Gemeiner geht es nicht:

Krankenschwester beklaut alte Sterbende

+
So ein Autoschlüssel kann schon mal versehentlich in die Kitteltasche rutschen, behauptet die 56-jährige Krankenschwester.

Landsberg/Olching – Diebstahl, Betrug, Urkundenfälschung, Veruntreuung, Insolvenzverschleppung – eine ganze Liste an Vorstrafen brachte eine 56-jährige Krankenschwester mit, die wegen einer neuerlichen Tat vor dem Amtsgericht Landsberg stand. Diesmal soll sie in einem Münchener Krankenhaus einer Patientin erst die Autoschlüssel und dann das Auto geklaut haben. Die Frau aus dem Großraum München, die mittlerweile in einem Seniorenheim im Landkreis Fürstenfeldbruck arbeitet, wurde kürzlich zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

Im Sommer 2015 betreute die 56-Jährige die Patientin Maria W. (Name geändert) im „Klinikum rechts der Isar“. Aus dem Krankenzimmer der Frau entwendete sie den Schlüssel für deren Ford Fiesta und holte sich einige Wochen später das Auto, das vor Maria W.s Wohnung in Schondorf geparkt war – soweit die Anklageschrift.

Vor Gericht behauptete die 56-Jährige jedoch, Maria W. habe ihr den Wagen verkauft, weil sie selber wegen starker Medikamente nicht mehr fahren durfte. Als Beweis legte die Krankenschwester einen handschriftlichen Kaufvertrag vor, den die Patientin angeblich unterschrieben hatte. Dem Gericht drängte sich allerdings der Verdacht auf, dass die Krankenschwester das Papier unter die zahlreichen Formulare geschummelt hatte, die Maria W. für ihre Behandlung unterschreiben musste.

Auch die Behauptung, die Frau hätte sich als Kaufpreis 3.100 Euro in bar ins Kranken­haus bringen lassen, fand Richter Michael Eberle „total lebensfremd“ – zumal der Patientin zuvor bereits der Geldbeutel samt Bankkarten und Fahrzeugschein aus dem Krankenzimmer abhanden gekommen war. Den Verkauf erwähnte sie weder ihrem Lebensgefährten gegenüber, noch tauchte das Geld jemals bei ihren Sachen auf. Befragen konnte das Gericht die Frau nicht mehr – sie ist zwischenzeitlich gestorben.

Am Silvestertag 2015 wurde die Krankenschwester mit dem geklauten Auto von der Polizei erwischt. In dem Fahrzeug fanden die Beamten unter anderem den Wohnungsschlüssel eines weiteren, inzwischen ebenfalls verstorbenen Patienten. Auch dafür hatte die 56-Jährige eine Erklärung parat: Als sie den verletzten Mann im Bett umgedreht habe, müsse der Schlüssel versehentlich in ihre Kitteltasche gerutscht sein. „Für wie blöd halten Sie das Gericht eigentlich?“, wollte Richter Eberle daraufhin wissen.

Für ihn stand fest, dass es die Masche der 56-Jährigen sei, „alte, morbide, sterbende Menschen“ zu bestehlen. Zu der Masche gehöre auch, zunächst abzuwarten, bevor man sich mit gestohlenen Schlüsseln an das Eigentum der Beklauten heranmache. Dieses ganze Vorgehen falle bei der Strafzumessung „sehr negativ ins Gewicht“, so Eberle.

Zwischenzeitlich arbeitet die Frau nicht mehr im „Klinikum rechts der Isar“, sondern in einem Seniorenheim in Olching. „Wenn ich mir vorstelle, dass Ihnen dort wieder alte, hilfsbedürftige Menschen ausgeliefert sind, dann habe ich große Bedenken“, sagte Eberle. Die Krankenschwester gab zu, dass in dem Heim niemand von ihren Vorstrafen wisse. Sie wird ihren Arbeitsplatz dort allerdings aufgeben müssen, denn sie muss für ein Jahr hinter Gitter.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ulrike Osman

Auch interessant

Meistgelesen

Elektrofahrer-Treffen im Autohaus Sangl übertrifft alle Erwartungen
Elektrofahrer-Treffen im Autohaus Sangl übertrifft alle Erwartungen
Einigkeit auf dem Hauptplatz: Die AfD ist eine Gefahr für die Demokratie
Einigkeit auf dem Hauptplatz: Die AfD ist eine Gefahr für die Demokratie
Drinnen AfD, draußen friedlicher Protest
Drinnen AfD, draußen friedlicher Protest
60 Jahre Autohaus Schaller: Tag der offenen Tür am 29. September
60 Jahre Autohaus Schaller: Tag der offenen Tür am 29. September

Kommentare