Herkomer-Museum:

Ein "Schatz für Landsberg"

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In neues Licht tauchte am Sonntagabend der Eresinger Künstler Tobias Krug mit seiner medialen Installation das neu eröffnete Herkomer-Museum.

Landsberg – Bis Freitag um Mitternacht arbeiteten Museumsleiterin Sonia Fischer und ihr Team. Dann erst war alles an seinem Platz, und das Hubert-von-Herkomer-Museum konnte am Sonntag pünktlich seine Pforten für die ersten Besucher öffnen. Sie sei schon ein bisschen stolz, gibt Fischer am Samstagabend beim offiziellen Festakt im Rathaus zu, „vor allem, dass wir es rechtzeitig geschafft haben.“ Der Anspruch an sich selbst, es gut zu machen, sei groß gewesen. Wenn man so viel Unterstützung von allen Seiten bekäme, gebe man gerne sein Bestes, „und ich hoffe, dass es Ihnen gefällt“.

Lobesworte hört Fischer am Samstagabend viele: Sie habe das Projekt mit „Lust, Liebe und fachlicher Kompetenz“ geleitet, berichtet Oberbürgermeister Mathias Neuner. Das Ergebnis sei überzeugend: „Auch Herkomer hätte es gefallen.“ Chairman des Bushey Museum Trust Carey Keates bezeichnet das Museum und seine Leiterin als einen „Schatz für Landsberg“. Er habe sich Fischers Einladung, ein paar Freunde mitzubringen, zu Herzen genommen: Die „Bushey-Kongregation“ zählt 24 Mitglieder. Von der finanziellen Unterstützung, die in Landsberg auch von den Bürgern gekommen sei, könne er für das unter Platzmangel leidende Bushey Museum nur träumen.

Dr. Astrid Pellengahr von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen lobt die „hervorragende Arbeit von Fischer und ihrem Team“. Ein Museum brauche den Rückhalt der Gesellschaft, der Besucher solle „emotional berührt und inspiriert die Ausstellung verlassen“. In Fischers interessantem Konzept werde das verwirklicht.

Dass Fischer es gut gemacht hat, steht außer Zweifel. Die sanierten Räume erstrahlen im klaren Design und ordnen sich perfekt dem Ausstellungskonzept einer thematischen Darstellung unter. Der Eingangsbereich ist hell, ein kleiner Museumsshop hat seinen Platz neben der Kasse gefunden, ne- benan lädt das Café zur Kaffeepause mit Blick auf den Lech. Über eine Treppe geht es in den ersten Stock, in dem die Ausstellung zum berühmten Landsberger Allrounder ihren Platz gefunden hat.

Im ersten Raum informiert ein kurzer Film über Herkomers Leben. „Beim Planen der Ausstellung sind wir immer wieder an Grenzen gestoßen“, berichtet Fischer. Platz ist Mangelware, zudem hatte sie mit der geringen Wandfläche für die Bilderhängung zu kämpfen. Durch den Film bekommt der Besucher einen Überblick über Herkomers Leben, sodass die chronologische Reihenfolge vernachlässigt werden kann: Die weiteren vier Räume sind thematisch bestückt.

Zu Beginn begegnet der Besucher Herkomers einfachen Herkunftsverhältnissen: Die exakt geführten Kassenbücher der Mutter, die mit Klavierunterricht die Familie ernährte, der Vater, ein Kunsttischler, der wenig Aufträge bekam. Herkomers sozialrealistische Zeichnungen von Armen, Waisen und Alten, die er für die Zeitung „Graphic“ herstellte, sind ebenfalls dort zu sehen.

Der zweite Raum besticht durch die Farbe Rot: Herkomers Selbstporträt in roter Oxfordrobe zeigt seinen Stolz auf den erhaltenen Professorentitel. Innerhalb von 30 Jahren malte der Künstler über 50 Porträts, die ihm zu Wohlstand verhalfen: Wagner, Kaiser Wilhelm II oder auch Luitpold von Bayern saßen ihm Modell.

Vor allem ein Porträt von Queen Victoria auf dem Sterbebett zeigt seine Vertrautheit mit den Berühmtheiten seiner Zeit. Dieses und andere Porträts werden im Museum in einem auf die Wand projizierten Film gezeigt. Um zu beweisen, dass er auch Frauen malen konnte, porträtierte Herkomer die berühmte „Lady in White“, das Porträt ist als Lithographie im Museum vorhanden. „Bei einer Ausstellung des Bildes in Berlin standen vor diesem, und nur vor diesem Bild zahlreiche Stühle“, erzählt Museumsführerin Marion Wieth. Herkomer, der inkognito im Museum gewesen sei, erfuhr, dass die Stühle nötig seien, da so viele Menschen dieses Porträt bewunderten.

Der dritte Raum widmet sich Herkomers Technikbegeisterung: Ein Fitnessgerät, Hinweise auf die Herkomer-Konkurrenz, der Künstler auf dem Rad – alles in einer Vitrine mit unterschiedlich großen Fächern geordnet. „Die Welt geriet damals in Bewegung“, beschreibt Pellengahr Herkomers Faszination am Neuen. Die Horizonte weiteten sich, was sich nicht nur in Herkomers Kunst sondern in seinem Leben manifestiert habe: Herkomer betrieb ein eigenes Theater, für das er Stücke schrieb, er machte sich mit dem neuaufgekommenen Medium Film vertraut, setzte als einer der Ersten auf den Erfolg des Automobils. Und er komponierte, denn die Musik war für ihn „ein Stück Zauberei“.

Im letzten Raum wird Herkomers „bikulturelle Identität“ gezeigt, sein Leben als Engländer in Bayern. Hier zeige sich die damals vorherrschende „Liebäugelei mit dem Bayerntum“, erklärt Museumsleiterin Fischer. In dichter, Petersburger Hängung sind Herkomers Werke in Landsberg und im Voralpenland an den Wänden angebracht. Ein Bild seiner Tochter sowie seiner dritten Frau Margaret, beide in Landsberg begraben, bilden den familiären Übergang zum Mutterturm.

In neuem Licht

Den Besuch im Turm beschreibt Sonia Fischer als „einen Ausflug in eine andere Zeit“. Der Kontrast zwischen modernem Museumsdesign und dem Gebäude des Historismus passt gut: Er nimmt Herkomers Vielschichtigkeit auf, seine Balance zwischen Tradition und Moderne. Am Abend war dieser Kontrast auch an der Außenwand des Gebäudes zu sehen: Die Illumination des Eresinger Künstlers Tobias Krug tauchte den Mutterturm in Farbe und ließ ihn in einem neuen, ungewohnten Licht leuchten.

Das Interesse der Landsberger am Herkomer-Museum ist groß: Schon am Sonntagvormittag warteten zahlreiche Besucher auf eine Führung durchs Museum. Und das Konzept geht auf: Es zeigt einen „Mann vieler Talente“, der sein Leben gemäß seinem Wappenmotto „propriis alis“ gestaltete: auf eigenen Schwingen.

Susanne Greiner

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