Große Herausforderungen

Ruhig wird der Einsatz im Krankenhaus in Ndoungue für die Helfer der Humanitären Hilfe und das einheimische Team nicht – Dr. Soeren Gatz (Mitte) musste eine Amputation durchführen. Foto: Hunanitäre Hilfe

Vor kleinen und großen Herausforderungen steht derzeit der dritte Einsatz der Humanitären Hilfe in Ndoungue. Die Landsberger Hilfsorganisation unterstützt das Krankenhaus Hopital Protestant de Ndoungue tatkräftig im Wiederaufbau und im Ausbau zum medizinischen Referenzzentrum der Region. Der Internist und Projektleiter Dr. Soeren Gatz schickte kürzlich einen Zwischenbericht zur Situation in Kamerun. Sein Fazit: „Ja, es klappt alles.“

Eine ungewohnt große Gruppe von sechs Mitarbeitern reiste zum dritten Einsatz in diesem Jahr nach Kamerun. Letztlich sei die Größe der Gruppe ein Segen, auch wenn sonst weniger Leute im Einsatz waren, so Gatz. „Wir können innerhalb der ersten Tage ge-meinsam mehr umsetzen, als wir gedacht haben“, freut sich der Landsberger Internist. Neue einheimische Mitarbeiter wurden mittlerweile gefunden und es gab vom deutschen Team auch gleich eine Schulung im Röntgen, da die neuen im Team schnell einsatzbereit sein müssen, erklärt Dr. Gatz. Zum ersten Mal sei auch ein deutscher Gynäkologe im Team – Rudolph Hänsch. Zunächst muss er mit dem „Medical Officer“ Emmanuel, der allerdings noch nie einen Hörsaal gesehen hat, in den OP. „Emmanuel lernt von Rudolph Hänsch und umgekehrt“, erklärt Gatz. Neben Geburten und Kaiserschnitten hatte Hänsch aber in Ndoungue auch mit unerwarteten Herausforderungen zu rechnen, denn es gab bereits in den ersten zehn Tagen Totgeburten und kriminellen Abort. Gatz sei froh, dass mit Hänsch ein erfahrener Gynäkologe dabei ist. Uli Heidecke reiste schon früher als geplant nach Kamerun, um ein Reanimationstraining mit Puppen durchzuführen. „Alle müssen ran“, berichtet Dr. Soeren Gatz und das war auch gut so, denn das Training stellte sich als lebensrettend heraus: Nur drei Tage später gab es ein totes Neugeborenes, das dank des intensiven Trainings erfolgreich reanimiert werden konnte. In der ersten Woche des Einsatzes standen auch in der Notaufnahme alle Mitarbeiter vor einer medizinischen und koordinatorischen Herausforderung: Es gab einen Großeinsatz mit 15 Schwerverletzten und vier Toten durch einen Verkehrsunfall, berichtet Gatz. „Amputationen, Wundversorgung, komplizierte Frakturen – neben dem Klinikalltag“, so der Landsberger. Abgesehen von den üblichen Arbeiten der Ärzte, müssen sie auch an der Einrichtung Hand anlegen und so wird mit dem ersten Handwerker aus Deutschland gebohrt, geschraubt und gesägt. Außerdem werden die neuen Geräte ausgepackt, darunter ein Duzend Endoskope und ein Defibrillator. „Wir genießen die Möglichkeiten, die sich aus der Vielfalt der Berufe innerhalb der Gruppe ergeben“, findet Dr. Gatz. „Ja, es klappt alles, step by step“, freut sich Gatz. Die ersten sechs Endoskopien seien bereits mit den neuen Geräten gelaufen. Francois Djomou nahm, wie Gatz berichtet, das erste Mal das Gastroskop in die Hand und hat es nun täglich mit drei bis fünf Endoskopien zu tun, denn auf der Warteliste stehen 40 Patienten. „Jetzt wird es auch für Internisten aus der Heimat interessant, hier zu arbeiten“, findet Gatz. Neben den ersten Handwerkern folge im nächsten Einsatz im Herbst dann auch eine Technikgruppe. Ebenso kommen aus Deutschland drei Chirurgen, berichtet Gatz, sowie Endoskopiker. Weitere Informa-tionen zum Einsatz am Hopital Protestant de Ndoungue und dem Landsberger Verein Humanitäre Hilfe gibt es im Internet auf www.humanitäre-hilfe.

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