Ein gutes Tier ist das Klavier

„Der Musikkritiker“, eines von Georg Kreislers witzigsten Chansons, dargeboten von Alexander Netschajew und Gerhard Johannes am Flügel. Foto: Eckstein

Fast hatte es den Charakter einer Abschiedsvorstellung. Alexander Netschajew, der seit Herbst als Intendant dem Theater der Altmark in Stendal vorsteht, lockte zahlreiche Besucher in den Rathausfestsaal, bevor er im Sommer seine Kisten packen wird. Mit seinem Programm „Wortspielereien“, das er mit dem Pianisten Gerhard Johannes auf die Bühne brachte, forderte er Geist und Lachmuskeln des Publikums.

Nach einem beschwingten Walzer von Franz Lehár, gespielt von Gerhard Johannes, Julian Johannes und Franz Lichtenstern thront ein goldener Schokohase auf dem schwarzen Flügel. Das schaut nicht nur nett aus, liefert auch gleich den „Aufhänger“ für den ersten Programmpunkt: Gerhard Polts bekanntes „Nikolausi – Osterhasi“. Es folgen weitere kleine Dramen zur Oster- und Frühlingszeit der leichteren und ernsteren Art. Netschajew mischt in seinem Programm unbekümmert Heinz Erhardt mit Johann Wolfgang von Goethe, Eduard Mörike mit Loriot, Robert Gernhardt mit Hermann Hesse, Erich Kästner mit Kurt Tucholsky. So entsteht ein überaus kurzweiliges Medley verschiedenster Gedichte, Geschichten und kleiner Dramen, die alle eines gemeinsam haben: den virtuosen und nicht immer ernst gemeinten Umgang mit dem Wort. Aber zu den bekannten Namen gesellt er auch den ein oder anderen eher unbekannten Wortkünstler und trägt Gedichte von Bernd Lunghard („Gedichtinterpretation“) oder Martin Auer („Rätselhafte Kinderlieder“) vor. Als Hommage an seine Kollegen wandelt er Loriots berühmten Sketch „Geigen und Trompeten“ in „Celli und Oboen“ um. Natürlich kommt ein Abend „Wortspielereien“ nicht ohne Ernst Jandl aus, und so folgt auch „Ottos Mops“. Aber Netschajew ist nicht nur ein großartiger Erzähler, er kann auch singen, wie er mit den Kreisler-Liedern „Der Musikkritiker“ und „Biddlah Buh“ bewies. Für musikalische Highlights sorgte Gerhard Johannes am Flügel, unterstützt von seinem Sohn Julian (Oboe) und Franz Lichtenstern am Cello. Ihre Interpretation von Kurt Weills „Alabama Song“ oder Richard Wagners „Ankunft bei den schwarzen Schwänen“ begeisterte die Zuhörer, die durchdachte Auswahl der Stücke bildete den perfekten Rahmen eines amüsanten und interessanten Programms. Wenn auch Georg Kreisler dem gemeinen Musikkritiker unterstellt, „konsequent kein Talent“ erkennen zu wollen, gilt das wohl nicht für diesen Abend…

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