Gewinnmaximierung im Ehrenamt

Der Sozialpreis 2010 der Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis Landsberg ging an die Chorgemeinschaft „Holzhauser Raben“ unter der Leitung von Marie-Luise Schappert (mittlere Reihe, 2. von links). Foto: Osman

Zum ersten Mal ist in der vergangenen Woche der Sozialpreis der Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis vergeben worden, den diese in Zusammenarbeit mit Landrat Walter Eichner ins Leben gerufen haben. Unter 22 Bewerbungen hatten drei Preisträger das Rennen gemacht, die jeweils 3000, 2000 und 1000 Euro für ihre Arbeit erhielten. Die Sieger bedankten sich gleich mit einer musikalischen Darbietung: die „Holzhauser Raben“, ein Chor aus behinderten und nicht behinderten Menschen. Platz 2 ging an das neu gegründete Netzwerk Palliativversorgung, Dritter wurde der Hospizverein Ammersee, der mit dem Geld sein neues Projekt „Herzlich(t)“ finanzieren will.

„Es ist unglaublich schön, dass es in diesen Zeiten noch Banken gibt, die sich ein soziales Gewissen leisten“, so Radiomoderatorin Ulla Müller, die als „Programmheft auf zwei Beinen“ die 120 Gäste im Sitzungssaal des Landratsamts durch den Abend führte. Man habe mit dem Preis der sozialen Arbeit in der Region einen höheren Stellenwert geben wollen, erklärte der Kreisver­bands­vorsitzende der Volks- und Raiffeisenbanken, Klaus Schmalholz. „Gewinnmaximierung ist nicht unser einziges Ziel, wir haben auch Geld für öffentliches, am liebsten für ehrenamtliches Engagement.“ Für Landrat Eichner vervollständigt der Sozialpreis das Mosaik der vorhandenen Auszeichnungen. Dass jeder Cent des Preisgelds den Richtigen trifft, wurde bei der Präsentation der Siegerprojekte deutlich. In der Chorgemeinschaft „Holzhauser Raben“, vor zehn Jahren von Marie-Luise Schappert ins Leben gerufen, finden sich Absolventen der Schule am Magnusheim Holzhausen zusammen, um gemeinsam zu singen. Trotz teilweise sehr guter Stimmen wäre die Mitwirkung in einem normalen Chor für sie nicht möglich. „Die Aufführungen sind niemals so perfekt, wie man das in der heutigen Zeit gewohnt ist, aber das macht gerade das Besondere aus“, schrieb Schappert in ihrer Bewerbung um den Sozialpreis. Inzwischen treten die „Raben“ regelmäßig auf und haben einen ansehnlichen Fanclub. Einmal im Jahr findet ein gemeinsames Probenwochenende in Roggenburg statt, für das das Preisgeld verwendet werden soll. „Wir merken, welch große Freude die Menschen mit Behinderung haben und wie sehr sie den Beifall und die Anerkennung genießen, da sie ja sonst oft am Rand der Gesellschaft stehen“, so Schappert. Das neu gegründete Netzwerk Palliativversorgung (der KREISBOTE berichtete) möchte vorhandene Angebote koordinieren und so für alle Betroffenen besser zugänglich machen. Außerdem sollen einheitliche Maßstäbe für alle in diesem Sektor Tätigen entwickelt und Synergieeffekte genutzt werden. Das Preisgeld könne man in der Gründungsphase für den Aufbau der Organisation, für Kommunikationsstrukturen und Öffentlichkeitsarbeit gut gebrau­- chen, versicherte Erich Püttner, Vorsitzender der Hospizgruppe Landsberg. Die Hospizgruppe Ammersee schließlich freute sich über den dritten Preis für ihr Projekt „Herzlich(t)“, eine Vermittlungsbörse für Ehrenamts-, Sach- und Dienstleistungsspenden. Hier können Freiwillige sich für ganz bestimmte Hilfsdienste zur Verfügung stellen – vom Schneeräumen über das Backen einer Geburtstagstorte bis hin zur Begleitung beim Theaterbesuch. Als Gastrednerin trat Irmgard Badura, Behindertenbeauftragte der Staatsregierung, auf. Sie forderte die „Normalgesellschaft“ auf, sich Menschen mit Behinderung mehr zu öffnen und weniger über Integration als vielmehr über Inklusion nachzudenken, also alle Menschen selbstverständlich mitzunehmen, statt erst auszuschließen, um sie dann wieder mehr oder weniger erfolgreich zu integrieren. „Inklusion bedeutet gemeinsame Schulen, universelles Design, barrierefreies Wohnen“, so Badura. Auch stellte sie eine neue Definition von Behinderung in den Raum. „Behinderung ist nicht die Einschränkung, die ein Mensch vielleicht hat, sondern es ist die Stufe, die bauliche Barriere, die Barriere in den Köpfen.“

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