Auf dem Hauptplatz schlägt’s gleich 13

Böse Zungen behaupten, der Hauptplatzumbau sei bereits erfolgt – ganz im Stillen, ohne dass die Öffentlichkeit Wind davon bekommen hätte. Die Stadt belegt das auf ihrer Info­bro­- schüre „Der Hauptplatz – Bewerten Sie!“ exakt 22481 Mal. An so viele Landsberger Bürger über 16 Jahren ist das Heft mit Fragenkatalog verschickt worden – auf der Rückseite mit einer spiegel­ver­kehrten Hauptplatzansicht.

Kein Wunder, dass nicht wenige Lechstädter das mit großem Aufwand erstellte Papier mit einem hämischen Grinsen in den Händen halten. Derweil bemü­hen sich die Stadtoberen und die Begleiter des Hauptplatzver­fahrens um Schadensbegrenzung. „Das Bild auf der Rückseite hat für den Inhalt nur inso­weit Bedeutung, als es atmosphärisch unsere schöne Stadt darstellen sollte“, sagt Oberbürgermeister Ingo Lehmann auf Anfrage des KREISBOTEN. Trotz der Schlussredaktion sei das spiegelverkehrte Hauptplatzbild – offensichtlich ein Fehler der beauftragten Werbe­agen­tur – übersehen worden. Man habe sich sehr intensiv darauf konzentriert, dass die „textliche und sonstige Darstellung“ korrekt ist. Lehmann: „Insofern wird durch den ärgerlichen Fehler der Inhalt der Broschüre nicht geschmälert.“ Bemerkt worden sei er erst nach dem Versand der 22481 Broschüren. Einige Bürger haben sich darüber be­schwert. Wichtig ist, betont Lehmann , dass die sachlichen Informationen in der Broschüre korrekt sind. Doch auch da wird bereits Kritik laut. So werde etwa in der Beschreibung von Entwurf 1 der „Arge Valentin&Valentin mit Architekten GrundRiss“ das Tempolimit auf 40 km/h begrenzt, zudem sind zwei Bushaltestellen in eigens dafür ausgewiesenen Buchten vorgesehen. Dies widerspricht den Aussagen der beiden Verfahrens­be­treuer, Architekt Walter Landbrecht und Prof. Vossen. Auf der Präsentation der Entwürfe im Stadtrat hatten sie ausdrücklich ausgeführt, dass alle drei Vorschläge von einem „verkehrsbe­ruhigten Geschäfts­bereich“ mit Tempo 20 und einem Verzicht auf Busbuchten ausgingen. Nur noch heute Nur noch heute haben Lechstädter über 16 Jahre die Möglichkeit, den Bewertungsbogen zum Hauptplatzverfahren abzugeben – im Bürgerbüro, im Historischen Rathaus oder per Post. OB Lehmann rechnet mit einem „vergleichsweise hohen Rücklauf.“ Unmittelbar nach dem Versand der Broschüre habe er zahlreiche Reaktionen von Bürgern bekommen, die es sehr gut fanden wie der Diskussionsprozess ablaufe. Lehmann: „Jedem ist eigentlich klar, dass es Unsinn wäre, den Hauptplatz für Wasser und Kanal aufzureißen und dann genauso zuzubauen, wie er jetzt ist.“ ödp fordert Tempo 10 und Einbahnstraße Klare Position für einen raschen Hauptplatzumbau nach dem Entwurf 3 der Berliner Landschaftsarchitekten „STrauma“ hat Stadtrat Wolfgang Buttner für die ödp Landsberg bezogen. In einer Pres­se­erklärung geht der Energiereferent des Stadtrates noch zwei Schritte weiter: Einbahn­straße und Tempo 10. Nach Ansicht der ödp ist das Potenzial für eine Verkehrsreduzierung bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Es sei „völlig richtig“, alle Parkplätze vom Hauptplatz verschwinden zu lassen. Damit und mit der möglichen Sperrung der Salzgasse sowie der Herzog-Ernst-Straße könne man etwa 20 Prozent des motorisierten Verkehrs vom Platz bringen. Zudem müsse die Attraktivität für Autos gemindert und die für Radfahrer sowie Fußgänger erhöht werden. So schlägt Buttner zunächst ein Tempolimit von 10 km/h vor. In einem „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ sei das zwar möglich, erläutert Ordnungsamtschef Ernst Müller auf Anfrage des KREISBOTEN, in der Praxis aber kaum durchführbar. Müller rät zu Tempo 20, das sei der Standard in Deutschland. Weiterhin bringt Wolfgang Buttner die Einbahnregelung zur drastischen Verkehrsreduzierung auf dem Hauptplatz ins Gespräch. Das aber setze ein Gesamtverkehrskonzept unter „Einbeziehung des Hinterangers“ voraus – also die Ableitung des Ost-West-Verkehrs aus der Neuen Berg­straße in den Hinteranger. Da aber zieht Stadtbaumeisterin Annegret Michler die Handbremse ganz fest an: „Dies ist derzeit nicht beabsichtigt, da hierdurch eine merkliche Verkehrszusatzbelastung für den Hinteranger zu erwarten wäre.“ Die Entwürfe 1 und 2 miss­achten laut Buttner zwei voraus­gegangene Bürgerentscheide um die Fahrbahnverlegung nach Osten. „Es ist daher ein dritter zu befürchten.“

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