach, Pestenacker, Mangmühle und Adelshausen beendet worden. Eine Gesundheitsgefährdung nicht bestanden. Zu einer Unterbrechung der Trinkwasserversorgung für die betroffene Bevölkerung kam es nicht. Grund: Die Stadtwerke Landsberg stellten unverzüglich die Hebel um und liefern seitdem Trinkwasser aus zwei Brunnen und einer Quelle in Pitzling.

„Das Trinkwasser aus den Quellen Untermühlhausen wurde und wird engmaschig nach den Vorgaben der Trinkwasserverordnung (TwV) untersucht und zeigte stets keine Auffälligkeiten“, beteuert Gesundheitsamtsleiter Schröfl. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) habe auch das Quellwasser von Untermühlhausen auf PFC untersucht, was laut Trinkwasserverordnung grundsätzlich nicht vorgesehen sei.

Der Anlass für diese Untersuchung seien erhöhte Werte im Grundwasser am und um den Flugplatz Penzing gewesen, der im Untermühlhausener Wassereinzugsgebiet liege. „Dort wurden bis vor etwa zehn Jahren Übungen mit Löschschäumen durchgeführt, die Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) enthalten“, erläutert der Pressespre­cher des Landratsamtes, Wolfgang Müller. PFOS sei eine Untergruppe der PFC. Als Ursache für die Belastung sei nach Auskunft des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim die Kontami­- nation auf dem Flugplatz Penzing mit Eintrag in das Grund-wasser wahrscheinlich. Müller beruhigt: „Auswirkungen auf die Wasserversorgung in Kaufering konnten nicht festgestellt werden.“

PFC werden unter anderem bei der Verchromung, in der Fotografie und in Hydraulikflüssigkeiten für die Luft- und Raumfahrt verwendet. Bis 2011 wurde PFOS auch in speziellen Löschschäumen für die Feuerwehr verwendet. Für den Menschen sind diese Stoffe toxisch und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Der in Penzing festgestellte Wert für PFOS lag bei 0,58 µg/l. Somit sei der PFOS Vorsorge-Maßnahmenwert des Umweltbundesamtes, der für Erwachsene bei 5,0 µg/l liege, weit unterschritten, betont Dr. Lorenz Schröfl. Aber: Für schwangere und stillende Frauen sowie für nicht gestillte Säuglinge liegt der Vorsorge-Maßnahmenwert für PFOS des UBA bei 0,5 µg/l und sei damit überschritten worden. Deshalb nun die Abschaltung.

Schröfl geht davon aus, dass bereits in der Vergangenheit der PFOS-Wert „deutlich unter 0,5 µg/l“ gelegen sein dürfte, da die betroffenen Gemeinden ihr Trinkwasser schon immer gemischt aus den Quellen Untermühlhausen und Pitzling bezogen hätten. „Damit dürfte sicher ein deutlicher Verdünnungseffekt eingetreten sein.“

Und was nun? Pressesprecher Wolfgang Müller: „Weitere Kontrollen und Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung zwischen dem Gesundheitsamt, den Landesämtern für Gesundheit und Lebensmittel­- sicherheit sowie Umweltschutz, dem Wasserwirtschaftsamtsowie den Stadtwerken, dem Wasserzweckverband und den beteiligten Gemeinden.“

Toni Schwaiger

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