Wie ein großes Wohnzimmer

Franz Lichtenstern (rechts) und Klaus Schmalholz, Vorstand der Landsberg-Ammersee Bank, die die Konzertreihe im Bibliothekssaal als Sponsor unterstützt. Foto: Osman

Schon längst sind sie keine Geheimtipps mehr, sondern Höhepunkte im Landsberger Kulturleben: die Kammermusikkonzerte im Bibliothekssaal des Agrarbildungszentrums. In diesem Herbst ist die von Franz Lichtenstern ins Leben gerufene Konzertreihe in die zweite Runde gegangen. Nachdem Ende September ein Abend zu Ehren Robert Schumanns die Saison eröffnete (der KREISBOTE berichtete), steht für den 7. November das Kammermusikwerk „Quatuor pour la fin du temps“ von Olivier Messiaen auf dem Programm, zusammen mit Mozarts Klarinettenquintett KV 581. „Ich wollte meiner Heimatstadt etwas zurückgeben“, sagt Lichtenstern. Was lag näher, als ihr Musik zurückzugeben?

Der 38-jährige Cellist wuchs in der Bayervorstadt in unmittelbarer Nähe des heutigen Agrarbildungszentrums auf. Den Bibliothekssaal kennt er bereits, seit er als Kind hier für die Musikschule vorgespielt hat. „Der Raum hat eine einmalige Atmosphäre und eine ausgezeichnete Akustik“, so Lichtenstern. „Er ist wie ein größeres Wohnzimmer und deshalb der ideale Rahmen für Kammermusik.“ Die Idee, hier Konzerte zu veranstalten, hätte kaum besser fruchten können. Die Musiker kommen gern, das Publikum sowieso, und auch ein Sponsor war schnell gefunden. Die Landsberg-Ammersee Bank unterstützt die Kammermusikreihe im Rahmen ihrer Kulturförderung, die sich logisch aus ihrem Geschäftsmodell ergibt. „Wir wollen die Lebensqualität in der Region in allen Bereichen verbessern. Dazu gehört die Kultur ebenso wie der Sport und der soziale Bereich“, erklärt Vorstand Klaus Schmalholz. Vor einer Übersättigung der überschaubaren Stadt hat er keine Angst. „Wenn Landsberg Kulturstadt sein will, braucht es ein breites Angebot.“ Noch ein Baby Lichtenstern, der im Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München angestellt ist, sieht das ebenso. „Viele Leute kommen lieber nach Landsberg, als nach München zu fahren. Von Provinz kann hier keine Rede sein.“ Für ihn ist die Kammermusikreihe ein Baby, um das er sich mit Begeisterung kümmert – von der Auswahl der Stücke über die Verpflichtung der Musiker bis hin zum Kartenvorverkauf. Am Anfang schleppte er sogar selbst eine geliehene Beleuchtungsanlage die vielen Treppen hoch in den Saal, inzwischen hat man im Agrarbildungszentrum auf seine Anregung hin eigene Scheinwerfer angeschafft. „Die Arbeit im Orchester ist meine Grundlage, aber ich mache noch viel nebenbei“, erzählt der Landsberger, der an der Lübecker Musikhochschule studierte und seit 14 Jahren am Gärtnerplatz-Theater angestellt ist. Zu den „Nebentätigkeiten“ gehört auch das Vuillaume-Cello-Ensemble, das er gemeinsam mit vier Kollegen gründete, die alle ein Instrument aus der Werkstatt des französischen Geigenbauers Jean-Baptiste Vuillaume spielen. „Andere kaufen sich Autos, wir kaufen uns solche Instrumente“, lacht Lichtenstern. Der 38-Jährige gibt nicht nur im gesamten süddeutschen Raum Konzerte, sondern auch im europäischen Ausland und in Brasilien, gelegentlich sogar auf Kreuzfahrtschiffen. Das klingt nach Traumberuf, bedeutet aber auch viel Stress und Disziplin. Die tägliche Übungspraxis von ein bis zwei Stunden will irgendwie im vollen Terminkalender untergebracht werden, das Leistungshoch des Tages muss am Abend abrufbar sein, wenn alle anderen endlich abschalten dürfen. Nicht zu vergessen die Pflege der Hände, ohne deren Beweglichkeit ein Streicher einpacken kann. „Auf keinen Fall darf ich Paddelboot fahren oder Holz hacken“, sagt Lichtenstern. „Danach kann ich zwei Tage nicht spielen.“

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