Gutes Beispiel moderner Architektur? – Vorerst kein neues Wohn- und Geschäftshaus an der Bahnhofstraße

Ein Bauantrag für ein Grundstück an der Bahnhofstraße 1 hat vergangene Woche zahlreiche Zuhörer in den Sitzungssaal des Rathauses gelockt. Eine Kulisse, vor der ein geplantes Wohn- und Bürogebäude auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Areal mehrheitlich abgelehnt wurde. Stattdessen sprach sich der Gemeinderat für die Aufstellung eines Bebauungsplanes aus. Bis zu dessen Inkrafttreten gilt eine Veränderungssperre ­– ab sofort.

In Schondorf ging es einmal mehr um das viel zitierte „Herz“ der Gemeinde. Diesmal schlägt es zwischen dem Steig und der Bahnhofstraße, direkt gegen­über der romanischen Jakobs­kirche. Das geplante Gebäude wäre, so die überwiegenden Ansicht im Gemeinderat, zu mächtig geworden und hätte die Ortsansicht – insbesondere von der Seeseite her – grundlegend verändert. Positives Licht Sichtlich bemüht, das Bauvorhaben in positivem Licht erscheinen zu lassen, war dagegen Bürgermeister Peter Witt­- maack (SPD). Er betonte zugleich, dass man auch den Gegnern der Planung die Möglichkeit zum Widerspruch ein­- räumen wolle. Hinter dem einstigen Wohn­haus des Malers Wilhelm Leibl sei, so der Bürgermeister, ein modernes, zusammenhängendes gebogenes Gebäude geplant. Im Erdgeschoss des Nordteils solle Gewerbefläche entstehen. Außerdem seien Grundstücksabtretungen an der Bahnhofstraße zugesagt, so dass dort einige Längsparkplätze entstehen könnten. „Dann ist hier vielleicht irgendwann wieder Begegnungsverkehr möglich“, prognostizierte er. Nach Ansicht des Gemeindeoberhauptes handle es sich um ein „gutes Beispiel moderner Architektur“, die das Leibl-Haus elegant umrahme und somit in die Planung einbeziehe, was den Erhalt des „nicht denkmalgeschützten Gebäudes“ gewährleiste. Deshalb, so Wittmaack, stimme er dafür, einen Bebauungsplan auf den Weg zu bringen und das Bauvorhaben zu genehmigen. Eine Ansicht, der sich allerdings nur drei weitere Gemeinderäte anschließen konnten. Keine Kontrolle mehr Es gebe im Umfeld noch kein vergleichbar großes Gebäude, hielt Andreas Dhom (FWS) dagegen. Während es die historische Remise der Seepost nur auf 2400 Kubikmeter umbauten Raum bringe, handle es sich bei besagtem Bauvorhaben um 4700 Kubikmeter. „Das ist in diesem Gebiet nicht zu tolerieren. Deshalb brauchen wir einen Bebauungsplan und eine Veränderungssperre“, betonte Dhom. Ansonsten werde neues Baurecht geschaffen, das nicht allein auf dem benachbarten Leibl-Grundstück wirke. Damit werde eine unkontrollierbare Entwicklung eingeleitet. Dem schloss sich auch Thomas Eichinger (CSU) an. Bei aller Wertschätzung für den Bauherrn und seine Planung be­fürchte er, dass man sich im Falle einer Genehmigung neben der hohen Dichte auch das Problem großer Baukörper ins historische Ortszentrum hole. Ab ins Mittelalter Als einen „Rückfall ins Mittelalter“ bezeichnete hingegen Kurt Bergmaier (FWS) das Beharren auf einzelnen, kleineren Baukörpern. Und das, obwohl die Gemeinde Schondorf bislang dafür bekannt gewesen sei, moderner Architektur aufgeschlossen gegenüber zu stehen. Um weiteren Bauanträgen dieser Art entgegen zu wirken, regte Dhom abschließend an, den Umgriff des Bebauungsplanes über das Areal zwischen Steig, Bahnhof- und Seestraße auf weitere Grundstücke im südlichen Verlauf der Seestraße auszudehnen. Darüber soll in der kommenden Gemeinderatssitzung beraten werden.

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