Ein Hauptplatz mit Hindernissen

Absolute Gleichberechtigung soll es auf dem Hauptplatz nach dessen Umbau geben, ein einträchtiges Mit- und Nebeneinander von Fußgängern, Fahrrädern und Kraftfahrzeugen. Tempo 20 ist in dem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich künftig angesagt, wobei es auf dem neuen, einheitlichen Platz mit einem kon­tinuierlichen Gefälle keine Parkplätze mehr gehen soll. Seit Donnerstag sind die Lösungsvorschläge der drei Architekturbü­ros im Eingang des Historischen Rathauses zu sehen.

Unmittelbar vor der „Vernissage“ lobte Prof. Joachim Vossen einmal mehr das „sehr offene, sachliche und neutrale“ Ver­- fahren. Jetzt sei es am Bürger, die Vorschläge möglichst frei und unbeeinflusst zu bewerten. Dazu wird Ende dieser Woche eine umfangreiche Broschüre in­klusive eines 12-Fragen-Kataloges an alle Lechstädter im Alter über 16 Jahren verschickt. „Intensiv“, so der das Verfahren betreuende Architekt Walter Landherr, hätten sich die drei Büros mit der Aufgabe auseinander gesetzt. Zwei davon, nämlich „lohrer.hochrein“ aus München sowie die Gemeinschaft „ArchitektenGrundRiss“ aus Landsberg und „Valentien+Valentien“ aus Wessling, wollen die nach wie vor in beide Richtungen befahrbare Straße auf die Ostseite des Hauptplatzes verlegen. Das hat eine recht enge Kurve am Schmalztor zur Folge. Lediglich „ST raum a“ aus Berlin belässt es bei der jetzigen Straßenfüh­rung auf der Westseite. Unangetastet bleibt bei allen drei Vorschlägen der Ma­rien­brunnen. Und auf die jeweils gleiche Weise wird die vom Bürger geforderte Reduzierung des Durchgangsverkehrs gelöst: es muss unattraktiv sein, auf dem Weg von Ost nach West oder umgekehrt über den Hauptplatz zu fahren. Tempo 20 und Gleichberechtigung aller Platznutzer ist ein probates Mittel, das Streichen der Parkplätze ein weiteres. „Damit gibt es keinen Parksuchverkehr mehr“, erläuterte Landbrecht den Mitgliedern des Stadtrats. Als verkehrs­be­ruhi­gendes Element sei nach Ansicht Prof. Vossens auch ein auf der Fahrbahn haltender Bus anzusehen. Aus diesem Grund verzichten alle drei Büros auf Busbuchten. Was postwendend die Frage nach den Schulbussen aufwarf. „Das können die Architekten nicht lösen“, sagte Vossen. Ein klares Signal also an den Stadtrat, der in dieser nicht unproblematischen Frage baldmöglichst eine Entscheidung finden sollte. „Ein neuer Platz kann die Verkehrsproblematik in Landsberg nicht lösen“, schrieb der Professor den Ratsmitgliedern ins Hausaufgabenbuch. Umbauentwurf 1 der „Arge Valentien&Valentien mit ArchitektenGrundRiss“ sieht die Fahr­bahn auf der Ostseite und einen großen Platz im Westen vor. Besonderheit hier ist zwischen Rathaus und Marienbrunnen eine Treppenanlage mit Sitzstufen. Nur noch fünf Behinderten- und Kurzparkplätze, Kiss&Ride-Plätze, sind vorgesehen, die Taxistände werden in die Herzog-Ernst-Straße verlegt. Fahrradfahrer dürfen sich freuen, da sie mit 96 Stellplätzen bedacht werden. Die Fußgängerunter­füh­rung am Schmalztor wollen die Architekten auf der Südseite schließen und dann zu einer Wein- oder Café-Bar umnutzen. Drei Linden, eine am Schmalztor, eine gegenüber der Volksbank und eine vor der Sing- und Musikschule sollen den Platz be­grünen. Umbauentwurf 2 aus der Feder der Landschaftsarchitekten „lohrer.hochrein“ sieht ebenfalls die Straßenführung auf der Ostseite vor. Die Fußgängerunterführung verschwindet komplett. Südlich des Marienbrunnens gibt es eine Gruppe von vier Linden, eine weitere steht auf dem Leonhardiplatz. Acht Kurz- und vier Behindertenpark­plätze auf beiden Straßenseiten sind vorgesehen sowie vier zentral gelegene Taxi­stände. Die Möblierung konzentriert sich auf abgesetzte Streifen vor dem Gehbereich entlang der Geschäfte. Insgesamt 64 Fahrradabstellplätze sind in Gruppen über den Platz verteilt. Auch Umbauentwurf 3 des Berliner Büros „ST raum a“ verzichtet auf die Fußgängerunterführung. Nach Ansicht von Walter Landbrecht wird bei diesem Vorschlag die Durchgängigkeit des Platzes „etwas auf die Spitze“ getrieben. Die Fahrbahn auf der Westseite ist lediglich mit Natursteinpollern markiert. Es gibt nur noch zwei Behinder­ten­parkplätze und zwei Taxistände im Norden, dezentral können 78 Fahrräder platziert werden. Weitere Besonderheit dieses Lösungsvorschlages sind die auf dem gesamten Platz verteilten Spiel­ele­mente und Kunst­objekte. Alle drei Büros wählen Granitpflaster in unterschiedlichen Strukturen und Größen als Beläge für Straße und Platz.

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