Günter Sigl am Freitag beim Landsberger Kino-Open-Air

Wie der "König von Landsberg"

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Günther Sigl: Ein Leben für den Rock ’n’ Roll und die Spider Murphy Gang.

Landsberg – Unter der Regie von Jens Pfeifer und produziert von Stefan Donaubauer entstand, in Kooperation mit BR und NDR, die abendfüllende Dokumentation „Spider Murphy Gang – Glory Days of Rock ‘n‘ Roll“. Am kommenden Freitag, 9. August, wird sie beim Open-Air-Kino auf dem Rossmarkt zu sehen sein. Günther Sigl selbst wird vor Ort sein, den Film präsentieren und sicherlich aus seinen 42 Jahren mit den „Spiders“ erzählen. Für den KREISBOTEN sprach Dieter Limper vorab mit dem Frontman der „Bayrischen Band“, der in Landsberg aufwuchs.

Herr Sigl, wer hatte denn die Idee zu dem Film und wie ist die ganze Geschichte entstanden?

Sigl: „Vor drei Jahren kam der Produzent Stefan Donaubauer auf uns zu und sagte, er würde gerne eine Biografie drehen, die auch im Kino laufen solle. Ich war skeptisch und dachte, das würde doch niemanden interessieren. Aber der Stefan hat nicht locker gelassen und ist immer wieder mit dem Projekt auf uns zu gekommen, bis ich irgendwann gesagt habe: Na gut, dann machen wir’s halt mal. Von da an haben die uns 30 Drehtage mit der Kamera verfolgt und waren sehr nah dran.

Sie haben uns privat besucht, im Übungsraum und uns auch bei verschiedenen Konzerten begleitet. Irgendwann hatten sie den Film dann fertig und am dritten Juli war die Premiere während des Münchener Filmfests.“

Wie wurde der Film vom Publikum aufgenommen?

Sigl: „Sehr gut. Alle drei Kinosäle waren ausverkauft. Ich war verwundert, denn so ein Musik­film ist jetzt nicht gerade ein Blockbuster und ich dachte, der würde nun in den Programmkinos laufen. Aber gerade in den Open-Air-Kinos kommt er gut an. Im Westpark waren 800 Leute. Hier im Kino in Gräfelfing waren es dann gerade mal zehn Leute, aber bei den Events und den Sommerkinos ist das Interesse groß. Ich hoffe, dass er nun einigermaßen gut läuft, damit er wieder das einspielt, was die Leute investiert haben.“

Wie ist denn das Verhältnis zwischen altem Material aus dem Archiv und neuem Material?

Sigl: „Die haben wirklich alles durchforstet und wir waren damals ja schon früh im Fernsehen. Auch unsere Auftritte in der damaligen DDR sind zu sehen. Sehr lustig ist zum Beispiel wie uns der Bürgermeister von Zwickau erzählt, dass in der Stadt der international beliebte Kleinwagen Trabant gebaut würde.

Das muss man dann schon aushalten: Ich als junger Mann mit schwarzen Haaren und einer mords Tolle. Und dann kommt der Schnitt, 35 Jahre später mit schütterem Haar (lacht). Für die Fans ist das sicherlich alles sehr interessant. Unsere frühen Auftritte, die Rockhouse-Sendung mit Georg Kostya, wo wir zum ersten Mal bayrisch gesungen haben. Wir waren die Hausband des BR, haben neue Songs geschrieben und Material für die erste LP gesammelt. Wir sind dann mit dem VW-Bus nach Köln gefahren und haben die erste Platte aufgenommen.“

42 Jahre mit der Spider Murphy Gang. Da gab es ein paar laue Jahre. Kommen die auch im Film vor?

Sigl: „Wir hatten große Erfolge, auch weil wir in die Neue Deutsche Welle mit reingerutscht sind, denn auf einmal gab es diesen Hype um alles Deutschsprachige. Ein Glücksfall für uns. Goldene und Platin Schallplatten, Millionenverkäufe. Dann war NDW vorbei, es gab Umbesetzungen in der Band, aber für uns war das gar nicht so tragisch. Natürlich haben die Plattenfirmen gesagt, dass die Verkäufe zurückgingen und wir mal wieder einen Hit liefern sollten. Ja mei, wenn das so leicht wäre. So was passiert einfach mal, da hat man den richtigen Song mit dem richtigen Thema zur richtigen Zeit. Für mich hat es sowieso nie eine Alternative gegeben. Ich wollte immer nur Musik machen. Wir haben halt nicht mehr die großen Hallen bespielt, sondern die Bierzelte. Klar kamen dann die Kommentare, die Spiders würden nur noch über die Dörfer tingeln. Wir waren aus den Medien raus, haben aber noch über hundertmal im Jahr gespielt. Wir waren immer eine Live-Band und das wussten die Leute auch. Sie haben eine Rock ’n’ Roll-Show bekommen und waren begeistert.“

Kommen denn auch ehemalige Mitglieder im Film zu Wort, wie zum Beispiel Franz Trojan, der den Ruhm schlecht verkraftet hat und die Band seinerzeit verlassen musste?

Sigl: „Ja klar, den hat das Filmteam besucht. Der wohnt jetzt da oben irgendwo in NRW in einem Wohnwagen und hatte ein großes Alkoholproblem. Der wird ebenso interviewt wie Michael Busse und andere Weggefährten.“

Es ist aber vor allen Dingen nicht nur ein Film über Musik, sondern auch über die lange Freundschaft zwischen Ihnen und dem Gitarristen Barny Murphy...

Sigl: „Ja, das ist schon eine spezielle Beziehung zwischen uns und die wird auch im Film intensiver beleuchtet. Wir kennen uns jetzt 50 Jahre und natürlich reibt man sich aneinander. Der Barny hat dann manchmal doch andere Vorstellungen und das kommt im Film ganz gut rüber. Ich stelle ihm zum Beispiel einen neuen Song vor und er ist gar nicht begeistert (lacht). Aber wir haben zusammen Urlaub in Amerika gemacht und die Geschichten kommen auch vor. Es ist alles in allem ein sehr umfangreicher Abriss unserer gemeinsamen Karriere, privaten Freundschaft und Partnerschaft.“

Herr Sigl, in wenigen Tagen sind Sie hier in Landsberg, wo Sie aufgewachsen sind. Welche Erinnerungen haben sie denn an die Stadt?

Sigl: „Landsberg bedeutet für mich vor allen Dingen eine wunderbare Kindheit. Was Schöneres kann es gar nicht geben. Ich kann mich ans Inselbad erinnern, da habe ich Schwimmen gelernt und bin bibbernd vor Angst oben auf dem Sprungturm gestanden. Am Lechwehr haben wir gespielt oder wir sind raus nach Sandau in den ,Kongo‘. Dem Stadtgärtner haben wir Erdbeeren, Äpfel und Kürbisse abgeluchst. Hin und wieder musste ich in den Ferien zu meiner Tante nach Schongau, aber eigentlich wollte ich nie aus Landsberg weg. Ich bin in die katholische Knabenschule am Schmalztor gegangen und damals wurde noch nicht viel telefoniert. Wenn ich also in der Schule nicht aufgetaucht bin, war ich halt nicht da. Oft bin ich vom Schulweg abgebogen, habe mich auf die Stadtmauer gesetzt, mein Pausenbrot gefuttert, herabgeschaut auf die Stadt und mich gefühlt wie der König von Landsberg.“

Herr Sigl, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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