Das bayernweite THW-Logistikzentrum

Großlogistik aus Penzing gegen die Pandemie

THW-Zentrum Penzing Palette
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Paletten mit Antigen-Schnelltests in Halle 4: Im Durchschnitt passen 9.600 Testkits auf eine Euro-Palette.
  • vonAndrea Schmelzle
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Penzing – Seit Anfang Oktober ist der Bayerische Logistikstützpunkt des THW auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Penzing angesiedelt. In den alten TransAll-Hallen 4 und 6 leisten 26 ehrenamtliche Einsatzkräfte und zwei hauptamtliche Projektleiter in zwei Schichten ihren Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie – auch in diesem Jahr. Die Schwerpunkte liegen dabei aktuell auf der Verteilung von Impfzubehör und Antigen-Schnelltests.

„Es ging alles ziemlich schnell,“ erzählt Bernd Urban, Projektleiter der THW-Landesverbandsdienststelle Bayern. Der Ursprungsauftrag vom Bund und somit eine Sonderaufgabe für den THW-Landesverband: ab Oktober über einen eigenständigen Logistikstützpunkt die komplette Corona-Schutzausstattung auszuliefern und zu verteilen – bundesweit. Die ‚richtige‘ bundesweite THW-Logistikzentrale befindet sich in der Nähe von Düsseldorf. Von dort aus wurden alle coronabedingten logistischen Aufträge für Deutschland seit Beginn der Pandemie abgewickelt. „Aber die Kollegen sind umgezogen,“ so Urban. Daher habe man beim Landesverband um Hilfe gebeten. Und somit wurde die Bundesaufgabe bis Ende Dezember nach Bayern verlegt.

Ein Standort musste her. Nachdem verschiedene Objekte aus Bundesliegenschaften ausgewertet worden seien, habe man das Areal auf dem ehemaligen Fliegerhorst Penzing als am besten geeignet befunden. Ausschlaggebend: die Größe der Hallen, die gute Verkehrsinfrastruktur, der Autobahnanschluss – und nicht zuletzt die schnelle Verfügbarkeit.

Bernd Urban an seinem Logistikarbeitsplatz in Halle 4.

Im September ging es los: mit der kompletten Ausstattung der ehemaligen Abflughalle 4 – von Tischen über Gabel-Stapler bis hin zur IT-Ausstattung. „Hier war vorher nichts,“ sagt Urban. Dank harter Arbeit und guter Organisation konnte Anfang Oktober mit der Verteilung von Schutzbrillen, FFP2-Masken, Schutzanzügen und OP-Masken gestartet werden. „Das war unsere Aufgabe bis Dezember,“ erklärt Urban. Insgesamt circa 545 Tonnen Material sind in dieser Zeit an die Bedarfsträger des Bundes ausgeliefert worden. Derzeit ist die Verteilung eingestellt, der Bedarf des Bundes ist gedeckt. Die Logistikeinsätze gehen jedoch weiter.

Seit Oktober werden auch Antigen-Schnelltests im Auftrag des Bayerischen Gesundheitsministeriums im Logistikzentrum angeliefert, kontrolliert, auf Vollständigkeit überprüft, für den Weitertransport kommissioniert und in Lkw ausgeliefert. 5,6 Millionen Sets à 20 Antigentests verschiedenster, europaweiter Hersteller lagern in Halle 4. 4,6 Millionen Tests sind allein in diesem Jahr an alle Kreisverwaltungsbehörden in ganz Bayern ausgeliefert und den Testzentren sowie Kontrollstellen an der tschechischen und österreichischen Grenze zur Verfügung gestellt worden.

Im Zuge der Vorbereitungsmaßnahmen für die Impfzentren liegt ein weiterer Schwerpunkt des Penzinger Logistikmanagements auf dem funktionierenden Betrieb und damit der Ausstattung von Impfzentren in ganz Bayern. „Jeden Tag erhalten wir Anlieferungen von Spritzen, Kanülen und Natriumchlorid zum Verdünnen der Impfstoffe“, sagt Urban. Das gesamte Material, das der Freistaat gekauft hat, lagert nun in Halle 6. Die sei in zweieinhalb Wochen aufgebaut und eingerichtet worden – inklusive Telefonleitung, Netzwerk und Einholung der arzneimittelrechtlichen Zulassung. Die Ware wird hier auftragsgerecht kommissioniert und je nach Bedarf verteilt: seit Mitte Dezember fünfeinhalb Millionen Spritzen, mehr als 15 Millionen Kanülen und fast mehr als 900.000 NaCl-Lösungen.

„Wir arbeiten in zwei Teams mit je 13 ehrenamtlichen Helfern aus ganz Bayern, die, unterstützt von je einem hauptamtlichen Projektleiter des THW, im Zwei-Schicht-Betrieb arbeiten,“ berichtet Urban. Die Schichten wechseln sich wochenweise ab. Mitarbeiter, die ihre freie Woche haben, seien in Rufbereitschaft. Ihre Kollegen der anderen Schicht bekämen sie gar nicht zu Gesicht. Eine Vorsichtsmaßnahme. „Wenn einer mal Corona bekommt, bricht nicht gleich das ganze System zusammen. Denn wenn wir ausfallen, haben wir in ganz Bayern ein Problem,“ so Urban. Daher werde auch stets am Anfang der Woche ein Antigentest gemacht, ein eigener Pandemieplan erstellt und mit Masken gearbeitet. „Unser Ziel: die höchstmögliche Sicherheit.“

Helfen aus Überzeugung

Die Motivation der ehrenamtlichen Helfer: Überzeugung. Für ihre Tätigkeit im Penzinger Logistikzentrum werden sie von ihrem Arbeitgeber freigestellt. Die Kosten übernimmt als sogenannte „fortgewährende Leistungen“ das THW. „Logistik hat es mir von klein auf angetan,“ sagt Katharina Blos, die eine der Schichten leitet. Eigentlich studiert sie Arabisch und Persisch. Nun macht sie das am Abend. Durch Home-Uni sei man da ja flexibel. „Ich bin froh, dass ich in so einer Zeit etwas bewegen und einen Beitrag leisten kann,“ sagt sie. Etwa 30 Prozent der Einsatzkräfte seien die ganze Zeit über in Penzing, berichtet Urban. Das übrige Team wechsele nach etwa vierzehn Tagen durch. Aber auch von ihnen seien circa zwei Drittel „Wiederholungstäter“ und kämen wieder.

Schichtführerin Katharina Blos in ihrem „Logistik-Tower“.

Unterstützung bekommen die Einsatzkräfte durch technische Helfer: etwa Folien- und Wickelroboter zum Einpacken der Paletten oder Barcodeleser. Gearbeitet werde bayernweit über Digitalfunk. In Penzing steht zudem ein eigener Fahrzeugpark. „Den Rest holen wir uns aus ganz Bayern,“ sagt Urban. Das sei ja der Vorteil: die bayernweite Vernetzung. Aber auch bundesweit werde auf Ressourcen aus Penzing zurückgegriffen. „Wir hätten kein Problem, sogar 100 Lkw bereitzustellen, wenn wir die brauchen,“ ist Urban überzeugt.

Geplant ist der Betrieb der Logistikzentrale in Penzing zunächst bis Juli. Das komme darauf an, wie sich die Pandemie entwickelt. Seine Aufgabe in Penzing macht Urban Spaß, dennoch: „Es wünscht sich wohl jeder, dass Corona bald aufhört und wir wieder in einen Normalzustand kommen.“ Als Sachgebietsleiter koordiniert Urban normalerweise die elf THW-Regionalstellen in Bayern. „Da gibt es immer was zu tun.“ Schließlich werde auch unabhängig von Corona Unterstützung benötigt – das Einsatzspektrum der THW-Hilfskräfte sei weitgefächert. Sollte coronamäßig keine Besserung in Sicht sein, werde man natürlich in Penzing weitermachen. Ausschlaggebend sei die Entscheidung des Bayerischen Gesundheitsministerium, das den Bedarf beurteile. „Wir wären bereit für weitere Aufgaben“, verspricht Projektleiter Bernd Urban.
Andrea Schmelzle

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