Der Stand der Dinge

Hat die Fuchstalbahn eine Zukunft?

Nostalgische Fuchstalbahn alte rote Wagen
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Bleibt die Fuchstalbahn etwas für Nostalgiker? Die wenigen Fahrten mit dem Schienenbus waren in den letzten Jahren die einzigen, bei denen mehrere Passagiere an Bord waren.

Landsberg/Weilheim-Schongau - Was ist nötig für die Reaktivierung der Fuchstalbahn? Und wer soll das zahlen? Ein Überblick zum Stand der Dinge.

  • Beide Landkreise haben sich für eine Reaktivierung ausgesprochen
  • Dennoch mehren sich die kritischen Stimmen
  • Es geht vor allem um die Frage der Finanzierung

Beide betroffenen Landkreise haben sich Ende 2019 für die Reaktivierung ausgesprochen. Aber die kritischen Stimmen häufen sich, was die Befürworter mit „Unwissen und Falschinformationen“ begründen. Der Arbeitskreis Fuchstalbahn in der Umweltinitiative Pfaffenwinkel hat auch bei mehreren Landtagsabgeordneten angeklopft und bei einigen erfolgreich Überzeugungsarbeit geleistet. Sogar ein paar CSU-Abgeordnete haben sich als Fuchstalbahn-Fans geoutet. In der CSU-dominierten Staatsregierung überwiegt aber die Skepsis: Zum Leidwesen der Freien Wähler, die die Reaktivierung wünschen, präferieren die Christsozialen eine schnellere Busverbindung zwischen Schongau und Landsberg.

Denklingens Bürgermeister Andreas Braunegger meinte schon im Juli 2019, man sollte es vorab erstmal mit einem besseren Busverkehr probieren. Im Umweltausschuss des Kreistages sprach sich jüngst Landrat Thomas Eichinger dagegen aus, die notwendigen Maßnahmen auf der Strecke durch den Landkreis zu finanzieren. Klare Kante zeigt im Landkreis Weilheim-Schongau der Hohenfurcher Bürgermeister Guntram Vogelsgesang, der wegen der hohen Kosten keinen Sinn in einer Reaktivierung sieht.

Was ist nötig?

Es gilt eine Menge Hürden zu überwinden. Nach wie vor gelten die vier Kriterien, die nach Angaben des Bayerischen Verkehrsministerium erfüllt werden müssen:

1. Eine Prognose, die vom Freistaat Bayern anerkannt wird, ergibt, dass eine Nachfrage von mehr als 1.000 Reisenden pro Werktag zu erwarten ist.

2. Die Infrastruktur wird ohne Zuschuss des Freistaats in einen Zustand versetzt, der einen attraktiven Zugverkehr ermöglicht.

3. Ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) ist bereit, die Strecke und die Stationen dauerhaft zu betreiben und berechnet hierfür Infrastrukturkosten, die das Niveau vergleichbarer Infrastruktur der Deutschen Bahn nicht übersteigen.

4. Die ÖPNV-Aufgabenträger müssen sich vertraglich verpflichten, ein mit dem Freistaat Bayern abgestimmtes Buskonzept im Bereich der Reaktivierungsstrecke umzusetzen.

Damit die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) vom Freistaat mit der Erstellung einer Potentialprognose der Bahnstrecke beauftragt werden kann, ist obendrein ein Grundsatzbeschluss der betroffenen Gremien – also zum Beispiel des Kreistags – erforderlich, in dem diese vier Kriterien „vorbehaltlos anerkannt“ werden.

Was ist schon erfüllt?

Bis jetzt nichts. Zwar vermuten einige, dass die 1.000 Reisenden pro Werktag auf der Strecke zusammenkommen könnten. Eine vom Freistaat anerkannte Prognose gibt es aber noch nicht. Auch die Infrastruktur erfüllt bei Weitem nicht die Anforderungen für den Personenverkehr. Bahnhöfe und Haltestellen wurden seit der Stilllegung 1984 zurückgebaut, viele der insgesamt 36 Bahnübergänge zwischen Schongau und Landsberg müssten noch mit Schranken gesichert oder gänzlich zurückgebaut werden. Ein EIU, das die Strecke und ihre Stationen betreiben würde, ist nicht in Sicht. Das abgestimmte Buskonzept fehlt auch. Und vor all dem stünde erst die „vorbehaltslose Anerkennung“ der von der Staatsregierung genannten Kriterien, zu der sich die beiden Kreistage erst noch durchringen müssten. Weil damit aber auch Zusagen für die Übernahme noch unbekannter Kosten verbunden wäre, ist derzeit weder aus Weilheim noch Landsberg mit einer Zustimmung zu rechnen. Beide Landkreise haben sich bislang nur grundsätzlich für eine Reaktivierung der Bahnstrecke für den Personenverkehr auf der Strecke ausgesprochen.

Wer zahlt was?

Diese Frage wurde in der Vergangenheit gerne ausgeklammert, weil sie schlicht nicht seriös zu beantworten ist. Landrat Eichinger warnt vor den Kosten für die Ertüchtigung der Strecke und nennt zum Beispiel Unterbau, Oberleitungen und Bahnsteige, die neu errichtet werden müssten. Den beteiligten Bürgermeistern entlang der Strecke treiben die vielen Bahnübergänge die Sorgenfalten ins Gesicht. Die Kreuzungen müssten gesichert werden, für jeden einzelnen Bahnübergang müssten bis zu 600.000 Euro gezahlt werden, hieß es zuletzt. Zudem erwarte der Freistaat als Voraussetzung für eine Reaktivierung,dass „an den Stationen P+R-Anlagen, B+R-Anlagen und Verknüpfungen zum Bus gebaut und unterhalten werden“, antwortet ein Sprecher des Verkehrsministeriums auf Anfrage. Zwar gebe es seitens des Bundes eine Förderung von bis zu 90 Prozent der förderfähigen Kosten – was im Endeffekt aber nur auf gut die Hälfte der Gesamtkosten zutreffe. Den Restbetrag könne der Freistaat nicht aufbringen, „da dies die Kriterien für Reaktivierung ausschließen“.

Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman warnt vor einem vorzeitigen Aus für die Reaktivierungsbemühungen, sollte die Stadt dazu verdonnert werden, ein notwendiges neues elektronisches Stellwerk in Schongau finanzieren zu müssen. Für die Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik im Bahnhof Schongau sowie auf den angrenzenden Streckenabschnitten sind nach Angaben der BEG allein 20 Millionen Euro erforderlich. Diese müssten aber weder die Stadt Schongau noch der Landkreis Weilheim-Schongau tragen. Finanzieren müsste das „das Infrastrukturunternehmen, das die Reaktivierung betreibt“, erklärte die BEG auf Anfrage. Der Haken an der Sache: „Uns ist kein Infrastrukturunternehmen bekannt, das sich bereit erklärt hat, die Fuchstalbahn für den SPNV zu reaktivieren“, nennt eine BEG-Sprecherin das Problem.

„Wir sind in einer Phase der Konfusion“

Harald Baumann (Arbeitskreis Fuchstalbahn)

Dem tritt Harald Baumann vom Arbeitskreis Fuchstalbahn entschieden entgegen. „Wir sind in einer Phase der Konfusion“, bedauert er und führt das auch „auf ein Verhinderungssystem der Staatsregierung“ zurück. Zum Teil werde „Haarsträubendes behauptet“. Der Schongauer verweist unter anderem auf eine Novelle des Eisenbahnkreuzungsgesetzes. Demnach werden die Bürgermeister für die Ertüchtigung der Bahnübergänge nicht mehr zur Kasse gebeten: Seit März 2020 ist die bis dahin geltende Drittelregelung Geschichte. Die Straßenbaulastträger bleiben außen vor, die Bahn und der Bund tragen die Kosten gemeinschaftlich. „Das soll es Kommunen als Straßenbaulastträger erleichtern, Bahnübergänge aufzulassen oder umzubauen“, heißt es von der Bahn. Allerdings kommt vom Verkehrsministerium eine Einschränkung: „Nach wie vor kommen auf die Kommunen Kosten zu, wenn es sich um eine Maßnahme handelt, bei der eine bereits bestehende Straßenüberführung modernisiert wird.“

Dass die DB die Kosten für die komplette Reaktivierung der Fuchstalbahn übernimmt, müssen sich die Beteiligten abschminken: „Die DB Netz AG als Eigentümerin ist nur für die Instandhaltung der vorhandenen Anlagen, nicht aber für einen Ausbau oder eine Modernisierung im Hinblick auf einen Linienbetrieb zuständig“, erklärt ein Sprecher.

In den vergangenen Jahren zählte die Fuchstalbahn eher zu den Stiefkindern der DB. Nicht nur einmal war gemunkelt worden, dass sie sie lieber heute als morgen loswerden würde. Sogar das Damoklesschwert der Stilllegung schwebte über der nur noch vom Güterverkehr genutzten Strecke. Sollte jetzt tatsächlich der Personenverkehr wieder angeschoben werden, müsste dafür die Staatsregierung das Geld einsammeln: „Auf Grundlage des ermittelten Sanierungs- und Nachrüstbedarfes und der dafür geschätzten Kosten entscheidet der Freistaat, ob dafür ausreichend Finanzmittel zur Verfügung stehen“, heißt es von der Bahn, die die Planung und Realisierung ausführen würde.

Wie geht es weiter?

Alle warten auf das Eckpunktepapier von Verkehrsingenieur Andreas Holzhey, dem die Bahnhofsgebäude in Schongau und Landsberg gehören. Das Papier soll einen Kostenrahmen für die Reaktivierung nennen und Zuschussmöglichkeiten aufzeigen. Es dürfte auch die von Harald Baumann genannten Novellierungen der Bahngesetze näher beleuchten.

Die Grünen im Bayerischen Landtag setzen zudem auf eine pfiffige PR-Aktion. Sie haben noch für diesen Herbst eine Sonderfahrt mit einem modernen Personenzug auf der Strecke der Fuchstalbahn angekündigt, um für die Reaktivierung der Bahnstrecke zu werben. Doch sogar hier gibt es noch eine Unbekannte: Ob und wie der Zug in Schongau einen Halt einlegen kann, ist eine weitere ungeklärte Frage. Der dafür erforderliche Bahnsteig am Gleis 4 wurde jüngst im Zuge des barrierefreien Ausbaus des Bahnhofs zurückgebaut.
Jörg von Rohland/sug

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