"Wir werden alle unterbringen!"

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Informationen aus erster Hand erhielten letzte Woche die Flüchtlinge aus der Kauferinger Schlesierstraße 11 und 13 im Gemeindesaal der Pauluskirche. Christian Ott vom Landratsamt und Elke Puskeppeleit (stehend) informierten in deutscher und englischer Sprache. Zwei Flüchtlinge übersetzten zusätzlich noch in Farsi und ins Arabische.

Kaufering – Rund 80 Flüchtlinge leben zurzeit in den landkreiseigenen Immobilien Schlesierstraße 11 und 13. Beide Häuser sollen, wie im KREISBOTEN berichtet, wegen Bauschäden im nächsten Jahr abgerissen werden. Am Mittwoch unterrichteten Mitarbeiter des Landratsamtes zusammen mit der Asylsozialberaterin Elke Puskeppeleit auch die Bewohner offiziell im Rahmen einer Infoveranstaltung im Saal des Gemeindevereins der Pauluskirche, dass am 31. Dezember beide Häuser geräumt sein müssen.

Allerdings haben nicht alle 80 Bewohner Anspruch auf weitere Unterbringung. 17 von Ihnen sind bereits anerkannte Asylbewerber und müssen sich selbst um eine Wohnung kümmern. Einige der betroffenen Flüchtlinge waren der Meinung, das Landratsamt müsse auch nach einer Anerkennung für ihre Unterbringung sorgen. Andere äußerten ihre Sorge, bis zum Jahresende keine Wohnung zu finden. „Wir werden Sie alle unterbringen“, versprachen Christian Ott und sein Kollege Andreas Schwan vom Landratsamt, „niemand muss auf der Straße schlafen. Dafür stehen wir ein“. 

Die Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen sind, müssen nach der geltenden Gesetzeslage dagegen in Wohnungen einziehen, die ihnen das Landratsamt zuweist. Andreas Schwan betonte, dass die Kreisbehörde auf der Suche nach geeigneten Häusern und Wohnungen sei. Einen ersten Erfolg konnte der Mitarbeiter des Sachgebiets Ausländerwesen vermelden. In „einem Haus“ in der Marktgemeinde sollen zunächst Familien mit Kindern untergebracht werden. 

Leergefegt 

Schwan zeigte sich insgesamt hoffnungsvoll und verwies auf eine Reihe von Verhandlungen. Letzte Option wäre eine Unterbringung in Containern. Bürgermeister Erich Püttner sagte auf der Informationsveranstaltung zu, vorsorglich einen Platz für Wohncontainer zu suchen. Das Gemeindeoberhaupt stellte fest, dass der Wohnungsmarkt in Kaufering „am Ende sei“. Wohnungen würden nur noch „unter der Hand weggehen“. Auch der Immobilienmarkt in Kaufering sei mangels Angeboten leer. „Es gibt nichts zu kaufen“, sagte der Rathauschef. 

Das Wohnungsproblem zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Nicole Plank, eine ehrenamtliche Helferin, die sich vorrangig um Wohnungen für anerkannte Asylbewerber kümmert, wies ebenfalls darauf hin, wie schwierig es in Kaufering und Umgebung sei, bezahlbaren Wohnraum zu bekommen. Das konnte auch Andreas Schwan bestätigen: „Wir laufen bei Immobilienmaklern und Wohnungsbauunternehmen oft gegen die Wand.“ 

Es sind aber nicht nur Wohnungsprobleme, die die Flüchtlinge beschäftigen. Rahmatullah Amangar aus Afghanistan, der für seine Landsleute die Übersetzung bei der Infoveranstaltung übernommen hatte, befindet sich seit drei Jahren im Asylverfahren und er ist nicht der Einzige. Dadurch ergäben sich oft Probleme bei der Arbeitssuche, merkte er an und fand die Zustimmung der Mitarbeiter im Landratsamt. „Die Verfahren dauern viel zu lange“, betonte Christian Ott. Ein Problem sei, dass die Asylbewerber in dieser Zeit keinen Anspruch auf Deutschkurse oder andere Weiterbildungsmöglichkeiten hätten. 

Deutsch lernen 

Eines wurde aber bei dieser Infoveranstaltung deutlich. Die Asylbewerber wollen arbeiten und sie wollen Deutsch lernen. Asylsozialarbeiterin Elke Puskeppeleit lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich Bürgermeister Püttner, die Marktgemeinde und die VHS, die freiwillig und kostenfrei Kurse für Asylbewerber anböten, obwohl kein gesetzlicher Anspruch bestehe. 

Wie auch immer, Christian Ott, Andreas Schwan und Elke Puskeppeleit versuchten an diesem Nachmittag im Gemeindesaal auf alle Fragen der besorgten Menschen Antworten zu geben und versprachen, weiter auf direktem Weg zu informieren. Der eine oder andere Ratschlag im Umgang mit den Behörden konnte auch gegeben werden.

Siegfried Spörer

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