Aus Haupt- wird Mittelschule

Landkreisschülersprecherin Anna Schneider (2. v. li.) freute sich gemeinsam mit den Schülervertretern der neun neuen Mittelschulen über die Ernennungsurkunden. Foto: Peters

Es war eigentlich nur eine Formalie, doch das staatliche Schulamt ließ es sich nicht nehmen, sie mit einem eigenen Festakt zu begehen. Und so waren in der vergangenen Woche die Schulleiter aller neun Hauptschulen des Landkreises Landsberg brav der Einladung ins Landratsamt gefolgt, um höchst offiziell die Ernennungsurkunden zur Mittelschule in Empfang zu nehmen.

Mit der Einführung der Mittelschulen zu diesem Schuljahr sei „ein langwieriger Prozess“ zu Ende gegangen, stellte Schulamtsdirektor Konrad Lemnitzer zu Beginn der Veranstaltung fest. Besonders die seit Jahren rückläufige Schülerzahl an den Hauptschulen und die immer weiter steigenden Anforderungen im Beruf habe eine Weiterentwicklung der Schulform nötig gemacht. Voraussetzung für die Ernennung zur Mittelschule ist laut dem bayerischen Kultusministerium, dass eine Hauptschule die drei berufsorientierten Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales anbietet, sowie über ein Ganztagesangebot und die Möglichkeit, den mittleren Schulabschluss zu erlangen, verfügt. Das Konzept verlangt zudem eine enge Kooperation mit einer Berufsschule, der regionalen Wirtschaft und der Arbeitsagentur. Schulen, die die Anforderungen alleine nicht stemmen können, können sich zu Schulverbünden zusammenschließen. Im Landkreis haben so die Carl-Orff-Hauptschule in Dießen, die mit den Hauptschulen Utting und Windach kooperiert, die Hauptschulen Fuchstal und Rott, sowie die Hauptschulen Kaufering und Weil, die Kriterien der Mittelschule erfüllt. Die Fritz-Beck-Hauptschule und die Hauptschule am Schlossberg in Landsberg kommen ohne Kooperationen aus. Große Konkurrenz Viele Gespräche seien mit den Schulen im Vorfeld nötig gewesen, sagte Lemnitzer, doch jetzt habe man „Strukturen geschaffen, die mittelfristig Planungssicherheit geben.“ Auch Landrat Walter Eichner lobte die gute Zusammenarbeit der Beteiligten, vergaß aber nicht, auch ein paar kritische Worte anzufügen. So sei die Konkurrenz für die Mittelschulen groß, wie der Landrat am Beispiel rasant steigender Schülerzahlen an Realschulen und Gymnasien im Landkreis verdeutlichte. Allein an den letztgenannten Bildungseinrichtungen sei die Zahl in den letzten sechs Jahren um 50 Prozent gestiegen, bei den Realschulen liege die Steigerungsrate bei 33 Prozent. Der leitende Regierungsschuldirektor Hans Bergmüller, der die offiziellen Ernennungsurkunden gemeinsam mit Landrat Walter Eichner verlieh, nahm in seiner Rede die neuen Mittelschulen in die Pflicht. „Die Schulen selbst müssen nun die inhaltliche und qualitative Weiterentwicklung vorantreiben“, forderte Bergmüller. Denn nur wenn die Schüler auf dem Stellenmarkt überzeugen, überzeuge auch die Mittelschule. Natürlich sparte auch der leitende Regierungsschuldirektor angesichts der Feierstunde nicht mit Lob. So hätten nur wenige Landkreise in Bayern das geschafft, was man im Landkreis Landsberg erreicht habe, nämlich alle vorhandenen neun Hauptschulen in Mittelschulen zu verwandeln. Mensch im Mittelpunkt Schulrat Rudolf Schönauer nutzte anschließend sein Schlusswort, um daran zu erinnern, den Wert des Einzelnen in all den Debatten um die Zukunft der Bildung nicht aus den Augen zu verlieren: „Wir bauen unsere Gesellschaft nicht aus Abschlüssen sondern aus Menschen. Es sind daher auch die Schüler der Mittelschulen, die helfen, unseren Wohlstand zu sichern.“

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