Granatsplitter sitzen tief im Körper

Als kleiner Junge schon durfte er im Wald auf Blechdosen ballern. Überall in seinem Elternhaus lagen Waffen und Munition herum. Der Vater nahm ihn mit, wenn er mit einem Metalldetektor auf Wiesen und Feldern nach Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg suchte. Unter diesem Einfluss wurde auch der Sohn zum Waffennarr. Als der heute 25-Jährige im vergangenen Jahr gemeinsam mit einem 17-jäh­rigen Freund an einer Sprenggranate herumhantierte, gab es eine gewaltige Explosion, die beide schwer verletzte. Dafür verurteilte ihn das Jugendschöffengericht Landsberg nun zu drei Jahren Gefängnis.

Das Unglück ereignete sich im August 2008 in Geltendorf. Die beiden Freunde hatten in den Tagen zuvor in der Umgebung nach „Bodenschätzen“ gesucht und ein rundes Dutzend Granaten ausgebuddelt. Die versuchten sie bei dem 17-Jährigen zu Hause in der Garage zu entschärfen, „weil wir sie als Dekoration ins Zimmer stellen wollten“, so der 25-Jährige. Wie das ging, glaubte er aus dem Internet zu wissen. „Nach diesen Informationen hätte beim Zerlegen nichts passieren dürfen.“ Er habe die Granate in einen Schraub­stock gespannt und auf­zubohren versucht. Dann gab es den fürchterlichen Knall. Schwer verletzt schleppte sich der 25-Jährige auf den Hof und konnte noch um Hilfe rufen, bevor er zusammenbrach. Nach sechs Monaten im Krankenhaus hat er heute noch immer Gra­nat­splitter im Darm und muss mit bleibenden Gesundheitsschäden rechnen. Sein Freund erlitt ein offenes Schädel-Hirn-Trauma und eine halbseitige Läh­mung, die nur teilweise zu­rückgegangen ist. Der inzwischen 18-Jährige ist zu 70 Prozent schwerbehindert, leidet unter Koordinations- und Konzentrationsstörungen. Wenige Tage nach der Explosion hätte er eine Ausbildungsstelle antreten sollen – heute gilt er für das Arbeitsamt als nicht vermittelbar und schlägt sich mit einem Aushilfsjob durch. Riesenschwachsinn „Es war ein Riesenschwachsinn, was wir da gemacht haben“, erklärte der 18-Jährige reu­mütig vor Richter Alexander Kessler und den Schöffen. Die sahen ihn klar als Mitläufer an, der nicht nachdachte und sich auf den Älteren verließ. So kam er mit zwei Wochenenden Freizeitarrest glimpflich davon. Anders der 25-Jährige, der zum Zeitpunkt der Explosion unter offener Bewährung stand. Er war bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten und stand unter einem absoluten Waffenbesitzverbot. Das kümmerte ihn genauso wenig wie seinen Vater, der seit Jahren justizbekannt ist und seit einer spektakulären Hausdurchsuchung im vergangenen Herbst ebenfalls in Haft sitzt. Die Ermittler fanden in dem Wohnhaus in Walleshausen ein ganzes Arsenal an Pistolen, Munition, Sprengstoffen und Granaten. „So lange ich denken kann, hat mein Vater immer Waffen ge­habt“, berichtete der Angeklagte. „Schon mit vier, fünf Jahren habe ich das mitbekommen. Er bastelte auch öfter Molotow-Cocktails und Hand­gra­- naten.“ Sprengsätze und Mu­ni­tion lagen offen im Schrank, Pistolen unter dem Kissen. „Der Sohn hatte kaum eine Chance, sich anders zu entwickeln“, gab Verteidigerin Anita Trautwein in ihrem Plädoyer zu bedenken. Äußerst hirnlos Das sah auch das Gericht so. „Die Entwicklung war durch den Vater vorprogrammiert“, so Kessler. Trotzdem konnte er den 25-Jährigen nicht von der Verantwortung freisprechen und bescheinigte ihm, „äußerst hirn­los“ gehandelt zu haben. „Da stellt es einem sämtliche Nackenhaare auf. Sie haben Sprenggranaten gesammelt wie andere Leute Pilze.“ Beide Angeklagten hatten Glück, dass bei der Explosion sonst niemand verletzt wurde. Für den unerlaubten Waffenbesitz und das Herbeiführen der Explosion muss der 25-Jährige, der sich in seinem Schlusswort unter Tränen entschuldigte, für drei Jahre ins Gefängnis. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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