Denklinger Gemeinderat will Reaktivierung der Fuchstalbahn ablehnen

Gnadenfrist für die Fuchstalbahn?

Ein historischer Schienenbus auf der Strecke der Fuchstalbahn zwischen Landsberg und Schongau
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Bleibt sie eine Strecke nur für Romantiker? Hohenfurch und Denklingen stehen der Reaktivierung des Personennahverkehrs auf der Fuchstalbahn äußerst skeptisch gegenüber.

Denklingen/Hohenfurch – Die Gemeinde Denklingen ist drauf und dran, eine Reaktivierung der Fuchstalbahn ein für alle Mal abzulehnen. Einen entsprechenden Beschlussvorschlag für den Gemeinderat gibt es bereits. Bürgermeister Andreas Braunegger hat ihn jetzt zwar nochmal in die Schublade gesteckt, dürfte ihn aber bald wieder herausholen. Auch in Hohenfurch ist der Widerstand vor dem geplanten Runden Tisch in Schongau groß.

Wie im KREISBOTEN berichtet, warten die Landkreise Landsberg und Weilheim-Schongau gespannt auf die Vorstellung eines Eckpunktepapiers, die Verkehrsingenieur und der Schongauer Bahnhofsbesitzer Andreas Holzhey den Anrainergemeinden der Fuchstalbahn angekündigt hat. Schongaus Stadtoberhaupt Falk Sluyterman will zur Vorstellung des Papiers ins Rathaus der Lechstadt einladen. Eigentlich sollte der Termin noch im November über die Bühne gehen. Wie zu hören ist, musste der Runde Tisch aufgrund der Corona-Beschränkungen nun aber ins kommende Jahr verschoben werden.

Aus Denklingen gibt es deshalb jetzt auch eine Art Gnadenfrist für die Fuchstalbahn: „Wir werden fairerweise den Runden Tisch noch abwarten“, sagt Bürgermeister Andreas Braunegger. Er bestätigt aber, dass man im Rathaus der Lechraingemeinde damit liebäugelt, die Reaktivierung des Personenverkehrs auf der Fuchstalbahn abzulehnen. Braunegger macht keinen Hehl daraus, dass er persönlich die Idee für überflüssig hält: Selbst der Bus, der innerorts halte und nach Landsberg, Schongau und Kaufbeuren fahre, werde kaum angenommen, hat der Bürgermeister beobachtet. „Warum soll dann ein Zug besser angenommen werden, der außerhalb vom Ort hält?“, fragt er.

Die Meinung im Denklinger Rathaus war bereits in Form eines Beschlussvorschlags zu Papier gebracht worden und sollte jetzt im November dem Gemeinderat vorgelegt werden. Wie zu hören ist, fiel die Sitzung aber aus.

Auch im Gemeinderat in Hohenfurch kam zuletzt die Reaktivierung der Fuchstalbahn zur Sprache. Das Fatale: Bürgermeister Guntram Vogelsgesang legte den Räten die Beschlussvorlage aus Denklingen vor, ohne zu wissen, dass die Kollegen im Lechrain noch gar nicht darüber diskutiert, geschweige denn einen Beschluss gefasst hatten. Vogelsgesang ließ seinen Gemeinderat bei der Vorlage wissen, dass er das Papier „ehrlich gesagt zu hart“ finde.

Dabei ist der Hohenfurcher Bürgermeister ebenso wie sein Kollege Braunegger aus Denklingen alles andere als ein Freund der Reaktivierungsbemühungen der Bahnstrecke Schongau-Landsberg für den Personennahverkehr. Vogelsgesang schlug dem Gemeinderat nun aber vor, noch andere Gemeinden mit ins Boot zu holen. „Damit es nicht immer so dargestellt wird, als seien wir die Bösen, die alles kategorisch ablehnen.“ Auf Anfrage ergänzte er am Dienstag, dass der Gemeinderat das Thema trotzdem noch vor dem Runden Tisch in Schongau auf die Tagesordnung bekommen werde. Ein Beschluss sei aber noch nicht zu erwarten. Aus gutem Grund: Laut Vogelsgesang hat der Schongauer Rathauschef eine E-Mail verschickt und die Gemeinden darum gebeten, vor dem Runden Tisch keine negativen Beschlüsse zur Fuchstalbahn zu treffen.

In der Schublade

So bleibt die Beschlussvorlage nun auch in Denklingen fürs Erste unter Verschluss. Andreas Braunegger will selbst an dem Runden Tisch in Schongau teilnehmen, bevor er sie wieder aus der Schublade holt. Dem Vernehmen nach wird Holzhey im Frühjahr die Reaktivierungsmöglichkeiten aufzeigen. „Vielleicht hat er ja einen Zauberkasten“, meint Braunegger, der freilich skeptisch bleibt. Holzhey hatte zuletzt selbst vor zu hohen Erwartungen gewarnt: „Ich muss klarstellen, dass das Eckpunktepapier kein Gutachten und erst recht keine Entwurfsplanung mit Kostenschätzung im Sinne der Honorarordnung sein kann“, betonte er in einer E-Mail an die SN. Das Papier werde weder eine Gesamtsumme der Kosten nennen noch ein fertiges Betriebskonzept präsentieren. Holzhey: „Das Eckpunktepapier wird zwar Fördermöglichkeiten aufzeigen, es ist aber nicht als Rechtsgutachten oder als Handlungsanleitung für das Beantragen von Fördermitteln zu verstehen.“ Würden all diese Anforderungen erfüllt, „wäre das Eckpunktepapier ein Gutachten im Wert von mehreren 10 000 Euro“, macht der Verkehrsingenieur klar. „Ich erstelle das Eckpunktepapier unentgeltlich in meiner Freizeit und kann natürlich nicht leisten, wofür Ingenieure und Juristen sonst monatelang arbeiten würden.“

Holzhey will in erster Linie aufklären: „Die Entscheidungsträger fühlen sich teilweise schlecht informiert, teilweise wird mit längst überholten Argumenten aus den 1980er-Jahren diskutiert.“ Die „Entscheidungsträger“ will er beim Runden Tisch auf den aktuellen Stand bringen. Das Eckpunktepapier solle dabei „als Basis für weitere Diskussionen und Untersuchungen dienen“.
Jörg von Rohland

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