Gleiche Chancen von Anfang an

„Ich fühle mich nicht behindert, werde aber von meinen Mitmenschen behindert“ lautet eine Textstelle einer jungen Frau mit Down-Syndrom, die Hans-Peter Bichler, der Geschäftsführer des Behindertenbeirates zitierte. Für ein gleichberechtigtes Miteinander in der Gesellschaft plädierte der Be- hindertenbeirat des Landkreises am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai in der Fußgängerzone.

„Inklusion“ lautet der Schlüsselbegriff der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die 2009 auch in Deutschland in Kraft trat. Der „viel zu verkopfte Begriff“, wie ihn Bichler und Bürgermeister Norbert Kreuzer bezeichneten, bedeutet das selbstverständliche und gleichberechtigte Zusammenleben aller Menschen von Anfang an und löst damit den Begriff „Integration“ ab. Kreuzer kritisierte, dass mit solchen Begriffen eher Irritationen geschaffen werden: „Man muss Worte nehmen, die jeder versteht!“ Laut einer Statistik des Behindertenbeirats leben allein im Landkreis Landsberg 9307 Menschen mit Behinderungen. Die meisten davon mit Gehbehinderungen, für die vermeintliche „Kleinigkeiten“ zu unüberwindlichen Hindernissen werden können: Treppen, Schwellen, zu hohe Waschbecken oder andere Bedienelemente, beispielsweise Aufzugknöpfe oder Toiletten- spülungen. Die Forderung nach räumlicher Bewegungsfreiheit ist dabei nur ein Teil der Maßnahmen, die erforderlich sind, um Inklusion Realität werden zu lassen, doch diese nützen allen, wie Behindertenbeauftragte Barbara Juchem betonte. Selbst für diejenigen, die (noch) nicht in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, wird das Leben bequemer, auch, wenn man die künftige Altersstruktur der Gesellschaft im Blick hat. Doch vor allen Maßnahmen steht ein Umdenken. Konkret: gleiche Zugangsmöglichkeiten am Arbeitsmarkt, im Bildungssystem, Wohnen und auch bei der Freizeitgestaltung. Das große Ziel ist es, „gleiche Chancen für alle zu schaffen, und die vorurteilsfreie Akzeptanz von Behinderung als menschliche Daseinsform“, betonte Hans-Peter Bichler.

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