Machtlos gegen Anordnungen

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Die Arbeiten am Hauptplatz gehen voran, allerdings hat Tiefbauamtsleiter Hans Huttenloher Angst, dass einige Pflasterer abgezogen werden, da die archäologischen Ausgrabungen die Pflasterarbeiten verzögern.

Landsberg – Im neuen Bürgerbrief der Stadt Landsberg ist von Problemen keine Rede: „Die Umbauarbeiten auf dem Hauptplatz kommen weiter gut voran“, heißt es da; und: „Nächste Woche beginnen die Pflasterarbeiten auf der Westseite und dem Bereich um den Schmalzturm“.

Dass man aber auch einige Bauchschmerzen hat, erläuterte Hans Huttenloher dem Landsberger Stadtrat. „Wir sind im Moment in einer sehr sensiblen Phase“, so der Chef des Tiefbauamtes. „Wenn die archäologischen Ausgrabungen die Pflasterarbeiten noch weiter verzögern, wird uns die Firma Kutter einen Teil der Pflasterer abziehen. Zur Zeit arbeiten dort zwölf, es wurde uns schon gedroht, vier bis sechs auf eine andere Baustelle zu schicken.“ Die Folge wäre klar: „Dann würde es bei uns sehr viel länger dauern.“ 

Huttenloher ließ durchblicken, dass die Ursache für die Verzögerungen am Eingreifen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege liegen. Die federführende Archäologin der Firma Archbau, Alexandra Völter, sei „sehr kooperativ“, allerdings „ist Dr. Haberstroh auf die Baustelle gekommen und hat einige Anordnungen getroffen.“ Woraus diese Anordnungen bestehen, erläuterte Huttenloher nicht, wohl aber, dass man dagegen machtlos sei. „Ich habe mich deshalb erkundigt, er darf das. Das ist hinzunehmen.“

Dr. Jochen Haberstroh leitet den Bereich Bodendenkmäler beim Landesamt und war bereits vor Beginn der Bauarbeiten beim damaligen Oberbür­- germeister Ingo Lehmann vorstellig geworden, um die Stadtverwaltung über das Vorgehen bei wichtigen Funden am Hauptplatz aufzuklären. Hans Huttenloher hatte aber auch gute Nachrichten.

Durch die zahlreichen Funde dürften sich zwar die Kosten für die archäologische Begleitung der Baustelle von den geplanten 55000 auf jetzt 95000 Euro erhöhen, trotzdem ist man immer noch im grünen Bereich: „Ich habe aus 2011 eine Genehmigung für 5,17 Millionen Euro. Trotz der Mehrkosten sind wir im Moment erst bei 4,9 Millionen.“

Außerdem beträfen die Verzögerungen der Pflasterarbeiten wohl nur die Fußgängerbereiche. „Auf der Fahrbahn wird ganz normal weitergearbeitet. Ich gehe davon aus, dass wir sie irgendwann im Juni wieder in eine Richtung aufmachen können.“


Details für den neuen Hauptplatz


Landsberg – Über 25 Einzelpunkte zum Hauptplatz hatte der Stadtrat zu beschließen, von Linien bis zu Bäumen. Teilweise wurde die Sitzung emotional – zu emotional für OB Mathias Neuner. Nach etlichen Zwischenrufen und lautstark geführten Gesprächen rief er nachdrücklich zur Ordnung. Man habe schließlich Publikum, so der OB, „wir machen uns langsam lächerlich“. Abgestimmt wurde auch, damit sind die meisten Gestaltungsthemen rund um den Platz erst einmal abgeschlossen.

• Stellplätze: Vor der Sparkasse werden vier Taxistellplätze geschaffen. Plätze zum Be- und Entladen gibt es künftig am Leonhardiplatz (2), in der Nähe des Ärztehauses (4), vor der Sparkasse (2), VR-Bank (4) und vor Brand&Nill (2). Außerdem gibt es sechs Behindertenparkplätze. • Größere Fußgängerzone: Künftig gehören der gesamte Platz westlich der Fahrbahn, die Salzgasse und die Herzog-Ernst-Straße zur Fußgängerzone. Radfahren ist erlaubt. • Markierungen und Schilder: Auf der Fahrbahn werden keinerlei Markierungen angebracht. Die Stellplätze werden nur an den Ecken farblich markiert. Beschilderung erfolgt nur für den fließenden Verkehr und auf mobilen Schildern. Bei der Regierung soll Tempo 20 erreicht werden. • Außenbestuhlung: Vor Cafés und Restaurants werden Flächen ausgewiesen, auf denen Platz für insgesamt maximal 400 Gäste sein kann. Eine einheitliche Bestuhlung kann aus rechtlichen Gründen nicht durchgesetzt werden. Schirme dürfen nicht größer als vier bis fünf Meter sein. • Bäume: Die Meinungen von Baumgegnern und -befürwortern prallten hart aufeinander. Bei einem ersten Ab­- stimmungsversuch, den ein Antrag unterbrach, stimmten nur elf Räte für die Bäume, beim zweiten Versuch dann plötzlich 15, was bei einigen Teilnehmern für Erheiterung sorgte, bei anderen für Fassungslosigkeit. Ergebnis: Rund um das Bushäuschen werden vier Platanen gepflanzt. Die Erstellung des Konzeptes für „Wanderbäume“, von Stadtbaumeisterin Michler angeregt, wurde einstimmig abgelehnt. • Beleuchtung: Das Aufstellen von zwei Beleuchtungsmasten wurde abgelehnt. Im Osten und Norden des Platzes haben sich Hauseigentümer bereit erklärt, fünf starke Strahler anbringen zu lassen, um die Fahrbahn besser auszuleuchten. Tiefbauchef Huttenloher wies „ausdrücklich“ darauf hin, „dass es an bestimmten Stellen damit zu Blendungen durch die Strahler kommen wird“.

Christoph Kruse


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