Wenn der Tiger dirigiert

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„hailix bLECHle“-Dirigent Hans-Günter Schwanzer (als Tiger) und sein „Blech“ verbreiteten beim Faschingskonzert im Stadttheater gute Laune mit abwechslungsreichem Programm.

Landsberg – 19 junge Blechbläser und ihr Dirigent – und zum 19. Mal läutete „hailix bLECHle“ traditionell den Fasching mit ihrem temporeichen Konzert im vollbesetzten Stadttheater ein. Rock, Marsch, Pop und Polka präsentierte die Band aus „Stadtjugendkapellnern“ mit guter Laune und viel Humor. Während die erste Hälfte des Konzerts in klassischen Anzügen über die Bühne ging, wurde es nach der Pause tierisch: Panda, Giraffe, Elefant und Co. griffen zum Blech. Und dirigiert wurden sie natürlich: vom Tiger.

Die Musiker betreten die Bühne, zücken die Instrumente, sind einsatzbereit. Jetzt fehlt nur noch der Dirigent. Der betritt mit schwarzem Umhang und Darth-Vader-Maske die Bühne, hebt den Taktstock und schon klatscht der Saal zum Charleston-Rhythmus von „Cantina Band“. Zur Erklärung: Das Stück ist in Star Wars Episode IV zu hören, gespielt von einer vierköpfigen Alien-Band. Hans-Günter Schwanzer liebt die Bühne und hat das Publikum gleich auf seiner Seite. Da darf er auch ein bisschen seiner Laune aufgrund dem jüngsten Zusammenlegungschaos Luft machen und „alle Bürgermeister sowie diejenigen, die ihre Karten bezahlt haben,“ begrüßen. Die Bürgermeister sind natürlich gerade auf der Parallelveranstaltung, der Stadtratssitzung.

Das Programm ist bunt gemischt: Ein österreichischer Marsch wird von einer Duke Ellington Bigband-Nummer abgelöst, „Blue Moon“ sorgt für den romantischen Touch, bevor der schwungvolle Radetzky-Marsch zu hören ist. Den dirigiert Schwanzer nicht selbst, „nach einer Dreiviertelstunde schmerzt die Schulter“, aber er habe irgendwo Kreisrat Norbert Kreuzer gesehen. Der dann auch brav die Bühne betritt und den Stab in die Hand nimmt. „Ein bisschen Widerwillen gegen dich als Dirigent haben wir schon“, scherzt Schwanzer. Denn Kreuzer ist Klarinettist – „und Holz hat bei hailix bLECHle nichts zu suchen.“

Die Stimmung ist gut. Dafür sorgen auch die Soli der einzelnen Musiker. So zum Beispiel Markus Plum alias „Plumi“. Oder wie Schwanzer ihn vorstellt: „80 Kilo konzentriertes Testosteron, die Frauen nagen an ihm.“ Er meistert das schwere Trompeten-Solo in „Tico Tico“ mit Bravour. Oder Elias Steiner, einer der insgesamt sechs Posaunisten, mit seinem lässig-launischen Solo zu „Jumpin‘ at the Woodside“. Und natürlich Schlagzeuger Leon Dorn, der „den Laden zusammenhält“ und in seinem Solo auch musikalisch zum Tier wird. Schwanzer stellt jedes Bandmitglied persönlich vor. Da ist der eine zum vierten Mal Vater, der andere gerade Berufsschullehrer geworden, der dritte ist im Schützenverein in Bern. Er kennt seine Musiker gut, da darf er auch mal über deren Heimatdörfer ohne Telefon und WLAN frotzeln.

Die Stärke des Ensembles liegt bei Pop und Rock, bei Musik, die die Musiker zumindest noch als Remix kennen. Man hört, dass sie sich den Stevie-Wonder-Song „Pastime Paradise“ gewünscht haben. Da stimmt alles, die Einsätze kommen, die Töne stehen. Insgesamt passen die Arrangements. Denn auch den eigentlich von vier Mandolinen gespielten langsamen Einschub bei „Tico Tico“ bekommen Schwanzer und Crew locker mit dem Blech hin. Die Zugaben von Wham!, Bon Jovi und Deep Purple’s „Smoke on the Water“ machen richtig gute Laune. Da steht das Publikum und klatscht begeistert mit – auch wenn Schwanzer mit seiner animierenden „Standing Ovations“-Tafel nachhilft.

Der Dirigent versteht es, gute Laune zu verbreiten. Er erzählt Witze (Slogan eines Schützenvereins: „Lernen Sie schießen und treffen Sie Freunde“), deklariert grinsend den evangelischen Kirchentag zur „Kirmes des falschen Glaubens“ und behauptet von sich, er sei „ja eigentlich ein ganz bescheidener Mensch“. Was ein Zuschauer mit „Der war gut!“ quittiert. Aber man merkt, dass er hinter seinen Musikern steht. Und ganz offensichtlich stehen die auch hinter ihm.

Susanne Greiner

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