Archäologen am Hauptplatz

Keine Zukunft für das Alte Rathaus

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Bis zu zehn Archbau-Mitarbeiter beschäftigen sich derzeit mit der Freilegung und Dokumentation der Überrestes des Alten Rathauses. Diese müssen allerdings demnächst der Brunnenstube weichen.

Landsberg – Es wird gegraben, vermessen und dokumentiert: Die Archäologen der Firma Archbau sind weiterhin mit den Fundamenten des historischen Landsberger Rathauses beschäftigt. Doch auch andere Phänomene gibt es beim Umbau des Hauptplatzes zu bestaunen. Der KREISBOTE fragte bei der Stadt nach.

• Archäologische Funde: Dass man auf die Überreste des Alten Rathauses gestoßen ist, sei „sehr überraschend“ gewesen, gibt Pressesprecherin Simone Loderer die Auskunft aus dem Tiefbauamt wieder. 1972 bis 1974 waren letztmals größere Arbeiten am Hauptplatz durchgeführt worden, unter anderem wurde die damalige B12 neu gebaut. Dass sich die Fundamente jetzt nicht einmal einen Meter unter der Asphaltschicht aus den 70er-Jahren fanden, hatte man daher nicht erwartet. „Dieses Fundament musste aufgrund der Höhenlage damals schon zu sehen sein“, heißt es von der Stadt. „Es wurde aber nicht registriert.“

Allerdings wurde die Lage des ersten Landsberger Rathauses auf den wenigen relevanten Plänen durchaus südlich des Brunnens vermutet, weshalb es für einige Beobachter einigermaßen überraschend kam, dass genau dort überhaupt gegraben wurde. Der Grund dafür liegt in der Verlegung der „Brunnenstube“, in der die Tech­nik für den Marienbrunnen eingebaut werden soll.

Die ursprüngliche Stube hatte man mit der Fußgängerunterführung abgerissen, der neue Raum sollte zunächst östlich des Brunnens gebaut werden. Dass er jetzt nach Süden verlegt werden musste, hat nach Auskunft der Stadt nichts damit zu tun, dass zwischen Fahrbahn und Brunnen durch die inzwischen veränderte Kurvenführung kein Platz mehr ist: „Die Fahrbahn wurde nicht verlegt.“ Vielmehr habe man bei Erkundungsbohrungen „Schichtwasser" im Osten des Platzes fest­gestellt und deshalb umplanen müssen. 

Nach offizieller Lesart halten sich die Folgen für den Umbau aber bisher noch in überschaubaren Grenzen. Zwischen sechs und zehn Mitarbeiter der Firma Archbau sind momentan auf der Baustelle beschäftigt. Die Funde hätten „nach derzeitigem Stand“ den Baufortschritt um rund eine Woche verzögert, die Dokumentation werde „min­destens 10000 Euro“ kosten.

Eine Zukunft hat die Landsberger Vergangenheit an dieser Stelle übrigens nicht: Sobald sie von den Archäologen freigegeben werden, sollen die Fundamente zugunsten der neuen Brunnenstube „entfernt“ werden.

• Pflasterung: Die von einigen Anwohnern geäußerte Kritik, die Pflasterfirma würde nicht genug Arbeitseinsatz zeigen, weist man bei der Stadt zurück. Durch das extrem schlechte Wetter bis Ostern sei die Baufirma vielmehr bei den Vorarbeiten in Verzug geraten, da­- durch sei auch zu erklären, wenn die Pflasterer die Baustelle verließen. Dass in den letzten Wochen regelmäßig nur bis Donnerstag Mittag gearbeitet wurde, will man so ebenfalls nicht stehenlassen. „Wenn die Pflasterer am Donnerstag Abend die Baustelle verlassen haben, ist dies durch den Betrieb zu begründen“, gibt Simone Loderer weiter. „Selbstverständlich ist die Firma verpflichtet, auch Freitags, wenn notwendig sogar Samstags zu arbeiten.“ Dementsprechend gebe es im Moment „keine Verzögerungen im Bereich der Pflasterung“.

Gefälle- und barrierefrei

• Hauseingänge: Je mehr sich die Pflasterarbeiten fortsetzen, desto mehr staunen die Passanten über die neuen Hauseingänge auf der Ostseite des Platzes. Diese wurden an mehreren Häusern gefällefrei gestaltet – ein Novum an dieser Stelle. Für das Bauamt hat sich die Situation trotz des jetzt wellenartigen Oberflächenverlaufs damit deutlich verbessert: Beim Zugang zum O-Café habe man die Stufenhöhe von „bis zu 37 Zentimetern“ durch die Anpassung des Pflasters deutlich verringert, ebenso bei der Spar­kasse. Vor dem Fotogeschäft habe man dem Wunsch des Inhabers entsprochen und die Stufe von zwölf auf fünf Zentimeter reduziert, die nun von Ladenseite her ebenfalls noch eingeebnet werden, so dass ein barrierefreier Zugang entstehe.

Die Liste der Änderungen bei den Hauseingängen sei auch deshalb „lang“, so die Verwaltung, weil der Hauptplatz auch unter dem Motto „barrierefrei“ umgebaut wurde. Man sehe es als Aufgabe, „dies auch bei den Hauseingängen entsprechend umzusetzen. Dies führt natürlich zu einem deutlichen Gefällewechsel bei einigen Gebäu­den. Eines steht damit ebenfalls schon fest: Über die neue Topologie des Hauptplatzes freuen sich auch die Skater.

Christoph Kruse

Graben, vermessen, dokumentieren

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