Haftstrafe fürs Onanieren

Für eineinhalb Jahre muss ein 65-Jähriger aus Landsberg hinter Gitter, weil er vor den Augen eines sechsjährigen Mädchens onaniert hat. Bewährung gibt es nicht. Das harte Urteil hat der Rentner zum Teil seiner Weigerung zu verdanken, die Tat zuzugeben. Dies, obwohl ihn Richter Alexander Kessler schon zu Beginn der Verhand­lung am Amtsgericht Landsberg darauf hinwies, dass ein Geständnis zu einer milderen Strafe führen würde. „Sie würden dem Kind die Aussage ersparen“, so Kessler. „Ansonsten hört der Spaß endgültig auf.“

Schon nach Aktenlage hatte das Gericht kaum Zweifel an der Aussage der heute Achtjährigen. Und ihre rund 40-minütige Vernehmung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt­fand, bestätigte den Eindruck. Auch eine Sachverständige bezeichnete die Schülerin als absolut glaubwürdig. Das Mädchen war öfter bei dem Angeklagten und seiner Familie zu Besuch – mit und ohne Eltern. Die Familien waren gut befreundet, Frau und Tochter des Angeklagten passten gern gelegentlich auf die Kleine auf. An einem Nachmittag im Mai vergangenen Jahres war sie mit dem 65-Jährigen, der zu Hause gern in der Unterhose herumlief, allein im Wohnzimmer. Sie schaute fern, er saß am Computer. Plötzlich, so das Mädchen, habe der Mann die Unterhose heruntergezogen, einen Eimer vor sich hingestellt und onaniert. Anschließend fragte er sie, ob sie „das auch mal probieren“ wolle. Gerade die detaillierte Beschreibung des Vorgangs sprach für die Glaubwürdigkeit des Kindes. Wäre die Sechsjährige überhaupt in der Lage gewesen, sich so etwas auszudenken? Diese Frage sollte die an­schließende Vernehmung ihrer Eltern klären. Nein, sagten beide übereinstimmend. Die Mutter erklärte, sie würde darauf achten, dass ihre Tochter keine freizügigen Fernsehprogramme sehe und bei erotischen Szenen sofort um­schalten. Tatsächlich kam der ganze Vorfall erst viel später zutage, als es wieder einmal darum ging, dass das Mädchen nach 20 Uhr nicht mehr fernsehen sollte. „Ich weiß eh schon alles“, eröffnete das Kind der erschrockenen Mutter. „Ich habe ihr sofort geglaubt“, so die 41-Jährige. Nicht einmal den eigenen Vater habe die Kleine je nackt gesehen. Der Vater, der von Frau und Tochter getrennt lebt, gab zwar zu, einige Pornofilme zu besitzen „wie jeder Mann“. Die seien aber so untergebracht, dass sie seiner Tochter nicht in die Hände fallen könnten. Nachdem die Geschichte herausgekommen war, konfrontierte der Vater die Ehefrau des Angeklagten mit den Vorwürfen, und die rief die Polizei – nicht etwa, weil sie die Anschuldigungen glaubte, sondern weil sie ein Komplott vermutete. Von der Unschuld ihres Mannes sei sie „100000-prozentig“ überzeugt, erklärte die 53-Jährige vor Gericht. Auch der Angeklagte behauptete, die Mutter des Mädchens wolle mit der Geschichte seine Familie „vernichten“. Angeblich, weil seine Frau versucht habe, zwischen den zerstrittenen Eheleuten zu vermitteln. Diese Darstellung konnte das Gericht nicht überzeugen. Sexueller Missbrauch Mit dem Urteil von eineinhalb Jahren Haft blieb Richter Kessler nur wenig unter dem Antrag von Staatsanwalt Lars Baumann, der ein Jahr und neun Monate gefordert hatte. Verteidigerin Anita Trautwein plädierte auf Freispruch, weil sie die Vorwürfe nicht für erwiesen hielt. Wegen des schwerwie­gen­den Tatvorwurfs – sexuelle Handlungen vor Kindern sind strafbar als sexueller Missbrauch – setzte das Gericht die Strafe nicht zur Bewährung aus.

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