Türme und Gassen

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Mit einer musikalischen Reise in südliche Gefilde eröffneten Gruber&Maklar das Festival „Faszination Gitarre“.

Landsberg – So richtig schön war das Wetter ja nicht, an diesem 1. Mai, kaum geeignet für Ausflüge oder Kurzurlaube. Der perfekte Ort für diesen Abend war demnach das Stadttheater, in dem das Gitarrenduo Gruber&Maklar den Klang und die Atmos­phäre fremder Länder in die Phantasie des Publikums zauberten.

Erste Station der Reise war Spanien: temperamentvoll wirbelte das Duo durch eine Gitarrenversion der bekannten Ouvertüre von Rossinis „Barbiers von Sevilla, arrangiert von Mauro Giuliani. „Giuliani war ein Held, dass er es gewagt hat, dieses Orchesterstück für Gitarren zu arrangieren“, meint Christian Gruber schmunzelnd. Doch wer braucht noch ein Orchester, angesichts dieser reizvollen, puren Gitarrenfassung, die die kunstvollen Verflechtungen besonders zur Geltung bringt? Und weiter geht es aus den Weiten der Landschaft in die engen Gassen Cordobas mit den Stücken von Isaac Albéniz. Die Musik malt nicht nur Bilder, wie Gruber angekündigt hat, sondern beamt das Publikum förmlich in die Szenerie, man kann sie sehen, hören, fühlen. 

Alles ist lebendig 

Das gilt besonders für die Vertonung des Jules-Vernes-Gedichtes „Der Leuchtturm am Ende der Welt“ von Paolo Devecchi, eigens komponiert für Gruber&Maklar. Die Feindschaft der Hauptpersonen, das Rauschen des Meeres, alles ist lebendig im Stadttheater. Mit den Klängen von Heitor Villa-Lobos begleitet man den Protagonisten bei einem nächtlichen Spaziergang mit der Geliebten, danach leuchtet der „Samba Classico“ alle Facetten südamerikanischen Lebens aus: Freude, Trauer, Verzweiflung und trotzallem Lebenslust, ein bittersüßes Arrangement aus der Feder des Duos. 

„Cembalosonaten für Gitarre zu arrangieren, ist eigentlich ganz einfach“, kündigt Gruber in so typischem Unterstatement an. „Man muss nur die rechte Hand für die eine, die linke Hand für die andere Gitarre nehmen“. Was bei ihm so banal klingt, entzündet sich zu einem Klangfeuerwerk, bei dem die beiden Gitarren dergestalt verschmelzen, dass Scarlatti, hätte er es hören können, sein Cembalo wahrscheinlich keines Blickes mehr gewürdigt hätte. 

In Fragmenten 

Ein wehmütiger Tango von Astor Piazzolla, dann kam der Überraschungsgast des Abends, der Augsburger Schlagzeuger Sebastian Hausl, der das Gitarrenduo bei Dusan Bogdanovics „Byzantinischem Thema mit Variationen“ begleitete, einem Stück, dessen Notenmaterial nur fragmentarisch vorliegt und von den drei Musikern erst vervollständigt werden musste, wie Christian Gruber erklärt. Hausl war dann als erste Zugabe noch einmal solistisch zu hören, nach begeistertem und langanhaltendem Applaus schenkten Gruber&Maklar den Zuhörern noch zwei wunderbare spanische Tänze, bevor es sie in diese kalte Mai-Nacht entließ.

Patricia Eckstein

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