Harfe & Saxophon:

Sonnentempel und Tango

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Maura Knierim aus Stoffen und Ferenc Takács studieren beide klassische Musik in Wien. Mit Saxophon und Harfe luden sie die Zuhörer auf eine Reise um die Welt.

Landsberg – Ferenc Takács hat es gut: Sein Saxophon passt in einen handlichen Koffer. Maura Knierims dreieckiges Instrument überragt die aus Stoffen stammende Harfenistin bei Weitem. Erst einmal zur Seite wuchten, damit die Türe zum Gemeindesaal der Christuskirche aufgeht. Ein Konzert mit Harfe und Saxophon? Ja, das passt. Sogar sehr gut. Die beiden Musiker entführten am Sonntagvormittag gut 50 Zuhörer auf eine Reise von Ungarn bis nach Spanien.

„Ein kleines sommerliches Konzert“ kündigt Kantorin der Christuskirche Cornelia Meyer an. Dem wird das Programm von Knierim und Takács absolut gerecht. Von Bartoks Volksliedern aus Ungarn geht es zu Fritz Kreisler, dem Wundergeiger aus Wien. „Einen liebenden und leidenden Wiener Walzer“ verspricht Knierim – ein Wechselspiel zwischen Dur und Moll. Kreisler selbst hatte die französische Staatsbürgerschaft. Und so folgen ihm die zwei Musiker nach Frankreich.

„Après un rêve“ heißt das Stück Gabriel Faurés. Der Pro­tagonist sieht seine Liebste, die jedoch nicht mehr bei ihm ist. Weshalb er um weitere Träume fleht: „Oh Nacht, gib mir meine Trugbilder zurück.“ Romantik pur. Das Leiden zwischen Traum und Realität, was die zarte Harfe und das klare Saxophon perfekt vertonen. Ein Harfensolo zeigt Knierim mit dem Komponisten Marcel Tournier. Der war selbst Harfenspieler. Und das hört man: „Am Fuße des Sonnentempels“ und „Lolita die Tänzerin“ lassen die Harfe glänzen. Ein flirrender Lauf, orientalisch angehauchte Stimmungen, Akkorde in piano und forte: beeindruckend, was in den 47 Saiten einer Harfe steckt.

Die 23-jährige Knierim erhielt 2011 den Kulturförderpreis des Landkreises, bevor sie nach Paris ging. Seit Ende letzten Jahres studiert sie in Wien – wie auch der 21-jährige Takács. Ob er nicht Lust habe, mit nach Deutschland zu kommen und dort zu spielen, fragte sie ihn. Kurzerhand organisierte Meyer das Sommerkonzert: „Zu einer unüblichen Zeit, im August und 11 Uhr morgens, aber wir wollten das mal probieren.“ Es hat funktioniert.

Das Länderkonzert ist auch eine Zeitreise. Für sein Solo hat sich Takács den zeitgenössischen Komponisten Eugène Bozza ausgesucht. Der liedhaft singende Charakter des ersten Stückes dreht sich im zweiten Stück komplett zu rasend schnellen Legato-Läufen. Die meistert Takács mit Lässigkeit und Präzision, ohne dass der Ausdruck zu kurz kommen würde.

Von Frankreich führt die Reise über den Teich nach Argentinien. „Café 1930“ von Astor Piazzola scheint für die beiden komponiert zu sein. Knierim beschreibt ihn als „musikalisch reicher“, ruhiger als die früheren, feurig rhythmischen Versionen des Tangos. „Aber dafür ist er leidenschaftlicher.“ Das ursprünglich für ein Tango­orchester aus acht Musikern geschriebene Stück beginnt mit einem langsamen Harfensolo, in das das Saxophon ruhig einstimmt. Nur kurz flackert der bekannte Tangorhythmus auf, bevor wieder schwelgende Ruhe einkehrt. Man sieht die Tänzer förmlich in ihren Posen verharren, ein Innehalten, bevor der langsame Rhythmus wieder übernimmt. Mit Piazzola brillieren Knierim und Takács: ein exakt abgestimmtes Miteinander trifft auf musikalische Leidenschaft in einer grandiosen Komposition. Dem kann sogar das 12-Uhr-Läuten nichts anhaben. 

Susanne Greiner

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