Es gibt noch viel zu tun

Ein Beispiel für gelungene Inklusion: Seit Jahren ist die Gruppe Rolli-Pop beim Handballerball ganz selbstverständlich mit dabei, hier (von links) Christine Kletzenbauer, Joachim Buß und Bernd Krach. TSV-Abteilungsleiter Roland Neumeyer und sein Team sorgen immer hervorragend für eine unbehinderte Teilnahme. Foto: Bichler

Ein Arbeitskreis zum Thema Inklusion ist im Aufbau. Dieser soll untersuchen, wie es im Landkreis um Barrierefreiheit und um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben bestellt ist. Eine entsprechende Empfehlung verabschiedete der senioren- und sozialpolitische Ausschuss des Kreistags in seiner jüngsten Sitzung einstimmig.

Der Beschluss ging auf einen Antrag der GAL-Fraktion zurück, die einen regionalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention zu den Rechten von Menschen mit Behinderung fordert. Ziel ist die vollständige Teilhabe Behinderter an allen Lebensbereichen. Behinderung werde nicht mehr als Einzelschicksal betrachtet, sondern als Verantwortung des Gemeinwesens begriffen, so Hans-Peter Bichler, Geschäftsführer des Behindertenbeirats des Kreistags. Die Frage laute im Grunde: „Wie behindert ist die Gesellschaft?“ Fehlende Barrierefreiheit in öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsmitteln, aber auch Berührungsängste und Vorurteile stünden der Inklusion noch im Wege. Knapp 10000 Landkreisbürger besitzen einen Schwerbehindertenausweis, berichtete Bichler. Hinzu kommt eine Dunkelziffer von Menschen, die den Ausweis schlicht nicht beantragen. „Gerade Menschen mit psychischer Behinderung tun sich da schwer“, so Bichler, der auch klar machte: Es kann jeden treffen, jederzeit. „Nur vier Prozent der Besitzer eines Schwerbehindertenausweis haben ihn von Geburt an. Der Rest bekommt ihn später.“ Ein wichtiger Aspekt der Inklusion ist die Schule. Wie Monika Jacoby-Mittermaier, die Rektorin des Sonderpädagogischen Förderzentrums in Landsberg sagte, sei für eine inklusive Beschulung von Kindern mit Behinderung zunächst die Zustimmung der Sachaufwandsträger notwendig. Sei diese einmal gegeben und werde beispielsweise eine Schule barrierefrei umgebaut, könnten sich Eltern darauf berufen und dasselbe für andere Schulen fordern. Dass Eltern das Recht haben, ein förderbedürftiges Kind auf eine Regelschule zu schicken, spreche sich erst jetzt herum. Das Sonderpädagogische Förderzentrum Landsberg unterhalte im Landkreis drei Außen­- klassen, die an Regelschulen eingerichtet seien, aber organisatorisch zum Förderzentrum gehörten. Seit diesem Schuljahr gibt es außerdem die Möglichkeit, Regelkinder im Förderzentrum einzuschulen. Sie würden dann in kleinen Klassen von Grundschullehrern unterrichtet. „Diese Form der Integration scheitert aber teilweise an den Eltern“, weiß Jacoby-Mittermaier aus Erfahrung. „Wir haben viel Arbeit vor uns“, bilanzierte die stellvertretende Landrätin Ruth Sobotta (SPD). Der vom Landkreis einzurichtende Arbeitskreis soll aus Betroffenen, Fachleuten und Vertretern aus Kommunalpolitik und Verwaltung gebildet werden. Neben einer Bestandsaufnahme soll er Maßnahmen zur Verbesserung der Situation Behinderter aufzeigen.

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