Kammermusik im Bibliothekssaal:

Grüße aus dem russischen Winter

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Ein hochkarätig besetztes Ensemble: Tomoko Nishikawa (Klavier), Kumiko Yamauchi und Birgit Seifart (Violine), Tilbert Weigel (Viola) und der Initiator der Konzertreihe Franz Lichtenstern (Violoncello).

Landsberg – Auf dem Plakat prangen Omar Sharif und Julie Christie, der Abend ist mit „Pathétique“ überschrieben und auch das kalte Wetter scheint „Dr. Schiwago“ entnommen. Das jüngste Konzert der Reihe „Kammermusik im Bibliothekssaal“ entführte die Zuhörer ins Russland Ende des 19./Mitte des 20. Jahrhunderts.

Eigentlich wollte Peter Iljitsch Tschaikowsky niemals ein Klaviertrio schreiben: „…als musikalische Form liebe ich das Trio nicht. Deshalb könnte ich für diese Klangkombination keine von echtem Gefühl beseelte Komposition schreiben“, so der Komponist in einem Brief an seine Gönnerin Nadeschda von Meck. Er sollte sich irren, denn bereits ein Jahr später, 1881/82 entstand sein einziges Klaviertrio – aus einem echten Gefühl heraus, der Trauer um seinen plötzlich verstorbenen Freund und Förderer, den Pianisten Nikolaj Rubinstein.

„À la mémoire d’un grand artiste“ lautet der Untertitel des Trio a-moll für Klavier, Viola und Violoncello, ein Epitaph mit gewaltigen Ausmaßen. Zwei Sätze in rund 50 Minuten, eine ungeheure Material- und Ideenfülle. Wechsel in Dynamik, Rhythmus, Motiv, die Verwendung von Themen aus der Volks- und Kirchenmusik, Trauermarsch und natürlich die Variationen eines von Tschaikowsky und Rubinstein geliebten russischen Wiegenliedes machen das Trio zu einem sehr emotionalen, intensiven und aufwühlenden Klangerlebnis, brillant interpretiert von Tomoko Nishikawa (Klavier), der Violinistin Kumiko Yamauchi und Franz Lichtenstern am Violoncello.

Zu ihnen gesellten sich zur Aufführung von Dmitri Schostakowitschs Quintett g-moll noch Birgit Seifart, Violine und Tilbert Weigel, Viola. Vorrangig ein Stück, das der Komponist im Auftrag des Beethoven-Quartetts schuf, mit einem von ihm selbst zu spielenden Klavierpart, der es ihm ermöglichen sollte, gemeinsam mit dem Ensemble auf Reisen zu gehen. Der Wunsch, die Welt zu sehen, ist vor dem Hintergrund des stalinistischen Terrors, den er selbst unter dem Verdacht „zu avantgardistisch“ zu sein, erlebte, verständlich.

Doch mit dem Quintett, das in seiner Form sehr traditionsverbunden ist, wurde er quasi rehabilitiert und erhielt im März 1941 den Stalin-Preis für das beste Musikwerk. Doch das Werk lässt die herrschende Stimmung, die Bedrohung durch den Krieg unterschwellig durchklingen: von ernster Nachdenklichkeit, Feierlichkeit bis zu Dramatik, mit starken Kontrasten.

Das wunderbar sensible, perfekt ausbalancierte Zusammenspiel der Künstler, das ja fast schon das Markenzeichen dieser Konzertreihe ist, verhilft auch diesem Stück zu voller Größe. „Pathétique“, der Titel hat nicht zu viel versprochen, wie der anhaltende Applaus und die Bravo-Rufe bewiesen. Als Zugabe gab es – passend – ein Scherzo von Borodin, bevor es wieder hinaus in den (Landsberger) Winter ging.

Patricia Eckstein

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