Snowdance Independent Filmfestival

Bond-Bösewicht ganz zahm

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Als blonder Bösewicht im James Bond-Film "Der Morgen stirbt nie" wurde Götz Otto weltbekannt. Jetzt war er Stargast von Tom Bohn (links) und Jürgen Farenholtz (rechts) beim Snowdance-Festival.

Landsberg – Von wegen Bösewicht. Der 1,98 Meter große Götz Otto hat sich bei seinem Snowdance-Besuch in der Likka-Lounge als sanfter Riese entpuppt. Es ist schon Festival-Tradition, dass jedes Jahr ein Topstar zum Abschluss der Kurzfilmtage kommt und intime Einblicke seines Schauspielerleben preisgibt.

War im letzten Jahr Hannes Jaenicke zu Gast, so konnten Tom Bohn und Jürgen Farenholtz heuer Götz Otto (50) begrüßen, der nach seinem James Bond-Engagement ständig für internationale Filme gebucht wird. Regisseur Bohn ist mit Otto seit den Dreharbeiten für seinen Tatort „Nahkampf“ (1997 mit Kommissarin Lena Odenthal) eng befreundet.

Trotz Erkältung bestens gelaunt erzählte Götz Otto von den aufregenden Dreharbeiten mit James Bond Pierce Brosnan für „Der Morgen stirbt nie“ (1997), wo er einen eiskalten Killer namens „Stamper“ mimen musste. So konnte er Regisseur Roger Spottiswoode überreden, „Alle meine Entchen“ zu trällern, während er mit seiner Kalaschnikow auf im Wasser treibende Gegner feuerte. „Leider wurde die Szene dann rausgeschnitten“, bedauerte Götz Otto augenzwinkernd, der von der Zusammenarbeit mit Pierce Brosnan schwärmte.

Überhaupt habe er noch nie Weltstars erlebt, die ihm gegenüber hochnäsig oder unkollegial aufgetreten seien – ob Donald Sutherland („Die Säulen der Erde“), Liam Neeson („Schindlers Liste“) oder Penélope Cruz („Das Mädchen der Träume“). Neben seinen internationalen Filmen spielt Götz Otto immer wieder gerne in deutschen Produktionen wie „Die Wanderhure“, „Polizeiruf 110“, „Pfarrer Braun“ oder „Soko Köln“. Preisgekrönt wurde seine Rolle als Sturmbandführer Otto Günsche in Oliver Hirschbiegels Film „Der Untergang“.

„Was unterscheidet deutsche und internationale Produktionen?“, wurde der Stargast aus dem Publikum gefragt. „Die kochen auch nur mit Wasser, wobei der Topf hier größer ist“, erwiderte Götz Otto und meinte die riesigen Etats, mit denen Blockbuster gedreht werden. Er lobte gleichzeitig die deutschen Filmemacher, bei der sich immer mehr junge kreative Talente herauskristallisieren, vor allem in der Independent-Szene. Er selbst spiele in drehfreien Wochen gerne in solchen Streifen mit, wie im Kultfilm „Iron Sky“, der im Anschluss an das Interview in der Likka gezeigt und mit viel Beifall bedacht wurde.

Auf seine langen Haare und den Bart angesprochen, erklärte Otto, dass dies mit seiner derzeit laufenden Theatertournee als Don Quijote zu tun habe. „Noch drei Vorstellungen“, freute er sich, „dann kommt das Gestrüpp endlich weg!“

Ob es ihn denn nerve, nach über 60 erfolgreichen Filmen immer wieder auf den James Bond-Bösewicht reduziert zu werden, war eine weitere Publikumsfrage: „Ich habe das mittlerweile als Stigma akzeptiert. Es gibt Schlimmeres, aber Bond ist einfach eine Wahnsinnsmarke, die kaum zu toppen ist. Das öffnet mir auch 20 Jahre später noch viele Türen“.

Der Sohn eines Bäckers aus Dietzenbach hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Nach der Hochschule für Darstellende Kunst in Graz und der Otto-Falckenberg-Schule in München verdiente er sich seine ersten Sporen im Münchner Residenztheater.

Dieter Roettig

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