Zweieinhalb Jahre Gefängnis:

Dieb klaut im Kloster St. Ottilien Geld und Schmuck für 22.000 Euro

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Schmuck und Bargeld im Gesamtwert von 22.000 Euro klaute ein Augsburger vor zwei Jahren von zwei Besucherinnen des Exerzitienhauses in St. Ottilien.

Landsberg – Reiche Beute hat ein Dieb im Kloster St. Ottilien gemacht. Er klaute zwei Besucherinnen des Exerzitienhauses Schmuck und Bargeld im Wert von 22.000 Euro, während die Frauen beim Mittagessen saßen. Jetzt stand der Mann vor dem Schöffengericht Landsberg.

An einem Samstag Anfang September 2017 kam der Augsburger am späten Vormittag in das Klosterdorf, um zu klauen – weil er Geld für Drogen benö­tigte. „Ich kenne St. Ottilien von früher und wusste, dass es dort Apartments gibt“, gab er zu. Eines dieser Gästeapartments teilten sich damals eine 74-Jährige aus Herrsching und eine 67-Jährige aus Inning. Beide waren zu Meditationen und Schweige­exerzitien dort. Die 67-Jährige hatte außerdem ein Treffen mit 60 Teilnehmern organisiert und von allen Geld für die Veranstaltung und einen Referenten eingesammelt. Deshalb bewahrte sie in ihrem Zimmer in einem verschlossenen Schränkchen eine größere Menge Bargeld auf.

Ob der Augsburger wirklich auf gut Glück alle Türen im Exerzitienhaus von oben nach unten durchprobiert hatte, wie er behauptete, erschien dem Gericht zweifelhaft. Die 67-Jährige vermutete eher, dass er sie beim Einsammeln des Geldes beobachtet hatte. Dazu passte, dass beide Frauen den Mann an jenem Tag gesehen hatten, wie er mit tief ins Gesicht gezogener Baseballkappe in einer Sitzecke herumlungerte. „Er sah unglücklich aus. Ich wollte ihn schon fragen, ob er Hilfe braucht, habe mich aber nicht getraut“, sagte die 74-Jährige im Zeugenstand des Schöffengerichts aus.

Die Frage, wie der Dieb in das Apartment gelangte, konnte nicht geklärt werden. Der 41-Jährige behauptete, die Tür sei offen gewesen. Die beiden Bewohnerinnen dagegen schworen Stein und Bein, dass sie abgeschlossen hatten, bevor sie zum Mittagessen gingen. Einbruchspuren wies die Tür nicht auf.

Im Zimmer der 67-Jährigen knackte der Rauschgiftabhängige das verschlossene Schränkchen und erbeutete eine Klarsichthülle mit 1.700 Euro, ein Smaragdcollier, Gold- und Perlenketten, diverse wertvolle Ringe und weitere Schmuckstücke. Auch die Geldbörse der Frau mit 200 Euro Bargeld, Bankkarten, Führerschein und Ausweis ließ er mitgehen. Im Zimmer der 75-Jährigen steckte er zwei Paar silberne Ohrringe ein. Später versuchte er, an einem Geldauto­maten in Landsberg mit den Bankkarten Bargeld abzuheben, was aber misslang. So kam zur Anklage wegen Diebstahls auch noch eine weitere wegen versuchten Computerbetrugs hinzu.

Den Schmuck verkaufte der Vater einer Tochter für 550 Euro – was nicht annähernd dem tatsächlichen Wert entsprach. Die Versicherung zahlte für die teilweise unersetzlichen Stücke über 20.000 Euro an die Bestohlene aus. Der Schmuck stammte aus der Goldschmiedewerkstatt der 75-Jährigen – und genau das war der Grund, warum die 67-Jährige so viele Stücke nach St. Ottilien mitgenommen hatte. Sie wollte den Schmuck dort tragen, um Werbung für ihre Bekannte machen.

"Traumtänzer"

Geschnappt wurde der Dieb, weil er DNA-Spuren hinterlassen hatte. Mit 19 Vorstrafen war er ein alter Bekannter für Polizei und Justiz. Von seinen 41 Lebensjahren hat er 18 im Gefängnis verbracht. Eine psychiatrische Gutachterin beschrieb ihn in der Verhandlung als strukturlos. „Er ist ein Traumtänzer.“ Der 41-Jährige wuchs in einem von Gewalt, Drogen und Prostitution geprägten Milieu auf und wurde früh auffällig. Er hat keinen Schulabschluss, keine Berufsausbildung und bis auf Gelegenheitsjobs noch nie eine Arbeit gehabt. Drogen nimmt er seit seinem elften Lebensjahr, vier Therapien brach er ab.

Richter Alexander Kessler und die Schöffen glaubten ihm nicht, dass er eine erneute Therapie durchhalten würde. Den Antrag von Verteidiger Hansjörg Schmid auf Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus lehnte das Gericht deshalb ab. Für Staatsanwältin Yvonne Möller wogen die Diebstähle in St. Ottilien besonders schwer, weil das Kloster ein Ort des Friedens und der Ruhe sei und niemand damit rechne, dort bestohlen zu werden. Sie forderte, den 41-Jährigen für drei Jahre ins Gefängnis zu stecken.

Das Urteil lautete auf zweieinhalb Jahre Haft. Außerdem muss der Verurteilte die Kosten des Verfahrens tragen und 22.000 Euro Wertersatz leisten. Das dürfte Theorie bleiben – er hat nach eigenen Angaben bereits 60.000 Euro Schulden.
Ulrike Osman

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