Rückenwind statt Gegenwind

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Bürgermeister Erwin Karg (vorne), dahinter Bernd Wust von der Rechtsanwaltskanzlei Kapellmann und Partner (rechts), Gerhard Schmid, geschäftsleitender Beamter bei der VG Fuchstal und Planer Robert Sing (Landsberg) bei dem Info-Abend.

Fuchstal – Im Gegensatz zu früheren Foren in Denklingen und Leeder ist der aktuelle Informationsabend zum Thema Windkraft harmonisch verlaufen. 160 Interessierte aus der Gemeinde, aber auch aus dem Lechrain und teils aus dem Allgäu kamen in die Fuchstalhalle, wo Planer Robert Sing vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Landsberg, Bürgermeister Erwin Karg sowie Dr. Bernd Wust aus der Münchner Rechtsanwälte-Kanzlei Kapellmann und Partner über den aktuellen Stand der Planung bei den vier geplanten Anlagen im Kingholz, über die Beteiligung der Gemeinde und der Bürger sowie über rechtliche Themen informierten.

Beim Forum in der Fuchstalhalle verspürten die Initiatoren Rückenwind, aber kaum Gegenwind. Obwohl die wenigen Windkraft-Gegner schon während der Veranstaltung den großen Saal verließen – ein Denklinger Bürger charakterisierte den Vortrag des Planers Dr. Robert Sing nachher als windige Spaß-Veranstaltung – saßen sie an diesem Abend doch am gleichen Tisch wie die Befürworter. Dies lag freilich daran, dass Leute aus beiden Lagern in der „Hexe“ in Denklingen einkehrten. 

Als die Befürworter nach dem zweieinhalbstündigen Info-Abend im Denklinger Lokal „einrückten“, nahmen sie am selben Tisch Platz, wo zuvor schon eine kleine Runde der Windkraft-Gegner saß, als die Veranstaltung noch im Gange war. Gut ein Dutzend Anfragen wurden an die Herren auf dem Podium gerichtet. Zu Wort meldeten sich nicht nur Fuchstaler, sondern auch Gäste aus dem Lechrain und bis aus Schwabbruck. 

Eines von vielen Themen – die Palette reichte vom Windertrag bis zur Klagemöglichkeit – war die Bürgerbeteiligung. Dazu erklärten Bürgermeister Karg bzw. Planer Sing, dass der Mindestanteil 5000 Euro betragen müsse. Zeichnungsbeginn sei Mitte Juli, also zu dem Zeitpunkt, zu dem die Gemeinde vom Landratsamt Landsberg die endgültige Genehmigung der vier Anlagen am Höhenzug westlich des Aschtals erwartet. Nach den Worten von Bürgermeister Karg gibt es bei der Vergabe von Anteilen eine zeitliche Staffelung. In den ersten zehn Tagen – also ungefähr in der zweiten Julihälfte – haben vorrangig Fuchstaler die Möglichkeit, in die Beteiligungsgesellschaft einzusteigen. Danach soll diese Option ebenfalls über zirka zehn Tage denjenigen eröffnet werden, die in Gemeinden der sogenannten Süd- allianz zu Hause sind, sprich auch Bürgern bzw. Kommunen bis Reichling, Vilgertshofen und Thaining. 

In einem dritten Zeitfenster werde dann das Zeichnen von Anteilen für Bürger aus anderen Gemeinden eröffnet. „Ich sag‘ Ihnen schon jetzt: Einige werden zu spät kommen“, antwortete Bürgermeister Karg auf eine Bemerkung aus dem Zuhörerkreis. Zwei Dutzend Anfragen seien schon da, ergänzte der Rathauschef. Das Zeichnungsende sei für Ende September vorgesehen. 

Der Bau der vier Windkraftanlagen kostet 21,3 Millionen Euro, erklärte Planer Robert Sing aus Landsberg. Beim Einspeisen der Windenergie ins Netz der LEW sei von gut zwei Millionen Euro Erlös pro Jahr auszugehen, wenn die Vergütung (die 2016 freilich jedes Quartal leicht zurückgeht) bei 8,58 Cent je Kilowattstunde liege. Der Berechnung liegt nach den Messungen von 5,9 Meter Windgeschwindigkeit pro Sekunde in der Nabenhöhe (149 Meter) ein Ertrag von gut 28 Millionen Kilowattstunden zugrunde, den die Firma RSC und der TÜV ähnlich ermittelt haben. Davon würden, so ergänzte Robert Sing, in einer „konservativen“ Kalkulation noch einmal 15 Prozent abgeschlagen. Die Betriebskosten bezifferte Planer Sing auf 600000 Euro pro Jahr. 

Bei dem Projekt mit den vier Windkraftanlagen soll die Eigenkapital-Quote bei 6,6 Millionen Euro liegen. Das ent- spricht 30,5 Prozent. Knapp 15 Millionen Euro werden über Darlehen finanziert. Die Gemeinde Fuchstal bringt sich mit knapp 50 Prozent in die Beteiligungsgesellschaft Bürgerwind Fuchstal GmbH, die ebenso wie die Betreiber GmbH nur wenige Stunden vor dem Informationsabend aus der Taufe gehoben wurde. Dabei wird die Gemeinde die 3,2 Millionen Euro, die sie in den Topf einbringt, wohl zu 100 Prozent auf dem Kapitalmarkt beschaffen. 

Beim Informationsabend war von 5,15 Prozent Rendite auf das Eigenkapital der Bürger die Rede. Vorgesehen ist eine jährliche Ausschüttung – beginnend mit fünf Prozent. Beim Betrieb der Windkraftanlagen wird von 20 Jahren Laufzeit ausgegangen. Letztlich erreiche ein Anleger über diesen Zeitraum 180 Prozent des eingesetzten Eigenkapitals. Beim Informationsabend gab Robert Sing einen Überblick dazu, was aktuell bzw. in den nächsten Monaten bei dem Vorhaben geschieht. Er erwähnte die Vertragsverhandlungen mit dem Hersteller der Windräder; Bestandteil ist auch ein Vollwartungsvertrag über 20 Jahre. Über Dienstbarkeiten sollen die Flächen für Wege und Kabel gesichert werden. 

Weitere Stichwörter sind ein Gutachten zum Baugrund sowie Ausschreibungen. Nach dem Erhalt der Genehmigung, die laut Bürgermeister Karg für Mitte Juli erwartet wird, geht es an das Einwerben des Eigenkapitals. Im August und September soll der Wegeausbau erfolgen, im September ist die Fällung der Bäume am Standort im Kingholz vorgesehen. Das Fundament wird im Oktober ausgegossen; der Turm der ersten Windkraftanlage soll ab Dezember hochgezogen werden.

Johannes Jais

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