Ein Gastwirt aus Passion

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Einfach mal abschalten und in netter Runde den Krug erheben – über Jahre hinweg war Gastronom Dieter Kolbe (Mitte) mit allerhöchster Freude bei den Isar-Floßfahrten des Landsberger Freizeit-Verlags als Ehrengast mit von der Partie.

Landsberg – Einer der bekanntesten und beliebtesten Landsberger ist in der Nacht zum vergangenen Freitag gestorben und hat eine große Lücke hinterlassen: Gastronom Dieter Kolbe erlag im Alter von 67 Jahren einer schweren Krankheit. Seitdem brennen vor „Kolbe’s Wirtshaus“ am Spitalplatz Kerzen, die ehemalige Freunde und Gäste täglich aufs Neue entzünden.

Die besondere und in „seiner“ Stadt bislang einmalige Art der Beileidsbezeugung zeigt, wie fest Kolbe in der Landsberger Gesellschaft seit Jahrzehnten verankert war. Schon als Wirt in der Traditionsgaststätte „Stadt München“ (heute Trattoria Italiana) wurde er zur festen Institution. fast folgerichtig übernahm Kolbe den „Mohrenwirt“ als größte und traditionsreichste Landsberger Gaststätte in den 1980er Jahren. Kolbe war, ob im „Mohren“, oder später einen Steinwurf weiter in „Kolbe’s Wirtshaus am Spitalplatz“ stets ein Wirt vom alten Schlag. Obwohl er das Kochen auch in den großen Häusern in München von der Pike auf und bis zur Perfektion erlernt hatte, sah er seine Aufgabe vor allem auch darin, für seine Gäste da zu sein und die Kommunikation zu pflegen.

Mit seiner Heimatstadt Landsberg war er über Jahrzehnte eng verbunden, es gab kaum ein Thema, einen Verein oder einen Lebensbereich, für den er sich nicht engagierte oder mindestens interessierte. Dabei blickte er durchaus über den lokalen Tellerrand hinaus. „Einmal in der Woche muss ich einfach nach München“, sagte er oft; genauso gern kam er dann allerdings wieder an den Lech zurück.

Wer „zum Dieter“ kam, erlebte ein bayerisches Wirtshaus in Reinkultur, wie es inzwischen nur noch selten zu finden ist. Kolbe hatte für seine Gäste stets mehr als ein freundliches Wort parat, er kannte ihre Wünsche, Vorlieben und sogar Marotten. Nicht zuletzt war er an ihrer Meinung zu den wichtigen und weniger wichtigen Themen in Landsberg interessiert und steuerte natürlich auch selbst seinen Teil bei.

Sport, Kultur, Ruethenfest, Lumpiger Donnerstag – wann immer etwas in Landsberg geschah, an Dieter Kolbe kam man nicht wirklich vorbei. Vor allem aber war auch die Kommunalpolitik sein Steckenpferd. Sechs Jahre saß er selbst im Stadtrat (1990 – 1996), doch schon lange vorher (und noch lange danach) „tagte“ das Gremium samt Oberbürgermeister in seiner Gaststätte nach der offiziellen Ratssitzung – unabhängig von der Parteizugehörigkeit.

Dieter Kolbe war ein Gastwirt aus Passion, er stand solange hinter der Theke (oder vor seiner Gaststätte), wie es ihm seine schwere Krankheit ermöglichte, die ihm in diesem Sommer diagnostiziert wurde. Als er selbst seinen geliebten Beruf nicht mehr ausüben konnte, führten seine Angestellten und Gäste das „Wirtshaus am Spitalplatz“ bis zur endgültigen Schließung für ihn weiter.

Dieter Kolbe wird am Freitag um 12.30 Uhr auf dem Waldfriedhof in Landsberg beigesetzt.

chk

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