"Harmlose Blödelei" mit Folgen

Der Fall hat im letzten Jahr für Schlagzeilen gesorgt: Drei Angestellte des Klausner-Sägewerks im Frauenwald traktieren über Wochen hinweg einen Lehrling. Schließlich sprühen sie ihm ein hochentzündliches Reinigungsmittel auf die Hose und setzen es in Flammen. Das Opfer landet mit erheblichen Verbrennungen an Gesäß und Beinen im Krankenhaus, die Täter werden noch am selben Tag fristlos ge­feuert. Jetzt standen sie vor dem Schöffengericht Landsberg.

Von den drei Angreifern fehlte einer wegen eines schweren Arbeitsunfalls. Ihm wird noch gesondert der Prozess gemacht. Die beiden anderen Männer, ein 23-Jähriger gebürtiger Geltendorfer und ein 27 Jahre alter Deutsch-Russe, versuchten, die Mobbing-Attacken gegen den damals 19-jährigen Lehrling als harmlose Blödeleien darzustellen; sie räumten die Vorwürfe aber ein. Demnach begann die Leidenszeit des Auszubildenden mit der Einführung der Kurzarbeit bei Klausner – ob aus Langeweile, Frust oder Herdentrieb, blieb offen. Jedenfalls wurde der Lehrling als Rangniedrigster in der Arbeitsgruppe immer wieder geschlagen, mit dem Besenstiel gestoßen und mit kaltem Wasser bespritzt. Auch das „Säckeln“, der brutale Griff in die Genitalien, war an der Tagesordnung. „Das ging jeden Tag so, nur manchmal war eine halbe Stunde nichts“, berichtete der Geschädigte, der als Nebenkläger auftrat. Am 7. Mai vergangenen Jahres kniete er mit dem Rücken zu seinen Kollegen vor einer Maschine. Der Geltendorfer sprühte ihn „aus Spaß“ von hinten mit stark brennbarem Reinigungsspray an. Sein 27-jähriger Kollege zog spontan ein Feuerzeug aus der Tasche und entzündete es „in der Nähe“ der Hose des Opfers. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es wirklich anfängt zu brennen und dass es so schlimm wird“, erklärte der schmächtige junge Mann reumütig. Der Lehrling erlitt Verbrennungen zweiten Grades am Gesäß und an den Beinen, lag fünf Tage in der Unfallklinik Murnau und war sechs Wochen krankgeschrieben. Zehn Prozent seiner Körperobefläche waren betroffen. Ob er Narben zurück­- behält, weiß er noch nicht. „Ich darf erst dieses Jahr wieder in die Sonne, da wird es sich zeigen“, erklärte er. Der 27-Jährige bemühte sich im Anschluss um Wiedergutmachung, zahlte 500 Euro Schmerzensgeld und bot dem Lehrling an, ihn nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus täglich zum Arzt zu fahren. Zeit genug hatte er, denn die Täter waren von Klausner fristlos entlassen worden. Der 23-Jährige hat inzwischen eine neue Stelle gefunden, der 27-Jährige ist noch immer arbeitslos. Mit dem Strafmaß blieb das Gericht erheblich unter dem Antrag von Staatsanwältin Katrin Prechtel, die für beide Täter drei Jahre Haft gefordert hatte. Der Vorsitzende Richter Dr. Wolfgang Daum und die Schöffen sprachen den Geltendorfer jedoch nur wegen der Schläge schuldig und nicht wegen der Feuer-Attacke. Er habe nicht mit dem Exzess seines Kollegen rechnen müssen, so Daum. Das Urteil lautete auf drei Monate mit Bewährung. Ein Jahr und fünf Monate Haft, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurden, erhielt der 27-Jährige. Ihm bescheinigte Dr. Daum „vollkommene Gedankenlosigkeit“. Beide Verurteilten müssen außerdem je 1000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen.

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