Erst mal die Bäume pflanzen

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In der Animation des Planungsbüros lohrer.hochrein fällt das Buswartehäuschen auf dem Hauptplatz noch deutlich „leichter“ aus als in der Realität, was laut Stadtbaumeister Annegret Michler vor allem an der Wahl des „Baumaterials“ liegt.

Landsberg – Das umstrittene Buswartehäuschen am Hauptplatz bleibt stehen – und zwar nicht nur vorläufig, wie von einigen Räten vorgeschlagen. „Ich möchte schon, dass der Beschluss endgültig formuliert wird“, forderte OB Mathias Neuner (CSU). Der Stadtrat folgte ihm mit 25:4 Stimmen. Dagegen votierten Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller (CSU) und die drei Räte der UBV.

Von letzteren kam auch weiterhin deutliche Kritik an dem Bauwerk. „Wenn man ums Klostereck kommt, dann sieht man den Marienbrunnen nicht mehr, da sieht man nur noch das Häuschen“, meinte etwa Christoph Jell, für den auch die Baukosten von 42250 Euro (davon voraussichtlich 27350 Euro Regierungszuschuss) kein Argument gegen einen Rückbau waren: „In Erpfting vor der Schule braucht man ein Häuschen, da kann man das wunderbar weiterverwenden.“ Während Jells Fraktionskollege Dr. Reinhard Steuer die Diskussion eher fatalistisch betrachtete („Wenn wir den Beschluss zum Rückbau nicht heute fassen, dann diskutieren wir in einem Jahr wieder und dann kommt's doch weg.“), berichtete Martha Borgmann, dass sie von vielen „alten Lands­bergern“ angesprochen worden sei. „Die Leute beschweren sich, dass der Platz völlig verschandelt worden ist.“ Das trug ihr scharfe Kritik von Bürgermeister Norbert Kreuzer ein: „Es gibt eben nicht nur gebürtige Landsberger, sondern auch zugezogene und das demokratische Ergebnis ist jetzt einmal zu akzeptieren.“

Das angesprochene Ergebnis war der Bürgerentscheid zum Hauptplatzumbau, bei dem mehrere Animationen präsentiert worden waren. Auch auf einer davon war ein Bushäuschen bereits enthalten, erinnerte Stadtbaumeisterin Anne­gret Michler. Dem Einwand einiger Räte, dass das Bauwerk auf dem Bild kaum sichtbar, weil komplett transparent war und jetzt wesentlich massiver ausgefallen ist, hielt Michler entgegen: „Wenn man keinen Stahl verwendet hätte, sondern nur Plexiglas, wären das sehr viel stärkere Scheiben geworden“, meinte sie, außerdem sei das ohnehin problematisch, „da müssen Sie dann Streifen hinmachen, damit keiner dagegenfährt.“ Insgesamt sei das Bauwerk nicht störend, „wenn man die Proportionen des Platzes betrachtet“.

Die große Mehrheit der Stadträte hatte sich inzwischen offenbar mit dem Häuschen angefreundet. Der Hauptplatz dürfe nach dem Umbau „kein Museum sein“, meinte Axel Flörke (Landsberger Mitte), „wenn wir das jetzt wegreißen, können wir das ganze gleich an den Obersten Rechnungshof schicken, damit der über den Schildbürgerstreich berichtet.“ Generell habe die Verwaltung für die „hervorragende Arbeit und Gestaltung“ beim Hauptplatzumbau ein „absolutes Lob verdient“, sagte Flörke unter dem Beifall der meisten Stadträte weiter.

Auch die SPD hatte sich mit dem status quo arrangiert. „Es mag schon sein, dass es manchem nicht gefällt, aber wir brauchen es und sollten es stehen lassen“, erklärte Dieter Völkel. Für die Grünen befand Jost Handtrack, dass sich das Bild im Vergleich zur ersten Animation durchaus verändert habe. „Da war das Häuschen zierlicher und die große Buskante war auch noch nicht da.“ Für einen Abriss plädierte er dennoch nicht: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es mit den Bäumen nicht mehr so auffällt.“

Auf die Aufstellung der vier Dachplatanen setzt auch Helmut Weber. „Jetzt stellen wir die Bäume hin und dann schauen wir’s uns erstmal an“, so der CSU-Fraktionschef. Er hatte zwischenzeitlich auch herausgefunden, dass der Stadtrat der Aufstellung des Bauwerks an dieser Stelle durchaus zugestimmt habe: „Etwas Vergesslichkeit muss auch den Mit­gliedern des Stadtrates zugestanden werden, wir haben das so beschlossen.“

"Nicht zustellen!"

Keine Freunde findet diese Lösung dagegen weiterhin beim Landesamt für Denkmalpflege und daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern. Auf Anfragen erklärte man in einer offiziellen Pressemitteilung noch einmal, dass man sich „immer gegen einen zugestellten Hauptplatz ausgesprochen“ habe. In einer früheren Stellungnahme gegenüber dem Bürgerforum Landsberg war Oberkonservatorin Dr. Susanne Fischer noch deutlicher geworden. Sie habe sich von Anfang an, „seit dem Wettbewerb“, gegen jede Art der Bepflanzung mit Bäumen ausgesprochen, so Fischer, und „in dieser Angelegenheit auch keine Kompromissmöglichkeit gesehen.“ Es handele sich beim Hauptplatz „um einen Stadtplatz, keinen Dorfanger“.

Verhindern konnte die Denkmalschützerin die Umsetzung der Planungen nach eigener Auskunft aber nicht: „Leider hat die Stadt die fachliche Auffassung des Landesamtes für Denkmalpflege nicht geteilt, Genehmigungsbehörde ist die Stadt Landsberg“, stellt sie auf die Anfrage des Bürgerforums fest.

Stellungnahmen

Deren Sprecher, Dr. Rainer Gottwald, will es dennoch nicht bei dem Stadtratsbeschluss bewenden lassen. Er hat eine Anfrage an die Regierung von Oberbayern gestellt, ob für das Wartehäuschen am aktuellen Platz überhaupt eine Baugenehmigung vorliege und geht davon aus, dass die Stadt „jetzt zu einer Stellungnahme aufgefordert wird“. Außerdem will er in den nächsten Wochen die Meinung der Landsberger Bürger erfragen und erhofft sich bei der Aktion auch die Unterstützung politischer Gruppierungen.

Christoph Kruse

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