Grundsätzlich geeignet

Über weite Stecken fließt der Mühlbach gemächlich dahin (siehe Foto). Aber am Wasserfall am Untermüllerplatz könnten, nach Berechnungen der örtlichen CSU-Fraktion, 73 Megawattstunden Strom gewonnen werden. Das entspricht dem Bedarf von 20 Haushalten. Nun wurde von der Gemeinde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Foto: Nagl

Dießen – Das Thema Wasserkraft stand erneut im Mittelpunkt der jüngsten Dießener Gemeinderatssitzung. Wie berichtet hatte die CSU-Fraktion bereits in der vorangegangenen Sitzung einen Antrag auf Stromerzeugung aus dem Mühlbach-Wasserfall am Unter­­müllerplatz vorgelegt. Auf Empfehlung des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim wurde dazu nun Ingenieur Stefan Wöllisch aus Tutzing gehört und sogleich mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt.

Als Referenzprojekte konnte Wöllisch unter anderem auf die Wasserkraftanlage am Praterwehr oder im Auer-Mühlbach bei der Muffathalle in München verweisen. Ein Projekt, dass, wie Gemeinderätin Petra Sander (Grüne) wusste, 1,8 Millionen Euro gekostet hatte. Welche Anlage? Grundsätzlich, so Wöllisch, müsse man genau überlegen, welche Anlage unter ökologischen und gestalterischen Gesichtspunkten zum Standort passe. Dementsprechend sei auch das Genehmigungsverfahren aufwändig und zeitintensiv. Vom ersten Eindruck her hält Möllisch den Standort am Untermüllerplatz mit einer Fallhöhe von drei Metern und einem Abfluss von etwa einem Kubikmeter pro Sekunde für eine „Kleinkraftwasseranlage“ in Form eines überströmten Kraftwerks oder einer Strömungsschnecke für geeignet. Grob geschätzt könnte die Wasserkraft für die Versorgung von 100 Haushalten reichen, sagte Wöllisch auf Nachfrage. Die Antragsteller der CSU waren zunächst nur von einer Bedarfsdeckung von 20 Haushalten ausgegangen. Die Revitalisierung der Wasserrechte, die vor 30 Jahren von der Gemeinde mit dem Grundstück erworben wurden, werde „mit Sicherheit gefördert und unterstützt“, betonte der Ingenieur. Üblicherweise habe sich eine Wasserkraftanlage nach acht bis zehn Jahren amortisiert. Genehmigungsfrei seien Strömungskraftwerke zu haben: „Kleine Blechkisten“, für die Bachanwohner lediglich eine Bewilligung benötigen. Während Franz Kubat (Dießener Bürger) vorschlug, auch die Bäche in den höher gelegenen Ortsteilen als Stromlieferanten ins Visier zu nehmen, hielt Edgar Maginot (CSU) es für angeraten, sich vorerst auf den Wasserfall am Untermüllerplatz zu konzentrieren. An dieser Stelle sieht auch das örtliche Elektrizitätswerk Stadler die größten Erfolgschancen für die Gemeinde als Stromerzeuger. Wie Prokurist Hans-Peter Wiedemann auf Anfrage erklärte, befinde sich nur hier ein nennenswertes Gefälle. Ansonsten verlaufe der Mühlbach relativ gemächlich in einem weitgehend gemauerten Bachbett, in dem die Fließgeschwindigkeit allenfalls für den Antrieb von Mühlrädern ausreiche. Derzeit stammen nach Auskunft des Unternehmens acht Prozent der in Dießen benötigten Energie aus Wasserkraft. Ansonsten steht ein Mix aus 38 Prozent Kernenergie, 45,2 Prozent fossiler Energie und 16,8 Prozent regenerative Energie zur Verfügung. Lediglich Ökostrom-Kunden werden vom Elektrizitätswerk Stadler schon heute zu 100 Prozent mit Strom aus Wasserkraft bedient.

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