Mit der Gitarre die Seele berührt

Stadttheaterleiter Florian Werner konnte, zumindest was die wirtschaftliche Seite betrifft, gut ge- stimmt das Gitarrenfestival „Faszination Gitarre“ eröffnen. Das Eröffnungskonzert war ausverkauft, die Nachfrage zu den weiteren Konzerten groß. Um es gleich vorwegzunehmen, der erste Abend „Solo – Duo - Trio“ war ein musikalischer Leckerbissen allererster Güte, der das Publikum in höchste Begeisterung versetzte. Das lag sicher auch am genialen programmatischen Aufbau. Dass Gruber & Maklar als Lokalmatadore den Eröffnungsabend bestreiten, birgt für den Zuschauer keine Überraschung. Dass der Abend aber mit einem Solo beginnt, an dem die beiden nicht beteiligt sind, war neu, noch dazu der ursprünglich dafür vorgesehene Tilman Hoppstock wegen Erkrankung ersetzt werden musste.

Der Ersatz hatte es in sich. Dimitri Illarionov hat sich aufgemacht, die Gitarrenwelt zu erobern und reiste mit einer beeindruckenden Liste von gewonnenen Wettbewerben an. Schon von seinem Auftreten her wirkte er wie ein Paradiesvogel der Szene – Lackschuhe, schillernde Hose und eine Lockenpracht, die einem Rauschgoldengel Ehre gemacht hätte – alles sehr selbstbewusst präsentiert. Was er dann auf seinem Instrument zu bieten wusste, rechtfertigte das Erscheinungsbild: hier spielte ein ganz großer Künstler. Vier Stücke aus seinem Zyklus „East-Side-Story“ – Werke osteuropäischer Komponisten – trug er technisch souverän vor und konnte durch feinste Nuancen eine zauberhafte Stimmung im Stadttheater erzeugen. Der Applaus der Hörer bewies, dass er sich ihre Herzen erobert hatte. Das Duo Gruber & Maklar setzte das Konzert mit Passagen aus dem Jubiläumsprogramm fort – 25 Jahre spielen sie jetzt zusammen. An den Kompositionen Albéniz´, de Fallas und Villa-Lobos´ demonstrierten sie ihr blindes musikalisches Verständnis, sensationelle Technik und herausragendes Zusammenspiel. Wie bei einem alten Ehepaar weiß jeder, was der andere tut. Beim letzten Beitrag vor der Pause, der Sonata Fantasia von Bogdanovic wurde jedem bewusst, warum das Duo zur absoluten Weltelite gehört. Nun war Spannung angesagt. Wie würde der Solist mit dem Duo harmonieren, wenn sie sich als Trio präsentierten? Joseph Haydns Trio in D-Dur, als Streichquartett für die Gitarren adaptiert, ließ etwaige Bedenken in helles Entzücken umschlagen. Dass die drei ihr Instrument technisch brillant beherrschen steht außer Frage, wie sie aber feinfühlig miteinander harmonierten, ließ einem das Herz aufgehen. In Astor Piazzollas Klangbildern entführten die Ausnahmekünstler rhythmisch in die Musik Argentiniens. Frenetischer Beifall belohnte das Musikerlebnis. Das Trio geizte nicht mit Zugaben. Bei Robert Schumanns „Wie aus der Ferne“ verschmolzen russische und deutsche Seele und das Publikum war begeistert. Am nächsten Abend kündigte der künstlerische Leiter des Festivals, Christian Gruber, mit Adriano del Sal einen der bedeutendsten Konzertgitarristen der jungen Generation an. Humorvoll schilderte er die Begebenheiten um dessen Verpflichtung nach der Absage von José Antonio Escobar, von den Verständigungsschwierigkeiten bis hin zu seinem Eintreffen vor wenigen Stunden. Das war auch angebracht, denn del Sal entpuppte sich als „der große Schweiger“. Zusammen mit seiner eindrucksvollen Erscheinung, wohlgeordneten Bewegungen, verlieh ihm das etwas Introvertiertes, Melancholisches. Keiner im vollbesetzten Stadttheater wollte ihm das ankreiden – denn statt Worten ließ er die Gitarre sprechen. Im ersten Programmteil demonstrierte er das an Giulio Regondis „Reverie“, Ponces „Baleto y Preludio“ und Fernando Sors „Fantasia op.7“ mit einer technischen Perfektion und natürlicher Musikalität, die den Atem raubte. Publikum wollte mehr Diesen musikalischen, aber beherrschten Stil behielt er auch bei der Interpretation von Torrobas „Piezaz Caracteristicas“, Barrios „Choro de saudade“ und Rodrigos „Invocation y danza“ bei. Mit höchster Konzentration entlockte del Sal seinem Instrument einfachste Nuancen, die auch in ihrer leisesten Zartheit klar und deutlich zu vernehmen waren. Es war zu erwarten, dass ihn das Publikum nicht so einfach gehen lassen wollte. Immer wieder holte ihn der Applaus auf die Bühne zurück, jedes Mal bedankte er sich mit einer Zugabe, die das bisher Dargebotene zu toppen schien, etwa wenn er mit einem Glissando die Ränge aufjuchzen ließ. Da verflog auch seine Zurückhaltung. Kurze Ansagen begleiteten die ungewöhnlich inbrünstig und gefühlvoll vorgetragenen Stücke von Morricone bis „Waltzing Mathilda“ und ein Lächeln erschien auf den ernsten Zügen des Ausnahmevirtuosen. Die Landsberger Musikbegeisterten hat Adriano del Sal in der Seele berührt und sie werden ihn nicht nur an diesem Abend in ihrer Erinnerung behalten.

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