Windkraft im Lechrain

Bald Bayerns größte Windkraftanlage?

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Zwei Windräder drehen sich schon, viele weitere sollen folgen:  Denklingens Bürgermeisterin Viktoria Horber mit ihrem Verwaltungsleiter Johann Hartmann (links) und Fuchstals Gemeindechef Erwin Karg (2.v. rechts) mit Verwaltungsleiter Gerhard Schmid.

Denklingen/Fuchstal – Die Energiewende kommt nicht richtig voran, heißt es immer. Fuchstal und Denklingen dürften damit nicht gemeint sein. Die beiden Gemeinden planen einen riesigen Windpark mit bis zu 40 Anlagen – es wäre der größte Bayerns.

Gemeinsam weisen die Gemeinden Fuchstal und Denklingen eine Fläche aus, auf der etwa 40 Windkraftanlagen Platz fänden.

Vorweg: Bei einer großen Infoveranstaltung am heutigen Dienstag (11. Dezember) referierten ab 20 Uhr in der Fuchstalhalle zahlreiche Fachleute für die Bürger des Lechrains und der Region. 
Ruckzuck ging das damals. Viktoria Horber kann sich noch gut erinnern. Zehn Jahre ist es ungefähr her, als die Windkraft-Investoren bei der Denklinger Bürgermeisterin vorstellig wurden. „Die hatten einen Pachtvertrag mit den Grund-stücksbesitzern, es sind privilegierte Projekte, Vorbehalte gab es keine – wir konnten nichts machen“, sagt Horber. Seitdem drehen sich zwei Windräder nahe des Ortsteils Menhofen, es sind die bisher einzigen zwei im Landkreis. Bald könnten noch eine ganze Menge dazukommen, nicht weit weg von den bereits bestehenden, weiter südlich im Wald. Aber mit einem kleinen Unterschied: Dieses Mal will sich Horber die Zügel nicht aus der Hand nehmen lassen.Wie in vielen anderen Landkreisen, gab es auch in Landsberg eine Untersuchung, wo Windräder Platz hätten. Das Ergebnis war ernüchternd: Unter anderem wegen Bundeswehr-Ausschlussflächen war nur ein Streifen quer im Süden bis zum Ammersee geeignet. Damit nicht alles verspargelt wird, wurde ein Standort gefunden, wo alles gebündelt werden soll: Ein riesiges Waldstück, an dem Denklingen 750 Hektar besitzt und die Nachbargemeinde Fuchstal 250 Hektar. Der Rest war reine Rechnerei: „Wir haben einfach ein Raster drübergelegt und geschaut, dass die einzelnen Windräder in Nord-Süd-Richtung 400 Meter auseinander stehen und in West-Ost- Ausrichtung 650 Meter“, sagt Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg. Heraus kamen rund 40 Windanlagen, die Platz haben – zumindest theoretisch. Nach Auskunft des bayerischen Windenergie-Verbands gibt es im gesamten Freistaat keinen auch nur annähernd so großen Windpark.Ob es irgendwann tatsächlich so viele Windräder werden, steht auf einem anderen Blatt. Die Vorarbeiten sind zumindest perfekt angelaufen. Die Gemeinden Reichling und Vilgertshofen haben ihre Planungshoheit beim Thema Windkraft auf Fuchstal übertragen, Apfeldorf, Kinsau, Rott und Dießen auf Denklingen. Das heißt: Falls jemand in irgendeiner dieser anderen sechs Gemeinden ein Windrad bauen will, wird er auf die gemeinsame Fläche im Wald bei Denklingen/Fuchstal verwiesen. „Dafür muss die Regierung von Oberbayern eine Rechtsverordnung erlassen. Das hat es dort noch nie gegeben“, sagt Denklingens Geschäftsstellenleiter Johann Hartmann nicht ohne Stolz.Auch mit dem Staatsforst, dem der Wald größtenteils gehört, ist ein Vertrag unter Dach und Fach: Wenn dort ein Windkraft-Investor auftaucht, wird er die nächsten drei Jahre (plus Option auf ein weiteres Jahr) ebenfalls auf Denklingen und Fuchstal verwiesen. „In diesem Zeitrahmen müssten wir es schaffen“, sagt Horber.Ehrgeiziges ProjektDenn man stehe immer noch am Anfang, betonen alle Beteiligten. Proteste, wie andernorts üblich, gab es bisher noch nicht. Das liegt vermutlich daran, dass die Anlagen mindestens einen Kilometer entfernt vom nächsten Anwohner gebaut werden sollen, fast das doppelte der gesetzlich vorgeschriebenen Entfernung. Und dass die Bürger beteiligt werden. „Wir wollen die Wertschöpfung vor Ort behalten“, so Karg. Es werde nur noch diskutiert, wie die Bürger – bevorzugt natürlich aus den beteiligten acht Kommunen – als Kommandisten ins Projekt geholt werden können. Es seien aber auch schon andere Gemeinden aus dem Landkreis vorstellig geworden, die mitmachen wollen bei dem ehrgeizigen Projekt.Jetzt muss nur noch genügend Wind wehen, denn diese Untersuchung steht, neben der artenschutzrechtlichen Prüfung (ob etwa die Tierwelt durch die Windräder gefährdet wäre), noch aus. Ein Jahr lang wird ein Test-Windrad im Wald aufgestellt, danach Bilanz gezogen. Doch die Beteiligten sind optimistisch. Dass es sich lohnt, beweisen nicht zuletzt die beiden Anlagen bei Menhofen, die sich beständig drehen.

Boris Forstner

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